Freitag , 26 August 2016
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Gold und Euro fallen: Manipulation in großem Stil

gold_bar_with_handWenn immer die Politik Ideen zur Lösung der Euro-Krise vorschlägt, richtet sich die Aufmerksam sofort auf die Reaktion der „Märkte“. So nebenbei findet der Begriff „Derivate“ gelegentlich Erwähnung. Nur die wenigsten Menschen, Politiker eingeschlossen, wissen überhaupt, worum es sich dabei handelt. Neben dem ganz offiziellen Börsenhandel, werden regelmäßig „Wetten“ auf bestimmte Entwicklungen abgeschlossen, deren Volumen den realen Handel um ein Vielfaches übertrifft. Und diese Transaktionen entziehen sich jeglicher Kontrolle.

Gold verliert wieder an Wert. Kostete die Feinunze (31,1 g) im September vorübergehend noch mehr als $ 1.900, fiel der Preis innerhalb der letzten 24 Stunden von $ 1.660 auf $ 1.570. Obwohl auch der Euro gegenüber dem US-Dollar Einbußen erleidet, reduzierte sich der Goldpreis während der heutigen Handelsstunden um mehr als 40 Euro.

Die üblichen Erklärungen zu Kursveränderungen, Gold, Währungen und Aktien, verlieren sich in den gewohnten Floskeln. „Anleger“ zeigen wieder mehr Vertrauen gegenüber dem Dollar. Der Goldpreis erlebe eine, schon lange ausständige, Kurskorrektur. Die jüngsten Veröffentlichungen von Wirtschaftsdaten deuten in diese oder jene Richtung. Und der Euro steht natürlich deswegen unter Druck, weil sich die europäischen Politiker in der Lösung der Krise als nicht sonderlich geschickt erweisen.

Vor kurzem fand die Bezeichnung „internationale Investoren“ noch wesentlich öfter Verwendung. Mittlerweile scheint „Anleger“ gebräuchlicher zu sein. (Es klingt ja auch harmloser.) Warum sollten Anleger dem Dollar mehr Vertrauen entgegenbringen als dem Euro? Die US-Notenbank, ein privates Institut mit Namen „Federal Reserve Bank“, untersteht weder internationaler noch nationaler Kontrolle. Die Herren von der Fed setzen Dollarmengen nach Belieben in Umlauf und finden es seit dem Jahr 2006 nicht einmal mehr der Mühe Wert, die weltweit existierende Dollarmenge (M3) zu veröffentlichen.

Schwenken wir jedoch gleich zu den Derivaten, die Multimilliardär Warren Buffett schon vor mehr als acht Jahren als „finanzielle Massenvernichtungswaffen“ bezeichnet hatte. Was sind Derivate?

Auch wenn Derivate oft als „Papiere“ bezeichnet werden, sie sind keine „Wertpapiere“ im eigentlichen Sinn, sondern Verträge, die erst nach Eintreten einer bestimmten Entwicklung über Wert verfügen. Vergleichen lassen sie sich am besten sowohl mit einer Versicherung als auch mit einer Wette. Beim traditionellen Optionsschein handelt es sich um ein Derivat. Eine Option berechtigt den Inhaber, zu einem vorgegebenen Zeitpunkt ein bestimmtes Wertpapier oder eine Warenmenge zu einem bestimmten Preis entweder zu kaufen (Call-Option) oder zu verkaufen (Put-Option). Besitzen Sie einen Optionsschein, der Sie dazu berechtigt, am 20. Dezember eine Unze Gold um 1.800 Dollar zu kaufen, dann ist dieses Papier praktisch wertlos, es sei denn, der Goldpreis würde ganz plötzlich wieder ansteigen. Besitzen Sie hingegen eine Put-Option zum gleichen Strikepreis, also $ 1.800, würde diese Option zur Zeit um rund $ 220 bis 250 gehandelt werden, je nachdem, wie die Marktteilnehmer die Entwicklung während der nächsten Tage einschätzen.

Abgesehen von Optionsscheinen, die an Börsen gehandelt werden, gibt es aber auch direkte Verträge zwischen Kreditinstituten und auch anderen Unternehmen. Trotz Warren Buffetts durchaus korrekter Einschätzungen, finden sich, vor allem in öffentlichen Diskussionen, immer wieder Experten, die Derivate als unverzichtbares Instrument zur Absicherung von Investitionen oder abgeschlossenen Geschäften bezeichnen. Dazu ein Beispiel, wie es gerne Verwendung findet:

Ein europäisches Unternehmen schließt ein Milliardengeschäft ab, das in US-Dollar abgerechnet wird. Ein Großteil der Herstellungskosten entsteht jedoch in Euro. Der ausgehandelte Preis ist für den europäischen Hersteller somit nur dann profitabel, solange sich der Wechselkurs zwischen den beiden Währungen nicht entscheidend zu Gunsten des Euro verändert. Ein Kursverfall des US-Dollar könnte das, ansonsten lukrative, Geschäft zu einem Verlust werden lassen. Im kleinen Rahmen würde es nun reichen, Dollar-Put-Optionen zu erwerben, die sicherstellen, dass die erhaltenen Dollar mit der erwarteten Euromenge korrespondieren. Der Ankauf der Optionen ist dabei ein kalkulierbarer Faktor.

