Donnerstag , 14 November 2019
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Krisen sind der Weg zu Reichtum

bbc_rastaniNicht die Behauptungen eines völlig unbekannten Spekulanten bei BBC-News sollten für Verwunderung sorgen, sondern die dadurch ausgelösten Schlagzeilen. Zwar mit nur rund 30 Beiträgen, doch selbst Google-News setzte diesen Meldungsblock über Stunden hinweg an oberste Stelle. „Nicht Regierungen, sondern Goldman-Sachs herrscht über die Welt!“, ist eine der Kernaussagen. Nicht steigende Aktienkurse brächten Gewinne, sondern Rezensionen. Ein gewisser Alessio Rastani, dessen Wortwahl und Auftreten durchaus an einen Börseninsider erinnern, spricht aus, was für kritische Beobachter ohnehin selbstverständlich ist.

Es gibt Tatsachen, die einem Teil der Menschen völlig klar sind, die von anderen aber trotzdem vehement bestritten werden. Jedem Beobachter ebenso wie jedem Insider ist natürlich völlig bewusst, dass Wirtschaftskrisen Einzelnen zu sagenhaftem Reichtum verhelfen. Nachdem der in Mexiko lebende Carlos Slim Helú vom Forbes-Magazin zum reichsten Mann der Welt ernannt wurde, erklärte dieser das gleiche gegenüber einer libanesischen Zeitung.

Auf das folgende Video von BBC-News, aufgezeichnet am vergangenen Montag, wurde ich selbst schon gestern aufmerksam. Wären die gleichen Worte von jemandem ausgesprochen worden, der sich eines höheren Bekanntheitsgrades erfreut, hätte ich mich sofort daran gemacht, darüber zu berichten. Etwa ein Finanzminister, ein Repräsentant des IWF, ein überaus erfolgreicher Spekulant wie Warren Buffett. Doch wer glaubt schon einem Alessio Rastani, sofern er von derartigen Zusammenhängen nicht ohnehin schon überzeugt ist?

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Was Alessio Rastani hier erklärt bedeutet, dass alle Rettungsaktionen letztendlich „für die Katz’“ seien. Die Märkte sind erledigt. Es ginge auch gar nicht darum, die Wirtschaft wieder in Schwung zu bringen, Arbeitsplätze zu schaffen, nein, es geht ausschließlich ums Geldverdienen. Schon der Gedanke an eine Rezession stimme ihn glücklich, denn genau dann lässt sich auch wirklich ordentlich abzocken. Er verweist auf die dramatische Krise der 1930er-Jahre, in der Millionen alles verloren hatten, während eine Elite ihren Reichtum vervielfachen konnte. Und dann spricht er auch noch aus, was Stern und Die Welt als Schlagzeile wählten: „Nicht Regierungen, sondern Goldman-Sachs herrscht über die Welt!“ Financial Times Deutschland erachtet das Thema sogar als dermaßen bedeutend, dass ihm dort sogar zwei Artikel gewidmet wurden. Der erste davon allerdings im Bemühen, die Kompetenz von Herrn Rastani in Frage zu stellen. Trotzdem erscheint es als äußerst verwunderlich, dass die getätigten Aussagen bei BBC nicht, wie ansonsten üblich, einfach als „Verschwörungsunsinn“ ignoriert werden.

Nun, dass Goldman-Sachs über die Welt regiere, sollte tatsächlich nur metaphorisch verstanden werden. Zweifellos handelt es sich bei Goldman-Sachs um ein Instrument der Machtausübung, mit Sicherheit aber nicht um die Machtzentrale. Und noch etwas fällt schon ganz zu Beginn von Rastanis Erläuterungen auf: Er behauptet, Investoren würden „sichere Anlagen“ suchen, wie US-Staatsanleihen und den amerikanischen Dollar!

Der Euro befindet sich unumstritten im Wanken. Allerdings, die europäische Gemeinschaftswährung untersteht, insbesondere aufgrund der Beteiligung mehrerer Staaten, einsehbarer Kontrolle. Nicht so, der US-Dollar. Seit dem Jahr 2006 unterlässt es die private US-Notenbank Federal Reserve, deren Besitzer geheim gehalten werden (obwohl es natürlich einige klare Hinweise gibt, wer diese sein könnten), die in Umlauf befindliche Geldmenge bekannt zu geben. Zwischen 2007 und 2010 versorgte die Fed sowohl amerikanische als auch internationale Banken mit Krediten in Höhe von mehr als 16 Billionen Dollar, mehr als die gesamte existierende Euromenge von 9,5 Billionen (Euro).

Rastani erklärte, dass jeder, also nicht nur die Finanzelite, an fallenden bzw. unsicheren Märkten verdienen könne, sofern er verstehe, wie es funktioniert. Mehr wollte er zu diesem Thema nicht verraten. Zu den Instrumenten, um aus Kursverfällen Profit zu schlagen, zählen u. a. Leerverkäufe oder der Erwerb von Put-Optionen. (Dabei handelt es sich um eine Option, ein Wertpapier zu einem späteren Zeitpunkt mit festgesetztem Kurs zu veräußern, was den Wert der Option in die Höhe treibt, wenn das Papier an Wert verliert.) Vor dem Schritt, aus einer kranken Währung in eine noch kränkere zu flüchten, würde ich jedoch eindringlich warnen.

Rastanis Äußerungen, dass ein völliger Zusammenbruch der Märkte für die nahe Zukunft zu erwarten sei, wird von vielen objektiven Experten geteilt. Auch ein auffälliger Anstieg des Handelsvolumens von Put-Optionen verhärtet diesen Verdacht. Ob es für konservative Anleger in einer derartigen Situation einen „sicheren Hafen“ gibt, ist nur schwer zu beantworten. Selbst Edelmetalle wie Gold und Silber unterliegen, wie sich während der vergangenen Wochen sogar doppelt bestätigte, enormen Schwankungen. Diejenigen Kreise, von denen die Entwicklungen im Weltgeschehen beeinflusst werden, schaffen es jedenfalls mit Sicherheit, aus jeder Veränderung Profit zu schlagen. Als die Schweiz kürzlich bekannt gab, den Franken an den Euro zu ketten, durfte jeder, der von dieser Entscheidung vor der offiziellen Bekanntgabe wusste, durch entsprechende Veranlagung Unmengen an Geld verdienen. Natürlich wird dadurch der Strafbestand des „Insiderhandels“ erfüllt. Doch, und dessen können Sie sich sicher sein, den wirklichen Insidern stehen Möglichkeiten zur Verfügung, jeden Nachweis von der Verfügbarkeit brisanter Informationen zu verschleiern.

Die Warnungen bezüglich des drohenden Crashs dürfen sicher ernst genommen werden. Die Behauptung, dass Regierungen von einer Finanzelite gesteuert werden, ist mit Sicherheit mehr als bloß Spekulation. Dass es aus der derzeitigen Schuldenkrise keinen Ausweg gibt, ohne das gesamte Geldsystem von Grund auf zu ändern, versteht jeder, der auch nur einen kurzen Blick auf die bekannten Zahlen wirft. Warum sich allerdings die Financial Times ebenso wie andere etablierte Medien Rastanis Äußerungen annehmen, darüber dürfen wir uns vorläufig nur wundern. Vermutlich wird die Zukunft verraten, was damit bezweckt wird.

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