Dienstag , 12 November 2019
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Was kann man noch essen? Ein Lebensmittelskandal nach dem nächsten!

lebensmittelskandalNimmt man das alte Sprichwort “Der Mensch ist, was er isst” wörtlich, dann kann man wohl zu recht behaupten, dass es mit uns Menschen nicht so wirklich gut bestellt ist. Kaum ein Monat vergeht, ohne dass ein neuer Lebensmittelskandal wieder neu aufgedeckt wird. Bio-Eier, die keine sind, Rinderwahn, Schweinepest und auch der Skandal, dass Pferdefleisch in Gerichten enthalten ist, in denen niemand dieses Fleisch auch nur ansatzweise vermutet hätte. Welche Möglichkeiten hat der Verbraucher überhaupt, sich diesen minderwertigen Lebensmitteln zu entziehen? Und ist die Gratwanderung zwischen gutem Essen und möglichst geringem Geldaufwand dafür überhaupt realisierbar?

Ein Lebensmittelskandal nach dem nächsten – Verbraucher fühlen sich machtlos

Im Jahr 1997 wurde der erste große Lebensmittelskandal aufgedeckt. Die Rede ist von der Seuche namens BSE, die durch illegale Importe von Rindfleisch aus Großbritannien auch zu uns herüberschwappte. Die Verbraucher waren verunsichert und aus dem Angstgefühl gegenüber BSE heraus wurden dann tausende Tiere auf schnellstem Wege getötet. Der Handel spürte die Konsequenzen, denn der Verbrauch von Rindfleisch ging deutlich spürbar zurück. Noch im gleichen Jahr der nächste Skandal: Abgepacktes Hackfleisch wird im Handel neu verpackt, damit es mit einem neuen Haltbarkeitsdatum deklariert werden kann. Ein weiterer großer Skandal um von uns verbrauchte Lebensmittel stand dann schon im Jahr 2005 an. Der Gammelfleisch-Skandal schockierte die Verbraucher. Fakt war diesmal, dass bereits verdorbenes Fleisch zu Döner, zu Geflügelnuggets und auch zu Bratwürsten weiterverarbeitet wurde. Durch entsprechende Würzungen wurde der veränderte Geschmack des Fleisches einfach überdeckt. Aber auch andere Produkte als Fleisch gerieten dann ins Visier – zumal die Verbraucher inzwischen auch durch die vorangegangenen Skandale um Lebensmittel schon sensibilisiert waren. Das Jahr 2008 war nämlich das Skandaljahr des Mozzarella. Insgesamt 11.000 Tonnen des Weichkäses wurden mit Mäusekot und Würmern durchsetzt aufgefunden. Die Eier folgten kurz darauf. Dioxin in Hühnereiern – das waren die Schlagzeilen um einen weiteren Lebensmittelskandal. Und auch das Schweinefleisch blieb von diesem Skandal letztlich nicht verschont. 2011 war das Jahr von EHEC. Nachdem lange geforscht und geprüft wurde, stellte sich letztlich heraus, dass es EHEC-belastete Sprossen aus Ägypten waren, die den neuen Lebensmittelskandal auslösten. Eine Großbäckerei ging aufgrund eines Skandals im Jahr 2012 sogar insolvent, als nämlich von Lebensmittelkontrolleuren mehrfach Mäusekot in Brötchen und Brot gefunden wurde. Und nun der nächste Skandal im gerade erst begonnenen Jahr 2013. Pferdefleisch in Fertigprodukten, in denen man diese Fleischart nicht vermutet und auch nicht vorzufinden wünscht. Dazu gesellt sich gleich wieder ein Skandal um die Hühnereier, denn nicht alles, was als Bio-Ware deklariert wird, erfüllt die Voraussetzungen der strengen Verordnung für Bio-Lebensmittel.

Wer ist schuld an den ganzen Skandalen?

Verbraucher sind verunsichert, wissen inzwischen nicht mehr, wem sie beim Bezug ihrer Lebensmittel vertrauen sollen. Und letztlich stellt sich natürlich auch die Frage, wer an diesen ganzen Skandalen eigentlich schuld ist. Hersteller argumentieren mit dem Preiskrieg auf dem Lebensmittelmarkt. Nirgendwo ist man preisbewusster als in Deutschland, wenn es um die verschiedenen Lebensmittel geht. Dieses Preisbewusstsein geht zulasten der Qualität der Produkte, denn Hersteller müssen sich dem Preiskampf des Wettbewerbs stellen und das können sie nach eigenen Angaben nur unter absolut strengen Preisgestaltungen. Der durchschnittliche Verbraucher setzt bei seinem Einkauf auf den Discounter und auf No-Name-Produkte, denn diese sind oftmals um fast 50 Prozent preiswerter als Markenware – dabei aber auf den ersten Blick nicht wirklich schlechter. Produzenten müssen diesem Einkaufsverhalten und dem Wettbewerb standhalten, denn kann ein Produzent die enge Kalkulation des Discounters nicht mehr bedienen, wird er durch einen billigeren Anbieter ersetzt. Und bei den Bio-Eiern, die zuletzt in Verruf gerieten, ist es inzwischen nicht mehr machbar, die Nachfrage mit dem bestehenden Angebot zu decken. Bio-Höfe können nur noch über Massentierhaltung die Nachfrage bedienen und dabei dem Preisbewusstsein der Abnehmer entsprechen.

Verbraucher müssen ihr Bewusstsein verändern

Fakt ist, dass Qualität und billige Preise sowie moralischer Einkauf nicht vereinbar sind. Wer billig einkaufen will, muss angefangen von der Haltung der Tiere über die Qualität der Produkte bis hin zum Einsatz von Rohstoffen und Futter Abstriche machen. Gute Qualität und ökologische Produktion mit hochwertigen Produkten ist zwangsläufig mit erhöhten Ausgaben beim Lebensmitteleinkauf für den Verbraucher verbunden. Für Kunden heißt das, dass sie sich gegen minderwertige Ware nur wehren können, wenn sie bereit sind, für hochwertige Produkte tiefer in die Geldbörse zu greifen. Ob dazu die breite Masse bereit ist, sei dahingestellt.

 Bildquelle: By Johann H. Addicks – addicks@gmx.net (selbst erstelltes Lichtbildwerk / own photography)[see page for license], via Wikimedia Commons

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