Donnerstag , 22 August 2019
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Die Kreislaufschwierigkeiten des Geldes

„Einmal Wirtschaftskrise mit europäischer Finanzsoße bitte, gewürzt mit Insolvenz!“ – das derzeitige Tagesessen, möchte man meinen. Keine Nachrichten ohne eine Meldung zur Rettung Griechenlands, keine Zeitung ohne Kommentar zur Lage in Italien, kein Tag ohne den Namen der Kanzlerin. Doch wie so oft, sowohl in der Geschichte als auch in vielen aktuellen Debatten, werden nur Lösungsvorschläge zu akuten Problemen diskutiert. Dies hat zur Folge, dass die eigentliche Problematik vernachlässigt wird und somit ein erneuter Zusammenbruch des Wirtschaftssystems vorprogrammiert ist. Eine genaue Betrachtung der Ursachen mag hier helfen, jedoch ist auch der Ansatz fast aller Kritiker, die Verantwortung immer bei den bösen „Spekulanten und Bankstern“ zu sehen, reine Polemik und nur teilweise korrekt. Um wahre, langfristige und dem Gemeinwohl zuträgliche Lösungen, wie das Gesamtsystem zu verändern ist, zu finden, muss eben dieses präzise analysiert werden.

Dazu hilft ein grobes, vereinfachendes Modell: Die Regierung eines Staates pumpt mittels Subventionen, Wirtschafts- und Strukturmaßnahmen Geld in die internationale und nationale Wirtschaft, die Märkte, den Handel. Ein Anstieg des Konsums, aber auch der Arbeitsmöglichkeiten ist die Folge – das Land prosperiert. Daraus ziehen Banken, Kreditinstitute und Börsen durch Kredite, Investitionen, Spekulation und Wertpapierhandel großen Gewinn: Das Geld fließt nun in den Finanzsektor. Selbiges musste die Regierung jedoch vorher von oben genannten Instituten als Kredit leihen. Aus dem wirtschaftlichen Aufschwung resultierende erhöhte Steuereinnahmen können diese Schulden nicht kompensieren, sodass die Staatsverschuldung in die Höhe schnellt – der Zusammenbruch des Systems und eine Wirtschaftskrise sind die Folge.

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Hier liegt also das zentrale Problem unseres Systems: Der Finanzsektor ist die Endstation des Geldes, während sich die Regierung mit jeder Maßnahme tiefer in die Krise begibt, ungeachtet des saisonalen Aufschwungs. Jeder aktuelle Rettungsversuch ist nur eine zeitweilige Verzögerung des Unglücks.

Um dieses Problem zu lösen, muss der „rote Pfeil“ der Grafik schwarz werden: Die Banken müssen die Regierung für ihre Arbeit bezahlen. Nur so kann der Kreislauf des Geldes intakt sein. Solange es Kredite benötigt, um den Staat zu finanzieren, kann das Gesamtsystem nur in den Kollaps führen, wobei der Gewinner der Misere feststeht. Da eine freiwillige Geldabgabe der Finanzherren Utopie ist, müssen Banken und Kreditinstitute verstaatlicht und zur Geldeinnahmequelle der Regierung werden – sie würden als staatliche Institute direkt für die Regierung arbeiten. Damit würde diese ohne Umwege von wirtschaftlichem Aufschwung profitieren, der Teufelskreis löste sich damit auf.

Keineswegs soll dies ein Aufruf zum Kommunismus sein, der historisch wie gegenwärtig versagt hat – im Gegenteil: Gegenwärtige kapitalistische Strukturen blieben weitgehend erhalten, auch die Tätigkeiten des Finanzsektors würden sich nicht verändern. Stattdessen handelten sie aber unter staatlicher Kontrolle, und das erwirtschaftete Geld würde zum Großteil wieder zurückfließen, sodass umfassende Ausgeglichenheit garantiert wäre. Aber auch dieses System ist angesichts des hohen Maßes an Korruption und Lobbyismus reine Utopie, denn anzunehmen, dass die Marionetten, die sich unsere Politiker nennen, gegen ihre Geldgeber agierten, wäre naiv. So bleibt wohl alles beim Alten, denn auch von Protesten lässt sich heutzutage niemand mehr beeindrucken.

Wir, die „99%“, wie es so treffend ausgedrückt wird, können nur eines tun: Ein Bewusstsein für die Ausbeutung und Verheizung der Bevölkerung zu entwickeln und das Beste daraus für uns, unsere Kinder und Mitmenschen zu machen – denn vieles können sie uns rauben, nicht jedoch unsere Menschlichkeit.

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