Sonntag , 26 Mai 2019
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Das schwerwiegendste Ereignis des Jahres 2010

erde_weltallWährend der letzten Tage des Monats Dezember findet sich in den meisten Zeitungen der sogenannte Jahresrückblick. Immerhin, nachdem Nachrichten regelmäßig an uns vorbei ziehen, und somit auch rasch wieder in Vergessenheit geraten, lohnt es sich, diese noch einmal in Erinnerung zu rufen. Üblicherweise erfolgt die Nennung der wichtigsten Ereignisse in chronologischer Ordnung. Sucht man jedoch die wirklich bedeutenden Geschehnisse heraus, so liegt die Reihung nach deren Auswirkungen nahe. Und welches Ereignis des Jahres 2010 lässt sich als das schwerwiegendste bezeichnen?

Um den Grad der Bedeutung eines Ereignisses, ungeachtet ob es sich um eine Katastrophe oder eine positive Entwicklung handelt, objektiv beurteilen zu können, ist es Voraussetzung, sich bei der Bewertung nicht von persönlichen Motiven leiten zu lassen. Für betroffene junge Männer mag die beschlossene Aussetzung der allgemeinen Wehrpflicht in Deutschland vielleicht an erster Stelle auftauchen. Für den Rest der Welt stehen aber mit Sicherheit andere Ereignisse im Vordergrund. Um einen ausgesprochen tragischen Unfall handelt es sich bei der sogenannten Loveparade in Duisburg am 24. Juli, bei dem 21 Menschen ums Leben kamen. 500 weitere erlitten teils schwere Verletzungen.

Auch die internationale Finanzkrise erreichte neue Gipfel. Umstrittene Interventionen der EU retteten erst ein überschuldetes Griechenland und einige Monate später folgte Irland. In beiden Ländern reagierten Teile der Bevölkerung mit massiven Protesten auf die drastischen Sparmaßnahmen. Dass die Krise zumindest in Europa damit überwunden sei, daran glaubt mit Sicherheit niemand.

Ein Vorfall der die Welt mit Entsetzen erfüllte, war der Angriff auf die Friedensflotte mit Hilfsgütern für die Bewohner des Gaza-Streifens. An Bord der Mavi Marmara befanden sich insgesamt 663 Passagiere aus 37 verschiedenen Ländern. Neun Menschen starben im Kugelhagel der Israelis, die das Schiff in internationalen Gewässern attackierten. Der, am 27. September veröffentlichte, Ermittlungsbericht der UN-Vollversammlung, in dem u. a. zu lesen ist, dass mehrere der Opfer aus nächster Nähe ins Gesicht geschossen wurden, blieb von den Medien weitgehend unbeachtet.

Für sehr viel Wirbel, und zwar mehrmals, sorgten die Veröffentlichungen von Wikileaks. Es begann mit dem Video, das unter dem Namen Collateral Murder in die Geschichte einging, und den Beschuss unbewaffneter Zivilisten, von einem amerikanischen Kampfhubschrauber aus, in aller Deutlichkeit aufzeigt. Obwohl die Aufnahmen sehr wohl durch die Weltpresse gingen, blieben Konsequenzen aus. Auch die in Folge zur Veröffentlichung gelangten Geheimakten aus den Kriegsgebieten Irak und Afghanistan brachten kaum Veränderungen mit sich. Die erst in jüngster Zeit veröffentlichten Dipolomaten-Cables mit eingerechtet, sorgte Wikileaks jedenfalls für eine Konzentration von Schlagzeilen. Die daraus erfolgenden Konsequenzen werden sich aber – aller Voraussicht nach – leider nicht in der gewünschten Richtung manifestieren.

Von all dem abgesehen, passierte im Laufe des Jahres 2010 jedoch ein Unglück, das aus mehreren Gründen als das mit Abstand schwerwiegendste eingestuft werden kann. Am 20. April erfolgte auf der Bohrplattform namens Deepwater Horizon eine Explosion, der unmittelbar zwar nur 11 Menschenleben zum Opfer fielen, doch handelt es sich um die schlimmste Umweltkatastrophe seit Beginn der Geschichtsschreibung. Die, während der folgenden Monate, in den Golf von Mexiko ausgetretene Ölmenge wird von offizieller Seite auf mehrere hunderttausend Tonnen geschätzt, könnte aber durchaus höher liegen. Unmengen chemischer Lösungsmittel, allen voran Corexit, wurden ins Meer geschüttet. Die tragischen Bilder ölverschmierter Wasservögel und verseuchten Marschlandes können bestenfalls einen oberflächlichen Eindruck der entstandenen Schäden vermitteln.

