Freitag , 10 Juli 2020
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USA – das reichste Land der Welt oder das am meisten verschuldete?

foreclosureEs mag sein, dass wir einen Menschen, der, mit goldener Rolex am Arm, im neuesten Mercedes sitzend, gerade in die Garage seiner Luxusvilla fährt, für reich halten. Er muss es aber nicht unbedingt sein, schließlich lässt sich die Uhr und das Auto auf Pump kaufen und das Haus kann gemietet sein. Und wie reich ist das sogenannte reichste Land der Welt, die Vereinigten Staaten? Die Werte, über die dieses Land verfügt, stechen nicht so scharf ins Auge wie die Schulden. Auf einer durchaus seriösen Webseite, genannt US-National-Dept-Clock, die sich auf Angaben durch die Federal Reserve Bank beruft, werden diese mit unglaublichen $ 54.819.000.000.000 angegeben.

Das sind mehr als 54 Billionen Dollar. Woraus setzt sich dieser Schuldenberg zusammen? Der größte Einzelschuldner ist natürlich der Staat. Die sogenannten Federal Debts liegen mittlerweile bei 12,3 Billionen. Die Privatschulden werden mit 16,7 Billionen angegeben, was Hypothekardarlehen von 14,2 Milliarden einschließt. Um Ihnen die Vorstellung, um was für eine Summe es sich dabei handelt, etwas näher zu führen, dazu ein einfaches Rechenbeispiel: Bekommen sie jede Sekunde einen Dollar geschenkt, dann nehmen Sie immerhin jede Minute 60, und jede Stunde 3.600 Dollar ein. Das wären 86.400 Dollar pro Tag und nach einem Jahr immerhin mehr als 31 Millionen. Es würde aber trotzdem fast Ihr halbes Leben in Anspruch nehmen, bis sie dadurch zum Milliardär würden. Und wann wären Sie Billionär? Nach rund 31.700 Jahren. Erhöhen wir nun den auf wundersame Weise hervorgebrachten Dollar auf einen Tausender pro Sekunde, dann würden Sie zwar täglich 86,4 Millionen einnehmen, und trotzdem nähme es mehr als 1.700 Jahre, mehr als 20 Menschleben, in Anspruch, bis Sie reich genug wären, um den Amerikanern ihre Schulden zu bezahlen.

goldnuggetEin durchaus interessanter Vergleich lässt sich mit dem derzeitigen Wert von Gold anstellen, der immerhin während der vergangenen Jahre kräftig angestiegen ist. Offiziellen Angaben entsprechend, betrug der Goldbestand im Dezember 2005 weltweit rund 155.000 Tonnen. Dies berücksichtigt nicht nur die knapp 30.000 Tonnen, die in den Tresoren von Nationalbanken gelagert sind, 8.133 Tonnen davon in Fort Knox, sondern alles Gold, das jemals dem Erdboden entnommen worden ist. Erhöhen wir diesen Wert, auf Grund regelmäßiger Förderungen, auf 165.000 Tonnen, so beträgt der Geldwert allen je geförderten Goldes z. Z. weniger als 6 Billionen Dollar.

Das bedeutet, alles Gold der Welt reicht nicht einmal dazu aus, die halben Staatsschulden der USA zu begleichen und nur unwesentlich mehr als 10 Prozent der Gesamtverschuldung.

Wie wir in unserem Beitrag zur Geldschöpfung bereits berichtet haben, so stellte die Federal Reserve Bank per 23. März 2006 die Bekanntgabe des Gesamtvolumens von Dollarguthaben (M3 – Money Supply) ein. Den letzten Angaben zu Folge, waren damals knapp über 10 Billionen Dollar im Umlauf. Ungeachtet, wie hoch dieser Wert während der vergangenen vier Jahre angestiegen sein mag, es reicht bei weitem nicht aus, den Schuldenberg zu begleichen.

Nehmen wir ein anderes Beispiel: Unternehmenswerte. Unter dem Begriff „Markkapitalisierung“ lassen sich Angaben finden, in welchen Höhen sich die Werte aller Aktiengesellschaften, den jeweiligen Kurs der Papiere berücksichtigend, in bestimmten Ländern oder weltweit befinden. Während diese für die USA bei geschätzten 15 Billionen Dollar liegen, finden sich in der englischen Wikipedia globale Informationen. Den Kursen entsprechend, lag der Höchstwert, im Mai 2008, bei 57,5 Billionen Dollar, nahm seit damals aber wieder um einiges ab.

