Freitag , 30 September 2016
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Banking: Das schmutzigste Geschäft aller Zeiten

city of london 250Das seriöse Flair, das Bankiers einst umgab, ist schon lange eingebüßt. Doch nur Wenigen ist bewusst, welche Ausmaße die Manipulationen im Bankgeschäft mittlerweile angenommen haben. Spätestens seit unersättliche Finanzinstitute mit öffentlichen Mitteln unterstützt werden, sollten Begriffe wie Derivate, SWAPs, Libor, Fiat-Währungen und Ähnliches allen Menschen geläufig sein. Im Gegensatz zur sogenannten Realwirtschaft wird von Banken nichts produziert. Die Billionenwerte, die im Laufe der Zeit angehäuft wurden, sind aber durchaus real. Und woher diese stammen, ist nicht schwer zu erraten.

Im Detail sind viele der Mechanismen im Bankengeschäft derart kompliziert, dass selbst Experten nur mit ihren jeweiligen Spezialgebieten vertraut sind. Der Bürger, der Erwerbstätige, der Konsument, der Steuerzahler, lässt sich durch unverständlichen Fachjargon nur all zu oft abschrecken. Er liest über entscheidende Artikel hinweg. Er verlässt sich auf Politiker, auf Experten, auf Kontrollinstanzen – und liefert gleichzeitig die Früchte seiner Arbeit ab. Und zwar nicht nur in Form von Steuern. Die Tentakel des Bankenmonsters umschlingen jeden Bereich, bei dem Geld im Spiel ist. Doch im Kern sind die Mechanismen der Wertabschöpfung gar nicht so schwierig zu durchschauen.

Wenn plötzlich wieder einmal Forderungen auftauchen, nun sogar vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung unterstützt, „Reichen“ einen Teil ihrer Vermögen zu beschlagnahmen, dann hat Der Spiegel nicht unrecht, dies als „gefährlich und naiv“ zu bezeichnen.

Das Problem sind nicht die Nutznießer des Systems, sondern das System selbst. Wäre es möglich, durch eine Sondersteuer auf besonders hohe Vermögen die Mittel bereitzustellen, um vorerst einmal alle Löcher zu stopfen, dann würde es bloß einige Jahre dauern, und wir finden uns mit genau der gleichen Situation aufs Neue konfrontiert.

Das erste Problem liegt – wie könnte es anders sein – in der Art und Weise, wie Geld erschaffen wird. Die gebräuchliche Bezeichnung „Fiat-Währung“ basiert auf dem lateinischen Begriff „fiat“, was exakt bedeutet: es werde. Aus dem Nichts erschaffen. Ungeachtet aller Regelungen, die von der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich und der Europäischen Zentralbank aufgestellt werden, Buch- oder Giralgeld, rund 95% des gesamten Geldvolumens, wird von privaten Banken „geschöpft“, aus dem Nichts, aus „dünner Luft“. So sehr sich alle Welt ums Geld dreht, so wenig verfügt dieses über einen inneren Wert. Was glauben Sie, wie wenigen Menschen dies bewusst ist?

Auf diesem Wege versorgen Banken die Wirtschaft mit den notwendigen Mitteln! Nicht unrichtig ist diese Aussage, doch besagt sie keineswegs, dass es sich dabei um die einzige Möglichkeit handelt, Kapital für Investitionen bereitzustellen. Das „Münzrecht“, das Privileg, Geld in Umlauf zu setzen, lag einst in Händen der Herrscher. Heute sprechen wir von Demokratie, von Volksherrschaft – und das einträglichste aller Geschäfte wurde privaten Geldinstituten, und noch dazu auf internationaler Ebene, übertragen. Nachdem die Idee der Demokratie zur „Heiligen Kuh“ des Westens wurde, wird jeder Zweifel an der „noblen Absicht“ gerne zurückgewiesen. Doch könnte es vielleicht sein, dass dem nichtsahnenden Volk diese Demokratie deswegen so schmackhaft gemacht wurde, um die wahre Machtausübung mittels der Finanzhoheit einer Elite zu übertragen?

Ungeachtet dessen, dass es sich bei der Verrechnung von Zinsen für selbsterschaffenes Geld bereits um ein höchst lukratives Geschäft handelt, die Banker sind damit noch lange nicht zufrieden. „Profitmaximierung“ ist das Schlagwort der Neuzeit. Zwar ist es grundsätzlich nicht möglich, dass eine Bank für eigene Zwecke Geld erschafft, doch Banken „gewähren“ sich gegenseitig Kredite. Das bedeutet, dass Banken ab einer gewissen Größenordnung annähernd unbeschränkt Geldmittel zur Verfügung stehen.

