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Gold als Wertanlage: Put-Optionen sind eine Versicherung gegen Kurseinbrüche

Goldpreis Chart May2013Goldmünzen als Alternative zum Sparbuch? Und was geschieht, wenn der Goldpreis weiter fällt? Gingen nicht mit dem kürzlich erfolgten Kurseinbruch gleichzeitig auch entsprechende Warnungen einher? Jede Art von Wertanlage verfügt über Vor- und Nachteile. Optionsscheine, auch Derivate genannt, sind jedoch in erster Linie nicht bloß Spekulationsinstrumente, sondern sie dienen der Absicherung gegen Preisveränderungen. Während Einlagen auf Sparbüchern inflationsbedingt zwingend Verluste bringen, lassen sich Gold und auch Aktien gegen Wertverluste versichern. Wer über Werte verfügt, ungeachtet, ob es 50.000 Euro oder einige Millionen sind, ist in erster Linie bestrebt, diese Werte zu erhalten. Und somit natürlich auch, sie gegen die Inflation abzusichern. Als wir Kinder waren, hat man uns erzählt, der sicherste Ort zur Aufbewahrung von Geld ist die Bank. Auf Spareinlagen werden Zinsen bezahlt und letztendlich gibt es dann noch die staatliche Garantie, dass, im Falle einer Bankenpleite, den Sparern der Schaden durch öffentliche Mittel ersetzt wird. Was sollte also da noch schiefgehen?

Das erste Problem ist, dass die mittlerweile bezahlten Zinsen niedriger liegen als die Teuerungsrate. Das bedeutet, dass die Kaufkraft des Guthabens stetig dahinschwindend. Wie das Beispiel Zypern kürzlich aufgezeigt hat, lassen sich Bankguthaben durch jederzeit beschließbare Sondersteuern schröpfen und auch noch auf anderen Wegen legal konfiszieren. Und was die staatliche Garantie für Spareinlagen betrifft: Der Staat selbst verfügt über kein Geld. Der muss es erst den Bürgern in Form von Steuern wegnehmen, bevor er es diesen „großzügigerweise“ wieder zurückerstatten kann.

So wie kein vernünftiger Mensch alles Geld auf ein einziges Pferd wettet, so war es schon immer empfehlenswert, Vermögen gestreut anzulegen. Geld, Bonds, Aktien, Edelmetalle, Grund und Boden. Je nach Höhe des zu veranlagenden Vermögens. Sich diesbezüglich ausschließlich auf die Beratung durch die eigene Bank zu verlassen, birgt das Risiko in sich, dass die Art der Anlage in erster Linie der Bank dient, und nicht dem Kunden. Von allen Varianten zählt der Erwerb von Gold zweifellos zu den naheliegendsten. Natürlich unterliegt der Preis regelmäßigen Schwankungen. Im Falle dringenden Geldbedarfs könnte es somit durchaus der Fall sein, dass der Goldpreis gerade zu diesem Zeitpunkt niedriger liegt und Verluste in Kauf genommen werden müssen. Dementsprechend ist es auch ratsam, Investitionen in Edelmetalle nicht kurz-, sondern nur mittel- und langfristig zu planen. Doch können wir uns sicher sein, dass Gold nicht seine noch immer vorhandene Attraktivität wieder einbüßt? Was immer der Auslöser sein könnte, es kann niemals restlos ausgeschlossen werden, dass der Goldpreis wieder drastisch absinkt. Kaufen Sie heute die Unze für 1.100 Euro, so lässt sich zwar niemals ausschließen, dass der Preis in ein oder zwei Jahren vielleicht nur mehr 800 Euro oder noch weniger beträgt, aber genau dagegen können Sie sich durch den Kauf von Put-Optionen absichern.

 

Was ist ein Optionsschein?

Es gibt zwei Grundarten, die Calls und Puts genannt werden. Eine Call-Option ist eine Garantie, ein bestimmtes Wertpapier zu einem bestimmten in der Zukunft liegenden Zeitpunkt um einen festgesetzten Preis zu erwerben. Ein Beispiel anhand des Goldpreises: Sie kaufen Calls mit einer Laufzeit von einem Jahr und einem Basispreis von $ 1.400. Ungeachtet wie hoch der Goldpreis zum Stichtag liegen mag, Sie erhalten die Unze für $ 1.400 bzw. die Differenz zwischen diesem und dem tatsächlichen Preis in Geld. Sinkt der Goldpreis bis dahin ab, ist Ihre Option natürlich wertlos.

