Sonntag , 31 Juli 2016
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Die Welt aus dem Blickwinkel der Konzerne

brabeck nestleEin Top-Verantwortlicher von Nestlé, dem weltgrößten Lebensmittelkonzern, war freundlich genug, einige Minuten aus der Schule zu plaudern. Im Jahr 2011 reichte sein Rang aus, um bei der Bilderberg-Konferenz in St. Moritz geladen zu sein. Seinen Aussagen zufolge muss Wasser Geld kosten und unter allen Umständen muss mehr Arbeit künstlich geschaffen werden. Die bestehende Arbeit durch reduzierte Arbeitszeit unter mehr Menschen aufzuteilen, ist für ihn ein Fehler. Dass sich die Bevölkerung Europas um gesunde und natürliche Nahrungsmittel sorgt, nennt er „Heuchelei“.

Peter Brabaeck, eigentlich Brabeck-Lemathe, Nachkomme der einstigen Herren von Iserlohn in Nordrhein-Westfalen, arbeitet seit 1968 für Nestlé. 1997 wurde er zum CEO (Corporate Executive Officer). Mittlerweile amtiert er als Präsident des Verwaltungsrates. In dieser Eigenschaft wurde er auch 2011 zur Bilderberger-Konferenz in St. Moritz eingeladen.

Das am Ende eingesetzte Interview wurde schon im Sommer 2012 aufgezeichnet, hat in der Zwischenzeit jedoch nichts an Aktualität eingebüßt. Es vermittelt einen soliden Einblick in die Denkweise eines Verantwortlichen der Konzern-Welt. Brabecks Äußerungen gewinnen sogar besondere Bedeutung seit dem Bekanntwerden der Pläne, die Wasserrechte innerhalb der EU durch Diktat zu privatisieren. So kritisiert er die Ansicht, dass es sich bei der Wasserversorgung um ein Grundrecht handelt, das jedem Menschen zustehen sollte. Für einen Lebensmittelkonzern handelt es sich auch bei Wasser um ein Lebensmittel – und noch dazu um eines, auf das sich auch kurzfristig nicht verzichten lässt. Dementsprechend repräsentiert Wasser, sobald es von Konzernen kontrolliert wird, einen Marktwert.

Wie Brabeck selbst erklärt, liegt die Verantwortung eines Geschäftsführers darin, die erfolgreiche Zukunft seines Unternehmens zu sichern. Dies funktioniert natürlich bestens, wenn Güter, die von der Natur frei zur Verfügung gestellt, von Konzernen zu ihrem Eigentum ernannt werden; und wenn der Gesetzgeber diesen Diebstahl dann sogar noch legalisiert. Der Bürger, der Wasser braucht, soll dafür gefälligst bezahlen.

Die notwendigen Mittel dafür erhält er als Gegenleistung für seine Arbeit. Dass moderne technische Entwicklungen den Arbeitsprozess vereinfachen, sieht Brabeck noch lange nicht als Anlass dafür, dass allgemein weniger gearbeitet werden sollte. Im Gegenteil. Er sagt wörtlich: „Wenn Sie Arbeit schaffen wollen, dann müssen Sie arbeiten. Und nicht so, wie es in der Vergangenheit gewesen ist, dass man die bestehende Arbeit verteilt.“ Zweifellos ist diese Ansicht für einen Interessenvertreter der Konzern-Welt völlig logisch. Der Konzern verdient an der Arbeitskraft seiner Mitarbeiter und er verdient am Konsum. Der Staat sichert sich gleichzeitig seinen Anteil ebenfalls doppelt. Erst besteuert er die bescheidenen Einkommen der Arbeit und dann schlägt er ein zweites Mal zu, wenn diese – nun als Konsumenten – das verdiente Geld wieder ausgeben.

Nachdem sowohl Konzerne als auch steuereintreibende Staaten daran verdienen, dass unsinnig produziert und vielfach unsinnig konsumiert wird, ist es eigentlich keineswegs verwunderlich, dass beide Instanzen in harmonischer Eintracht diesen Unsinn fördern. (Der Staat bereichert sich natürlich nicht, sondern leitet die Einnahmen weiter – bevorzugt an den Finanzsektor.)

Dass nicht nur 275.000 direkte, sondern darüber hinaus auch noch 1,2 Millionen Mitarbeiter von Zulieferfirmen von Nestlé abhängig sind, ist für Nestlè begrüßenswert. Wer abhängig ist, lässt sich diktieren.

Mit innerer Leidenschaft kritisiert er das steigende Naturbewusstsein der Menschen, bezeichnet es sogar als „Heuchelei“. „Bio ist nicht das Beste“, meint er wörtlich und fährt fort: „Nach 15 Jahren Verzehr von gentechnologischen Lebensmitteln ist in den USA nicht einmal ein einziger … nicht einmal ein Krankheitsfall aufgetreten. Und trotzdem sind wir in Europa so beunruhigt, dass uns irgendetwas passieren kann.“

Diese Behauptung, dass gentechnisch veränderte Nahrungsmittel absolut bedenkenlos seien, entstammt natürlich Studien, die von Nestlé und ähnlichen Unternehmen in Auftrag gegeben werden. Dem Bürger das Recht zuzugestehen, dass er sich selbst eine Meinung bildet, liegt zweifellos nicht im Interesse eines Konzerns. Der Bürger soll „fressen, was ihm vorgesetzt wird“ – und schließlich ist er ja auch hier „abhängig“ von dem, was in den Geschäften angeboten wird.

Unsere moderne Welt sieht er nur positiv. Ob er wirklich die Mehrheit der Bevölkerung meint, wenn er sagt: „Wir haben noch nie so gut gelebt“, und: „Wir hatten noch nie so viel Geld“, lässt sich zwar nicht ausschließen, doch das verwendete „Wir“ passt wohl eher auf seine gesellschaftliche Schicht. Er fügt sogar hinzu: „Wir haben alles, was wir wollen, und trotzdem sind wir psychologisch in einer Trauerstimmung“. Vielleicht sollte er einmal darüber nachdenken, warum.

Das Video endet mit einer überaus bezeichnenden Szene. Der Mann, der stolz auf die vielen abhängigen Mitarbeiter verweist, erklärt zum Schluss mit nicht weniger Stolz, dass moderne Fabriken „hochrobotisiert“ sind. „Fast keine Leute“, fügt er hinzu. Doch zweifellos ändert dies nichts an seiner Meinung, dass mehr gearbeitet werden muss.

Über Konrad Hausener

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