Selbstverständlich brauchen Banken sowohl für die Kreditgewährung als auch für die Inanspruchnahme von Krediten Aktivposten, allerdings nur in Höhe weniger Prozent der eigentlichen Haftungssumme. Wer sich hier durch die exakten Angaben quält, der muss zweifellos mit der Materie bestens vertraut sein. Um diesbezüglich jedoch einen kurzen Überblick zu vermitteln: Die Einlagen von Sparern – obwohl es sich eigentlich um eine Schuld, nämlich dem Sparer gegenüber, handelt – sind als Aktiva verbucht. Genauso alle Investitionen, Aktien, Beteiligungen etc. Und damit es – auch für Kontrollinstanzen – besonders undurchsichtig wird, besitzen Banken unzählige Zweckgesellschaften, teils außerbilanziell, die rechtlich gesehen voneinander unabhängig handeln.

Börsen sollten eigentlich, so wird es zumindest erklärt, dem Zweck dienen, der Realwirtschaft rasch und unkompliziert Geldmittel zur Verfügung zu stellen. Vor einigen Jahrzehnten gab es an kleineren Börsenplätzen jeweils einen Handel pro Tag. Kauf- und Verkaufsgebote wurden verglichen und der Preis wurde so festgesetzt, dass ein möglichst großes Volumen erzielt wurde. Ein Handel pro Tag reicht natürlich völlig für den Zweck der Kapitalbereitstellung. Zu behaupten, Kauf und Verkauf im Sekundentag würde der Realwirtschaft dienen, ist natürlich blanker Unsinn. Hier geht es ausschließlich um Spekulation. Und wer an solcher verdient, ist wohl kein Geheimnis.

Wenn Investmentbanken wie Goldman Sachs stolz verkünden, über Monate hinweg keinen einzigen Handelstag mit Verlust abgeschlossen zu haben, dann liegt es daran, dass bei derartigen Monstergebilden sehr viele Fäden zusammenlaufen. Spekuliert wird nicht nur auf eigene Rechnung, sondern insbesondere im Auftrag von Anlegern. Wenn nun morgens Kaufaufträge für bestimmte Papiere in entsprechend großem Volumen einlangen, dann ist nicht schwer zu erraten, in welche Richtung sich der Kurs entwickeln wird. Würde ein Angestellter derartige Informationen für eigene Zwecke nutzen, wandert er wegen Insiderhandels ins Gefängnis. Goldman Sachs & Co dürfen das aber.

Nur zur Erinnerung, und dabei handelt es sich lediglich um einen Vorfall, der eben zufällig bekannt wurde: Im Jahr 2007 sprach sich ein sogenannter Hedgefond-Manager namens John Paulson mit einem leitenden Angestellten von Goldman Sachs, Fabrice Tourre, ab. Für Anleger wurde ein Investitionspaket mit der Bezeichnung „ABACUS 2007-AC1“ geschaffen, das giftige US-Hypothekardarlehen enthielt. Während Goldman Sachs dies seinen Kunden als gewinnversprechend empfahl, spekulierte John Paulson dagegen. Einige Monate später war er um 10 Milliarden Dollar reicher. Ob Goldman Sachs an diesem Deal ebenfalls verdiente, ist nicht bekannt. Zivilrechtlich wurde über die Investmentbank eine Strafe von 550 Millionen Dollar verhängt. Ins Gefängnis wanderte niemand – und John Paulson wurde zum gefeierten Star in der Investment-Branche.

Doch der Handel mit Aktien und anderen Börsenpapieren, was letztendlich doch noch einer gewissen Kontrolle unterliegt, wird durch außerbörsliche (OTC – over the counter) Derivatgeschäfte um ein Vielfaches übertroffen. Ein kürzlich bei Reuters erschienener Artikel, der zumindest nach gewissen Kontrollen in diesem Bereich verlangt, nennt ein Volumen von 648 Billionen Dollar (kein Schreibfehler: 648.000 Milliarden), was die Wirtschaftsleistung der ganzen Welt um gut das Zehnfache übertrifft.

Was also sind Derivate?