Von den Medien weitgehend unbeachtet, leiden die Bewohner der Region unter Krankheitserscheinungen, die mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit durch die freigesetzten Giftstoffe ausgelöst werden. Durch die Ölkatastrophe in Alaska im Jahr 1989 (Exxon-Valdez) ist bekannt, wie gefährlich die Auswirkungen auf den Menschen sind. Die damaligen Reinigungshelfer sind mittlerweile alle tot. Sie starben durchschnittlich im Alter von 52 Jahren. Die US-Behörden erklärten Meeresfrüchte aus dem Golf von Mexiko zwar offiziell als unbedenklich, doch bemühte sich die US-Regierung unter Barack Obama mehrfach, vor allem die langfristigen Auswirkungen der Katastrophe herunter zu spielen.

Am 22. Dezember erschien in dem russischen Magazin Nezawisimaya Gazeta ein Artikel des italienischen Physikers Dr. Gianluigi Zangari, der darin die möglichen Auswirkungen der „drastischen Reduktion“ der Chlorophyll-Konzentration im Golf von Mexiko behandelt, die sich anhand von Satellitenaufnahmen bestätigen lässt. Schon vor Monaten gelang es Dr. Zangari, ebenfalls durch Satellitenbilder, zu belegen, dass der sogenannte Loop Current, durch den warmes Wasser aus der Karibik in den Golfstrom weiter geleitet wird, zum Versiegen gekommen ist. Die weltweiten Wettererscheinungen des vergangenen Sommers könnten damit in Verbindung stehen.

Kein Teil unseres Planeten ist vom Rest der Welt isoliert. Dass der Flügelschlag eines Schmetterlings im New Yorker Central Park ein Erdbeben in China auslösen könnte, mag als übertriebene Spekulation der sogenannten Chaos-Theorie einzustufen sein. Doch dass unzählige Tonnen von giftigem Erdöl und noch giftigeren Lösungsmitteln ihren Einfluss sowohl im biologischen als auch im geologischen Sinne verbreiten, gibt Experten und Laien gleichermaßen zu denken.

Von den noch nicht absehbaren ökologischen Auswirkungen dieser Katastrophe gänzlich abgesehen, löste die gesamte Berichterstattung regelmäßig größte Verwunderung aus. Bis heute gibt es keine überzeugenden Bilder, von Unterseeboten aus aufgenommen, die den Zustand des Meeresbodens zeigen. Gerüchte, dass an mehreren Stellen noch immer Öl austreten könnte, werden dadurch gespeist. Zeugenberichten zufolge, werden durch Flugzeuge, ausschließlich nach Einbruch der Dunkelheit, immer noch Lösungsmittel über dem Golf versprüht.

Die Konsequenzen für die verursachenden Unternehmen, allen voran BP, halten sich durchaus in Grenzen. Die Aktienkurse von BP liegen zwar noch immer deutlich niedriger als vor dem 20. April, aber mit $44 trotzdem deutlich höher als zu Beginn der Katastrophe. Von Ende April bis Anfang Juli fiel der Kurs von rund $60 auf unter $27. Klagen auf Schadenersatz werden sich, in gewohnter Weise, über Jahre und Jahrzehnte erstrecken.

Überall auf der Welt wird Erdöl gefördert, und gleichzeitig nach mehr Vorkommen gesucht. In unwirtlichen Regionen, in Kriegsgebieten und am Meeresboden, teils in unglaublichen Tiefen. Auch bei besten Sicherheitsmaßnahmen lässt sich ein Restrisiko nicht ausschließen. Ungeachtet, ob an erster Stelle die Versorgung des Konsumenten steht oder wirtschaftliche Interessen, wie weit lassen sich Komfort und Profit gleichermaßen rechtfertigen, wenn das natürliche Gleichgewicht auf dem einzigen Planeten, der uns zur Verfügung steht, dadurch gefährdet wird? Sollte nicht erwartet werden, dass eine Katastrophe solchen Ausmaßes wie im Golf von Mexiko lautstarke Forderungen mit sich bringt, dem Irrglauben des endlosen, unaufhaltsamen Fortschritts endlich abzuschwören? Die natürlichen Ölvorkommen sind beschränkt. Immer riskanter und immer tiefer zu bohren, kann notwendige Veränderungen ohnehin nur hinauszögern. Natürlich lassen sich fossile Brennstoffe nicht gänzlich durch alternative Energiequellen ersetzen. Doch wenn wir wieder einmal im Stau stecken, Tausende von Motoren im Stillstand laufen, können wir vielleicht einmal darüber nachdenken, ob sich unsere Zivilisation wirklich in einer Art entwickelt hat, die unsere Lebensqualität verbessert. Und damit meine ich keineswegs, dass wir schlicht mit der U-Bahn zur Arbeit fahren sollten. Ein Umdenken müsste weiter, wesentlich weiter reichen. Vielleicht fangen wir im neuen Jahr damit an.

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