Samstag , 7 Dezember 2019
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Manipulation im Sport! Wirklich so eine Überraschung?

fussballFans zeigen sich schockiert. Hunderte von Fußballspielen sollen manipuliert worden sein. Unglaublich. Bei amerikanischen Boxkämpfen hätte man vielleicht mit so etwas gerechnet, aber doch nicht beim europäischen Fußball. Wo bleibt das Ideal des ehrlichen Wettkampfs? Ohne auf einzelne Details einzugehen, allein die Logik lässt erahnen: Wo immer Geld im Spiel ist, gibt es zumindest Versuche der Manipulation. Es wäre überraschend, wäre es anders.

Dass bei einem Megageschäft, bei dem Milliarden umgesetzt werden, der finanzielle Erfolg zweifellos im Vordergrund steht, wird gewiss niemand bezweifeln. Nicht unbedingt für den aktiven Sportler selbst, nicht unbedingt, doch zweifellos für das gesamte Umfeld.

Stellen wir nun völlig neutrale Überlegungen zum jüngst aufgedeckten Wettskandal an. Gewiss, ein Sportler, der mit dem Sport gutes Geld verdient, wird sehr wohl abwägen, ob es sich lohnt, seine Karriere aufs Spiel zu setzen. Doch nicht jeder Profisportler zählt zur Spitze. Die Einkommen von aktiven Spielern in Unterligen halten sich bekanntlich in Grenzen. Nicht aber die Umsätze am internationalen Wettmarkt. Was glauben Sie nun, wie ein Spieler, der vielleicht 20.000 oder 30.000 Euro im Jahr verdient, reagiert, wenn ihm 10.000 Euro dafür geboten werden, dass er einmal halt nicht sein Bestes gibt? Wer die Kurse der Buchmacher unter Beobachtung hält, der mag sich gelegentlich wundern, dass es für den Sieg einer bestimmten Mannschaft zuerst einen Kurs von 2,7 gibt, doch sinkt dieser plötzlich immer tiefer ab: 2,5, 2,3, 2,0, 1,9.

In solchen Fällen gibt es natürlich mehrere mögliche Erklärungen. Wird es plötzlich unsicher, ob der Spitzenspieler des gegnerischen Teams antreten wird, weil ihm eine Knieverletzung Probleme bereitet oder Ähnliches, dann steigen natürlich die Siegeschancen, was wiederum bedeutet, dass mehr Geld in diese Richtung fließt.

Es gibt aber auch Fälle, und zwar zur Genüge, in denen die Gründe für das plötzlich ansteigende Vertrauen in den Sieg einer bestimmten Mannschaft nicht so offensichtlich sind. Den Buchmachern ist es dabei ziemlich egal, warum so viel Geld auf ein bestimmtes Team gewettet wird. Sie berechnen einfach die Kurse neu, um ihr eigenes Risiko weitgehendst ausgeglichen zu halten. Dass Millionen von Euro, die etwa auf eine Begegnung der italienischen Serie B gewettet werden, aus ein und derselben Quelle stammen könnten, darüber lässt sich zwar immer spekulieren, doch beweisen lässt es sich kaum.

Kursveränderungen, die auf Manipulation beruhen, fallen natürlich nicht immer so deutlich aus wie im zuvor angeführten Beispiel. Trotzdem gibt es Wettstrategen, die gerade nach derartigen Entwicklungen Ausschau halten. Oft irren sie sich, übersehen, dass die fallenden Odds durch andere Gründe erklärbar wären. Dann treffen sie den Nagel wieder auf den Kopf.

Übrigens, auch Begegnungen, bei denen ein, zwei oder auch drei Spieler für ihr schlechtes Spiel bezahlt werden, enden nicht immer mit einer Niederlage. Bloß die Wahrscheinlichkeit steigt entsprechend. Investiert eine Gruppe von Wettbetrügern 500.000 Euro in ein Spiel zu einem Durchschnittskurs von 2,0, entstehen – sagen wir – 100.000 Euro „Nebenkosten“ für Bestechungsgelder und die Honorare der „Wettboten“, dann reicht es, wenn das Resultat in mehr als 60% der Fälle wunschgemäß ausfällt. Das Erfolgsratio lässt sich aber gewiss auf über 80% einschätzen.

Wettbegeisterten, die nicht gerade naiv sind, waren diese Dinge immer schon klar. Mit den steigenden Umsätzen am Wettmarkt durch Online-Buchmacher ist natürlich auch die Zahl der manipulierten Spiele angestiegen. In manchen amerikanischen Filmen wird dieses Thema angeschnitten, wenn Spieler im College-Basketball bestochen oder bedroht werden, um den Ball in der Endphase halt ein paar Mal neben den Korb zu werfen. Warum sollte es im Fußball – und bei so vielen anderen Sportarten – nicht ebenso zugehen?

Für Sportbegeisterte mögen solche Geschichten enttäuschend sein. Sie mögen vermuten, dass es weder in der Wirtschaft noch in der Politik sogenanntes „Fair Play“ gibt. Vielleicht lieben sie den Sport gerade deswegen so sehr, weil sie glauben, dass zumindest dort noch alles mit rechten Dingen zugeht. Doch leider: Wo immer Geld im Spiel ist, steht Profit im Vordergrund. Und somit auch im Sport.

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