Die einfachste Form eines Derivats wird auch Option genannt. Schließen Sie etwa ein Geschäft in einer Fremdwährung ab, so ist es ratsam, sich gegen eine negative Veränderung des Wechselkurses abzusichern. Lautet die Rechnung auf US-Dollar und dieser nimmt in Relation zum Euro ab, dann machen Sie Ihre dadurch entstehenden Verluste durch die zur Absicherung erworbenen Optionsscheine wieder wett. So weit so gut. Dementsprechend verteidigen Finanzexperten die Derivate ja auch. Allerdings, wie ist es möglich, dass das genannte Volumen um ein Vielfaches höher ist als die gesamte Wirtschaftsleistung? Mit Absicherung kann dies also nicht viel zu tun haben.

Ein Derivatvertrag wird zwischen zwei unabhängigen Parteien abgeschlossen, meistens natürlich Banken. Institut A verfügt über große Werte, die auf US-Dollar lauten, während Institut B mehr in Eurowerten veranlagt ist. Nun schließen die Beiden eine Wette ab. Steigt der Dollar, verliert Institut A, was aber keine Rolle spielt, denn die Vermögenswerte steigen durch die Wechselkursschwankung. Institut B würde durch den schwachen Euro Verluste verbuchen, gewinnt jedoch die Wette – und somit entsteht kein Schaden.

Wechselkurse sind jedoch nur eines von unzähligen Beispielen. So wie beim englischen Buchmacher, darf auf praktisch alles gewettet werden. Wie sich das Wetter entwickelt (was ja auf manche Branchen wirtschaftlichen Einfluss hat), wer in einem bestimmten Land der nächste Präsident wird, ob Griechenland in der Eurozone verbleibt, ob ein Krieg gegen Iran beginnt oder ob Assad innerhalb eines bestimmten Zeitraumes abgesetzt wird.

Nochmals erinnere ich an das unglaubliche Volumen von Derivaten. Schließen Sie eine Feuerversicherung auf Ihr Haus ab, so erlaubt es das Versicherungsrecht natürlich nur, den tatsächlichen Wert der Immobile zu sichern. Außerdem steht diese Möglichkeit nur dem tatsächlichen Eigentümer offen. Im Derivathandel sind derartige Schranken jedoch nicht gegeben. Jeder x-beliebige Mensch dürfte – um bei diesem Beispiel zu bleiben – eine Versicherung auf Ihr Haus erwerben. Und noch dazu in beliebiger Höhe. Nehmen wir nun an, einige Experten sind der Meinung, dass Ihr Haus besonders feuergefährdet ist, und es sich um eine Wette mit positiver Gewinnerwartung handelt, auf eigene Rechnung eine Versicherung auf Ihr Haus abzuschließen. Und, damit es sich auch richtig auszahlt, setzt er nicht den tatsächlichen Wert von, sagen wir, 200.000 Euro ein, sondern 200 Millionen.

Für manche Derivatpartner wäre eine Insolvenz Griechenlands eine Katastrophe. Für deren „Wettpartner“ hingegen wäre genau dies der Gewinnfall.

Aufgrund des unkontrollierten Handels gibt es keinerlei Angaben über die einzelnen Verträge. Doch dürfen wir getrost davon ausgehen, dass im Falle eines Griechenlandbankrotts mehr Geld fällig wird, als ganz Griechenland wert ist.

Um Missverständnissen vorzubeugen, natürlich handelt es sich nicht um eine blinde Zockerei. Hier steckt ebenso Strategie dahinter, wie sie der Fußballexperte anwendet, der Woche für Woche seinen Totoschein ausfüllt.

Der Begriff SWAP wird dabei meist für jene Derivate verwendet, die als besonders abstrakt gelten. Und die exakten Bedingungen sind oft so umfangreich und kompliziert, dass sie meist nur von denjenigen verstanden werden, die den Vertrag selbst ausgearbeitet haben.

Diesbezüglich bezeichnend ist ein Urteil, das im März des Vorjahres gegen die Deutsche Bank gefällt wurde. Ein mittelständischer Unternehmer wollte sich gegen Wechselkursschwankungen absichern, worauf ihm die Deutsche Bank hochkomplizierte „Spread Ladder Swaps“ verkaufte. Ohne sich seiner tatsächlichen Haftung bei ungünstiger Entwicklung bewusst zu sein, büßte der Bankkunde ein kleines Vermögen ein. Dieser Fall ging für ihn allerdings gut aus. Der Bundesgerichtshof verurteilte die Deutsche Bank zur Schadenersatzleistung in Höhe von 540.000 Euro.

