Mittwoch , 19 Februar 2020
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Dumpster Diving – stiller Protest und kriminelle Machenschaften

lebensmittel im muelleimerWegwerf-Gesellschaft, Kritik und politische Motive auf der einen, kriminelle und finstere Machenschaften auf der anderen Seite, werden durch ein und denselben Begriff definiert – Dumpster Diving. Im realen Geschehen zeigt sich diese Bezeichnung einer bestimmten Handlungsweise jedoch als derart differenziert, dass im Grundsatz wahre Welten innerhalb  der Definition des „Dumpster Diving“ liegen. Ein Bericht über Menschen, die aus unterschiedlichen Beweggründen in Containern tauchen.

Sie gehen täglich auf Streifzug, durchwühlen Container oder sprechen Geschäfts- und Privatpersonen direkt nach Essbarem an und das, obwohl sie normalerweise derartige Aktionen aus rein finanziellen Gründen nicht nötig hätten. Die Rede ist von Dumpstern, die eine bestimmte Absicht mit dem Mülltonnentauchen verbinden, sehr häufig eine politische Kritik ihr eigen nennen, die wiederum auf die Umstände der herrschenden Wegwerfgesellschaft abzielt. Die größte Kritik der Containerer liegt hierbei in der Tatsache, dass hierzulande Tag für Tag Lebensmittel weggeworfen werden, die sowohl von ihrem Haltbarkeitsdatum als auch unabhängig davon, so etwa bei Obst und Gemüse, noch sehr gut zu essen wären. Dass zeitgleich viele Menschen hungern und der kapitalistische Grundgedanke in der Geschäftswelt dafür sorgt, dass so achtlos mit Lebensmitteln und vielen weiteren Produkten des täglichen Bedarfs umgegangen wird, sind weitere Motivatoren der Dumpster. Ein sehr anschauliches, fast drastisch zu nennendes Aufgreifen dieses seit Jahren die Gesellschaft betreffende Thema, konnte bereits 2005 in der  Dokumentation We Feed the World von Erwin Wagenhofer (Österreich) sehr treffend aufgezeigt werden.

Dumpster Diving kennt viele Formen und Beweggründe

Dumpster Diving selbst beinhaltet allerdings zahlreiche Abstufungen in der Umsetzung, die dadurch geprägt werden, dass das Tauchen in Mülltonnen bzw. Müllcontainern aus wirklicher finanzieller Not ebenso durchgeführt wird als auch eben mit dem politischen Hintergrund eine Änderung innerhalb der gesellschaftlichen und politischen Wegwerf-Mentalität zu erreichen. Während letztere Verfechter zwar das „Containern“ praktizieren, hierbei jedoch in einer moderateren Variante vorgehen, zeigen sich die sogenannten Freeganer deutlich extremer in ihren Handlungsweisen. Freeganer zeichnen sich in der Regel dadurch aus, dass sie sich aus dem kapitalistischen Gefüge des Systems gänzlich versuchen auszuklinken und in der Mehrzahl der Fälle hierbei zeitgleich einen Vegetarismus pflegen.

Das Ziel dieser Containertaucher liegt hierbei auf dem Vermeiden jedweder finanzieller Handlungen, was bedeutet, dass sie nicht nur auf die „Jagd“ von kostenlosen Nahrungsmitteln und Getränken gehen, sondern auch leer stehende Häuser als Wohnort wählen, öffentliche Verkehrsmittel als Schwarzfahrer nützen oder Kleidung und Dinge des täglichen Bedarfs suchen bzw. gezielt bei anderen Menschen und Firmen danach anfragen. Freeganismus so lautet die Titulierung, welcher sich Freeganer verschrieben haben und durch ihr Verhalten Einflüsse von Einzelnen reduzieren wollen, die aufgrund ihrer Verhaltensweisen negative Auswirkungen auf das menschliche Leben, die Tierwelt und die Umwelt als Ganzes entstehen oder dauerhaft erhalten lassen. Als Boykotteure der Wegwerf- und Überflussgesellschaft liegt es Freeganern im persönlichen und gemeinsamen Bestreben, möglichst finanzlos, ohne ein Hervorrufen von eigener Not, das Leben zu meistern. Da die sehr vielfältigen Ziele des Freeganismus an dieser Stelle den Rahmen des Berichts sprengen würde, soll nun darauf nicht tiefer eingegangen werden. Diese sind schon lange nicht mehr nur als national, hingegen als global zu betrachten, zumal sie sich einem ausbeuterischen Kapitalismus entgegenstellen.

dumpster divingMag man auch über manche Verhaltensweisen von diesen Menschen, sprich Dumpstern,  geteilter Meinung sein, liegt trotzallem in der Regel ein positiver Faktor in den Grundgedanken dieser Frauen und Männer verborgen, der bei einer weiteren Form von Dumpster Diving leider nicht vorhanden ist. Die dritte Variante des Containertauchens basiert auf einem kriminellen Hintergrund, vor dem selbst Sicherheitsexperten immer wieder warnen, allerdings ohne die breite Masse der Bevölkerung erreichen zu können. Und das mit weitreichenden Folgen, die sowohl Privatleute als auch Freiberufler, wie Ärzte und Rechtsanwälte, sowie große Unternehmen betreffen können. Containertauchen im Auftrag krimineller Machenschaften ist recht subtil und wird im Alltag von den Bürgern im Land  vollkommen unbeabsichtigt missachtet.

Ob man private Papiere, wie alte (Behörden-) Briefe, Kontoauszüge oder anderweitige Dokumente mit persönlichen wichtigen Daten entsorgt, oder im Falle von Unternehmen Dokumente aus Kunden-, Lieferanten und Geschäftsbeziehungen – all diese Inhalte werden von Dumpstern eifrig und natürlich in aller Heimlichkeit in Mülltonnen gesucht. Die daraus resultierenden Folgen können fatalerweise unter anderem darin bestehen, dass Konten plötzlich leer geräumt sind, die Adressen und weitere Daten teuer verkauft oder bestimmte gefundene „private“ Details als Druckmittel für Erpressungen herangezogen werden. Leider werden gerade von amtlichen Stellen oder von Sicherheitsfachleuten viel zu wenige Hinweise an die Bevölkerung oder Unternehmen herausgegeben, um diesem schändlichen Containertauchen das wertvolle Material zu entziehen. Grundsätzlich tut man gut daran, wenn man darauf achtet, dass zu entsorgende Dokumente geschreddert oder zumindest bis zur Unkenntlichkeit zerrissen werden. Selbst Briefumschläge, die an einen selbst adressiert sind, sollte man hinreichend zerstören, um auch hier keine Daten in der Mülltonne landen zu lassen, die wiederum für kriminelle Containerer ein gefundenes, und vor allem geldwertes, Objekt der Suche darstellen.

In welcher Form auch immer das Dumpster Diving in Deutschland täglich praktiziert wird, ist es jedem nur zu empfehlen sich mit dieser Thematik zu beschäftigen, sei es mit einem Überdenken der eigenen Handlungsweise in Sachen „Wegwerfmentalität“ oder im Sinne des unbewussten Schaffens eines kriminellen Nährbodens, denn beide Varianten betreffen nicht nur eine komplette Gesellschaft hier im Land, sondern insbesondere auch jeden einzelnen Bürger, beziehungsweise jedes kleine und große Unternehmen.

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