 

Put-Optionen sind genau das Gegenteil: Nehmen wir wieder einen Basispreis von $ 1.400, so verfügen Sie über die Garantie, zu diesem Preis verkaufen zu können, ungeachtet wie tief der tatsächliche Preis gesunken sein mag. Nachdem Optionsscheine an der Börse gehandelt werden, brauchen sie jedoch im Falle einer günstigen Kursentwicklung nicht bis zum Stichtag zu warten. Verfügen Sie über Puts und der Goldpreis sinkt, so steigen die Puts gleichzeitig im Wert und können täglich veräußert werden. Ihre Goldmünzen haben dann zwar an Wert eingebüßt, sie erhalten aber eine entsprechende Entschädigung in bar.

 

Wie sieht dies nun praktisch aus, wenn Sie sich zum Kauf von Goldmünzen entschließen und sich gegen einen Preisverfall absichern möchten?

Bei Boerse.de lassen sich die aktuellen Kurse von Optionsscheinen (auf Derivate klicken) einsehen. (Anm.: Die folgenden Angaben unterliegen, auf Grund der derzeit hohen Volatilität von Gold, regelmäßigen Veränderungen, was bedeutet, dass sich die Werte in der Zeit zwischen dem Verfassen dieses Artikels und dessen Veröffentlich bereits verändert haben könnten.) Bei Goldoptionen ist das Bezugsverhältnis in praktisch allen Fällen mit 0,10 angegeben, was bedeutet, dass Sie zehn Optionsscheine erwerben müssen, um eine Unze Gold abzusichern. Bei einer einjährigen Laufzeit liegt der Preis für Put-Optionen mit Basispreis $ 1.450 z. Z. bei rund 10 Euro.

 

Die Situation rechnet sich nun folgendermaßen: Sie kaufen zehn Unzen Gold, was einen Wert von rund 11.000 Euro repräsentiert (beim Erwerb physischer Münzen liegt der Preis um rund 5% höher als der aktuelle Tageskurs). Weitere 1.000 Euro bezahlen Sie für die Put-Optionen mit einjähriger Laufzeit. Steigt der Goldpreis im Laufe dieses Jahres, so steigt auch der Wert ihrer zehn Münzen entsprechend an. Die Puts werden dabei wertlos. Sinkt der Goldpreis jedoch auf unter $ 1.450 (1.120 Euro), werden ihre Puts entsprechend teurer. Nehmen wir an, der Goldpreis fällt auf 900 Euro pro Unze, so erhalten sie 2.120 Euro als Entschädigung. Ihr Verlust hält sich in Grenzen. Und würde der Goldpreis gar um über die Hälfte auf 500 Euro absinken, dann wären Ihre zehn Münzen zwar nur mehr 5.000 Euro wert, dafür erhalten Sie aber 6.000 Euro für Ihre Puts. Und die Münzen, die ja wieder steigen können, bleiben natürlich in Ihrem Besitz.

Je länger die Laufzeit, desto teurer werden die Puts gehandelt. Put-Optionen, die im Juni 2015 auslaufen (Basispreis $ 1.450) kosten z. Z. rund 14 Euro.

Über den Daumen gerechnet, kostet die Versicherung durch Puts rund 10%, was sich durch zu erwartende Preissteigerungen aber durchaus rechtfertigen lässt. Geht es Ihnen in erster Linie jedoch darum, sich gegen massive Kurseinbrüche abzusichern – was langfristig betrachtet auch ratsam wäre – und nicht gegen minimale Ausschläge nach unten, dann werden die Optionsscheine auch deutlich billiger. (Bei Versicherungen gibt es ein Vergleichsbeispiel: Sich gegen häufig auftretende Kleinschäden zu versichern ist immer wesentlich teuerer als gegen seltene Totalschäden.) Puts mit einem Basispreis von $ 1.200, Laufzeit bis Juni 2014, werden z. Z. um rund 3 Euro gehandelt. Sie tragen damit das Risiko eines Preisverfalls von bis zu 15% zwar selbst, die „Versicherung“ gegen massive Kurseinbrüche kostet Sie aber – basierend auf zehn Unzen – nur mehr 300 Euro. Das Angebot von Optionsscheinen ist jedenfalls sehr umfassend. Und selbstverständlich gibt es solche auch auf den Silberpreis. Zukünftige Entwicklungen vorherzusehen, ist nur jenen Großbanken möglich, die durch massive Angebote die Kurse beeinflussen. Und die lassen sich zweifellos nicht in die Karten sehen. Für den Normalbürger, der sein Erspartes langfristig sichern möchte, waren Edelmetalle immer schon eine interessante Alternative. Warnungen, dass die Preise ja noch weiter fallen könnten, bedürfen zweifellos auch des Hinweises, dass es Put-Optionen gibt, durch welche sich dieses Risiko gegen geringe Kosten neutralisieren lässt. Gegen die schleichende Entwertung von Sparguthaben oder gar gegen eine Konfiszierung zur Eurorettung gibt es jedenfalls keine Versicherung.

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