Seit einigen Tagen geben sich die Medien schockiert, nachdem aufgeflogen war, dass der sogenannte „Libor“, ein in London festgesetzter Referenzzinssatz, über Jahre hinweg manipuliert wurde. Börseninsidern entlockt der Vorfall ein müdes Lächeln. Für sie war dies noch nie ein Geheimnis.

Warum London für die Finanzwelt so wichtig ist, liegt an der City. Damit ist nicht die „Stadt“ gemeint, sondern das Finanzzentrum, genannt: „City of London“, das sich einer Reihe von Sonderrechten erfreut, um so wenig Einblick wie möglich in die dort abgehandelten Geschäfte zu geben. Insgesamt 16 große Geldinstitute meldeten täglich jene Zinssätze, mit denen sie sich gegenseitig Gelder zur Verfügung stellten. Und dies galt als internationaler Leitfaden für die Entwicklung der Finanzmärkte.

Und siehe da, die Angaben wurden über Jahre hinweg getürkt. Je nach Bedarf und Belieben. Wer auf diesem Weg die Entwicklung an den Märkten sowohl steuert als natürlich auch vorhersieht, dem fällt es leicht, seine Investitionen gewinnbringend zu planen.

Der ganz normale Bürger, der täglich zur Arbeit fährt, pünktlich seine Steuern bezahlt, und regelmäßig hofft, dass sein Geld bis zur nächsten Gehaltsüberweisung ausreicht, kümmert sich wenig – oder besser gesagt: überhaupt nicht – um derartige Finanzgeschäfte. Der Staat wird schon alles regeln, denkt er sich. Decken die Medien hin und wieder, und ja nicht zu oft, einen kleinen Skandal auf, dann wird sich schon jemand darum kümmern. Dass Banken über enorme Vermögen verfügen, weiß er. Und wenn einige plötzlich Hilfe benötigen, dann sind Geldinstitute wohl die Ersten, die in Wirtschaftskrisen Einbußen erleiden. So mag er denken.

Dass, wenn einzelne Banken Verluste erleiden, diese auf die Konten anderer Banken wandern, das sagt ihm schließlich niemand. Warum auch? Dann könnte es ihn am Ende viellicht gar stören, wenn Steuergelder für die Rettung jener Banken verschwendet werden, die ihre Vermögen rechtzeitig und geschickt über undurchsichtige Kanäle verschoben haben. Er weiß lediglich, dass Banken „systemrelevant“ sind.

Das faule Spiel der Banker ist jedoch nichts Neues. Es reicht Jahrhunderte zurück. Bloß der Einfluss wird immer spürbarer. Ein Teil der Steuergelder geht für die Begleichung der Zinsen für die Staatsschulden auf. In jedem Preis sind die Zinsen für die Kredite der involvierten Unternehmen einkalkuliert. Wenn Spekulanten die Getreidepreise in die Höhe treiben, dann zahlt der Konsument dafür. Wie anfangs erwähnt, wo immer Geld im Spiel ist, verdient eine Bank mit.

Während Arbeitnehmer ihre Arbeitszeit verkaufen, Landwirte ihre Ernte, Gastwirte ihr Bier und Händler ihre Waren, sollte die alleinige Funktion von Banken die eines Dienstleisters sein. Tatsache ist, dass Banken über den Geldflussm, über Spekulation und dadurch über alle Lebensbereiche herrschen. Ohne selbst eine nennenswerte Leistung zu erbringen, nähren sie sich an der Realwirtschaft, so wie der Bankwurm an den Kräften seines Opfers zehrt.

Dass jene Elite, die über das Geld herrscht, gleichzeitig auch entsprechende Einflüsse auf die Weltpolitik ausübt, dass Privatisierung und Globalisierung ihre Hauptziele sind, darauf wagen nur Wenige zu verweisen, fallen solche Feststellungen schließlich in den Bereich von „Verschwörungstheorien“. Der Bürger soll sich damit zufriedengeben, dass er seine wertvolle Zeit gegen immer wertloseres Geld eintauschen darf. Zur Belohnung kann er sich gelegentlich ein neues iPhone kaufen, abends fernsehen und gespannt auf die Olympischen Sommerspiele warten. Und wenn er mit seinem verdienten Geld vielleicht doch nicht zurechtkommt, kann es sich nur um seine eigene Schuld handeln. Schließlich leben wir alle in Wohlstand – wird uns zumindest regelmäßig erzählt.

Über Konrad Hausener

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