Montag , 25 Januar 2021
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War das einstige Leben mit weniger gesetzlichen Regelungen wirklich so „unerträglich“?

children runningIch frage mich schon seit einiger Zeit, ob die Menschen vor 40 – 60 Jahren zu naiv waren, um zu erkennen, wie kompliziert das Leben eigentlich ist. Denn im großen und ganzen taten sie Dinge aus dem Bauch heraus, ohne irgendeine Studie zu Rate zu ziehen. In der Jetztzeit dagegen gibt es immer mehr Reglementierungen, die uns den Weg in ein gefahrloses „besseres Leben“ weisen sollen. Besonders die „Brüsseler Denkfabrik” ist unglaublich erfinderisch, wenn es darum geht, Regeln zu erdenken, die unser Leben „positiv” beeinflussen sollen.

So wurden zu „unserem Schutz” die Glühbirnen verboten, die jahrzehntelang zu aller Zufriedenheit ihre Dienste verrichtet haben. So wie Salatgurken, die eine gewisse Krümmung überschreiten, nicht mehr auf uns losgelassen werden.

Derzeit wird ja intensiv daran gearbeitet, neue Anforderungen für Duschköpfe und Wasserhähne zu schaffen. Gott was haben wir unter den bisher montierten gelitten. Da musste man noch selber den maximalen Wasserdurchfluss dosieren. Dieser Plage sollen wir uns in Zukunft nicht mehr aussetzen.

Doch auch abseits der illustren EU-Experten spielt sich einiges ab.

Die unzähligen Messstellen für Feinstaub, die es wohl nicht nur in meiner Heimatstadt Wien gibt, dienen zweifellos einem guten Zweck. Doch erinnere ich mich noch gut an jene Zeiten, als noch mit Kohle geheizt wurde (und wie frisch gefallener Schnee nach zwei Tagen ausgesehen hat), als Autos noch keine Katalysatoren hatten und sich Menschen noch bedenkenlos im Freien aufhielten. Gab es damals mehr Kranke aus heute? Und wenn wir die hohen Standards der modernen Medizin ins Auge fassen, taucht da nicht die Frage auf, warum es bei so viel ärztlicher Kunst denn überhaupt noch Kranke gibt?

Wo waren die vielen Fettleibigen zu jenen Zeiten, als uns die Ernährungswissenschaftler noch nicht im Detail erklärten, was wir essen sollen und was nicht? Als es noch keine Fitness-Center gab und Hunderte von Büchern, die alle versprechen, uns gesund zu erhalten.

Vielleicht fühlte sich der Eine oder Andere hin und wieder einmal überarbeitet. Als beste Medizin dagegen galt ein Urlaub, und zwar ein entspannender, am Land, in den Bergen – ohne anstrengenden Flug und Erlebnishunger.

In den Schulen ging es oft recht hart zu. Strenge Lehrer bestimmten, wo es lang geht. In den Pausen wurde gerauft. Ernsthafte Verletzungen gab es aber trotzdem keine. Auch produzierte die damalige Art des Unterrichts sicher keine Idioten. Wir erlitten keinerlei psychische Schäden. Und wie die Situation heute aussieht, wo am besten hinter jedem Schüler ein Schulpsychiater stehen sollte, damit ist wohl jeder selbst vertraut. Auch mit der Hoffnungslosigkeit, mit der sich viele Jugendliche konfrontiert finden – um in Drogen, Komasaufen und auf sonstige Abwege flüchten.

Wie es mit der „Liebe“ so funktioniert, das begriffen wir damals auch ohne Aufklärungsunterricht. Ich kann mich auch nicht an telefonische Notdienste erinnern, die rund um die Uhr zur Verfügung standen, um seelische Schmerzen zu lindern.

Als Kind spielte ich, so wie die meisten meiner damaligen Altersgenossen, mit Pfeil und Bogen, selbstgeschnitzten Speeren, Steinschleudern und Spielzeugpistolen. Wie kommt es, dass heute, wo Kinder vor derart Spielzeug geschützt werden, immer mehr Gewalt um sich greift? Natürlich fällt mir da sogleich die Brutalität ein, die heutzutage in Filmen gezeigt wird, gar nicht zu reden von den neusten Computerspielen, doch den „Experten“ zufolge sei dies wiederum harmlos.

Wir haben es auch überlebt, ohne Schutzkleidung mit dem Fahrrad zu fahren, Lebensmittel, die kein Ablaufdatum auswiesen, zu uns zu nehmen, in unserer Gegenwart wurde geraucht … Kurz gesagt, alles schien um so vieles einfacher. So vieles wurde schlicht vom gesunden Hausverstand geleitet.

Wozu brauchen wir also die vielen neuen Regelungen, Standards, Vorschriften? Die vielen negativen Auswirkungen, die in unserer Gesellschaft plötzlich auftauchen, sind sicher nicht auf einen Mangel an Regelungen zurückzuführen; denn die gab es zu meiner Jugendzeit schließlich auch nicht.

Wenn wir darüber nachdenken, so steckt hinter all den neuen Ideen irgendwo Profit. Irgendjemand verdient daran, wenn wir uns neuen Vorschriften zu unterwerfen haben. Und trotzdem glauben so viele Menschen immer noch, all diese Bestimmungen würden unserem Wohle dienen. War unser Leben nicht einfacher und angenehmer, bevor sich die Behörden in so viele Details unseres Alltags einmischten?

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