Gehen wir davon aus, dass in den Vereinigten Staaten weniger als fünf Prozent der Weltbevölkerung leben, aber weder das gesamte Gold der Welt ausreicht noch alle Aktien zusammen, um die amerikanischen Schulden zu bezahlen, so lässt sich diese unglaubliche Höhe wohl am besten demonstrieren.

Amerika lebt auf Pump. Gewiss, ein nicht unwesentlicher Anteil dieser Verschuldung geht auf das Konto von Unternehmungen. Gewinnorientierte Betriebe sind wohl die einzigen Institutionen, die kalkuliert und vernünftig mit Fremdkapital arbeiten können. Schließlich lässt sich eine ganz einfache Rechnung anstellen, nämlich, wie hoch steigt der Umsatz und wie hoch der Gewinn, durch bestimmte Investitionen. Liegen die Einnahmen höher als die anfallenden Zinsen, so wird die Investition profitabel. Genauso lässt sich natürlich auch bei einem neu gegründeten Unternehmen kalkulieren. Letztendlich ist der enorme Aufschwung der Industrie und die gravierende Produktionssteigerung der Landwirtschaft, zu Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts, darauf zurückzuführen, dass durch die Einführung von Fiat-Money nahezu unbegrenzte Expensionsmöglichkeiten gegeben waren.

nationaldebtDoch, wie sieht es mit Staatsschulden und Privatschulden aus? Im Falle von Staaten liegt das Problem darin, dass diese über so gut wie keine eigenen Einnahmen verfügen. Steuereinnahmen sind schließlich keine Gewinne, sondern es handelt sich um Geld, das den Bürgern abverlangt wird – und noch dazu unter Zwang. Aber ja doch, jeder hat Verständnis dafür, dass Staaten Ausgaben verzeichnen, die teilweise unumgänglich sind, teilweise aber auch den Bürgern wieder zugute kommen. Wäre die Bevölkerung jedoch über Details des herrschenden Geldwesens besser informiert, wäre es ihr bewusst, dass Regierungen ihr eigenes Geld in Umlauf setzen könnten, anstatt sich zu verschulden, wie etwa zur Zeit des amerikanischen Bürgerkriegs unter Abraham Lincoln (ermordet am 15. April 1865), so würde sie die Situation kaum in dieser Form hinnehmen.

Wer sich selbst in Schulden stürzt, ist natürlich auch selbst dafür verantwortlich und ist sich auch bewusst, dass ein wesentlicher Teil der Kaufkraft seiner Einkünfte zur Begleichung der Zinsen aufgeht. Im Falle von Hypothekardarlehen lässt sich natürlich auch die Rechnung anstellen, dass es in vielen Fällen deutlich günstiger wird, die, in diesem Fall in den USA meist sehr niedrigen, und sogar steuerlich absetzbaren, Zinsen zu bezahlen, anstatt monatlicher Miete. Und das über viele Jahre, bis das Geld für ein Eigenheim endlich angespart sein könnte. Doch davon abgesehen, funktioniert die amerikanische Wirtschaft seit rund zwanzig Jahren nur deswegen, weil das Volumen der Privatkredite kontinuierlich angestiegen ist. Über Jahre hinweg war es eine einfache Rechnung, dass die Summe aller Einkommen in den USA nicht ausreichte, das Konsum-Volumen hoch genug zu halten, um ein notwendiges Wirtschaftswachstum zu garantieren. Insbesondere diesen Umstand berücksichtigend, und wissend, dass die Banken seit über einem Jahr keine nennenswerten Erhöhungen von Privatkrediten erlauben, wirkt die Idee, dass die derzeitige Wirtschaftskrise beendet sein könnte, völlig absurd. Es fehlt nämlich nicht nur an Kaufkraft, wegen des Ausfalls neuer Kredite, die Summe der Einnahmen der Bürger reduziert sich um die Zinsen, die für bestehende Kredite beglichen werden müssen.

ustotaldebtMan muss kein Schwarzmaler sein, um zu erkennen, dass dieses Kartenhaus früher oder später zusammenbrechen muss. Die Hoffnung auf ewiges Wachstum gerät ins Wanken. Deficit-Spending hat sich als unhaltbar erwiesen. Die gegebene Situation, dass Geldumlauf fast ausschließlich auf Kreditbasis funktioniert, die Summe der Schulden, der Zinsen wegen, aber ein Mehrfaches des zirkulierenden Geldvolumens beträgt, sollte wirklich Jeden zum Nachdenken anregen. So wie der Einzelne hilflos dem Bankrott ausgesetzt ist, wenn er sich derart überschuldet, dass seine Einnahmen bei bestem Willen nicht mehr ausreichen, um auch nur die Zinsen für seine Kredite zu bezahlen, wie sollte es einer Gesellschaft als Ganzes anders ergehen?

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