Es lässt sich aber auch ein direkter Vertrag mit einer Bank oder einem Unternehmen abschließen, die oder das von einem fallenden Dollarkurs profitiert. (Eine logische Möglichkeit wäre natürlich ein US-Unternehmen, das gegen Euro verkauft.) Fällt der Dollarpreis, wird das europäische Unternehmen durch die Erfüllung des Vertrages entschädigt, der Gewinn aus dem Geschäft ist gesichert. Der Vertragspartner erleidet dadurch aber keinen Verlust, weil dieser gerade am fallenden Dollarpreis verdient.

Nachdem dies auf den ersten Blick jedoch sehr harmlos wirkt, werfen wir einen Blick auf die Volumen:

Der Gesamtwert aller an Börsen gehandelten Aktien, man spricht von „Marktkapitalisierung“, beläuft sich auf rund 50 Billionen Dollar. Der Wert allen Goldes, das auf der Welt jemals geschürft wurde (knapp 200.000 Tonnen), korrespondiert beim derzeitigen Preis mit rund 10 Billionen Dollar. Dem „World Wealth Report“ von Credit Suisse zufolge, soll alles Besitzbare auf der ganzen Welt einem Wert von 231 Billionen Dollar (178 Billionen Euro) entsprechen. Die Webseite usdebtclock.org veröffentlicht relativ verlässliche Angaben zur US-Verschuldung, unter Berufung auf Daten der Fed und des IWF. Das Volumen von Derivaten wird dabei auf rund 750 Billionen Dollar geschätzt. Nachdem diese Derivate außerbörslich (OTC) gehandelt werden, stehen exakte Angaben nicht zur Verfügung.

Unkontrollierbare Derivate verfügen somit über einen Wert, der 15 Mal höher liegt als alle Aktien weltweit aufaddiert. 75 Mal mehr Volumen als alles Gold der Welt. Das Dreifache von absolut allem, was auf der Welt von irgend jemandem besessen wird. Wie ist das möglich?

Wie schon erwähnt und auch erklärt, lassen sich Derivat-Verträge mit Versicherungen vergleichen. Schließen Sie für Ihr Haus eine Feuerversicherung ab, so dürfen Sie, wenn Sie wollen, Ihr Haus unterversichern. Es ist aber völlig ausgeschlossen, dass Sie ein Haus, das einem Wert von 300.000 Euro entspricht, auf ein Mehrfaches dieser Summe gegen Brandschaden versichern. Es ist natürlich auch nicht möglich, dass Sie Ihr Haus gleichzeitig bei mehreren Anstalten versichern, um, falls es tatsächlich abbrennen sollte, aus diesem Unglück Profit zu schlagen.

Anders bei Derivatgeschäften. Diese sind nicht auf den tatsächlich möglichen Schaden beschränkt. Es ist so, als würden Sie eine Versicherung auf das Haus Ihres Nachbarn abschließen und das gleich über den zehnfachen Wert. Und nicht nur Sie. Jeder könnte das tun. Und sollte dessen Haus mit einem Wert von 300.000 Euro tatsächlich in Flammen aufgehen, so würden 20 Nachbarn insgesamt 50 Millionen verdienen. Aus gutem Grund lassen Versicherungsanstalten derartige Spekulationen nicht zu.

Was für Auswirkungen könnte der Derivathandel somit auf den Goldpreis haben?

Hierbei möchte ich auch noch feststellen, dass die großen Goldtransaktionen, die über den Preis bestimmen, anhand von Lieferverträgen durchgeführt werden. Verkaufen Sie heute fünf Tonnen Gold auf den internationalen Handelsplätzen, so bedeutet das nicht, dass Sie diese fünf Tonnen auch tatsächlich besitzen müssen. Sie verkaufen ein Lieferversprechen, dessen Einlösung nur selten gefordert wird. Demzufolge übersteigt das tägliche Handelsvolumen die verfügbare Menge von Gold regelmäßig.

Wird dieses Handelsvolumen immerhin noch aufgezeichnet, so gibt es parallel dazu den Derivathandel, der sich jeglicher Kontrolle entzieht. Somit ist auch kaum eine Möglichkeit gegeben, Manipulationen in diesem Bereich aufzudecken. Und somit bleibt zur besseren Veranschaulichung nur die Konstruktion eines rein theoretischen Beispiels:

Stellen Sie sich vor, Sie haben Derivatverträge abgeschlossen, die Ihnen einen Profit von vielen Milliarden Dollar einbringen, wenn der Goldpreis zum Jahresende niedriger liegt als $ 1.600. Je niedriger desto höher Ihr Gewinn. Jetzt beginnen Sie, massiv Gold zu verkaufen. Wie gesagt, Sie brauchen nicht im Besitz von physischem Gold zu sein, denn Sie verkaufen nur Lieferverträge. Trotzdem entsteht an den Handelsplätzen dadurch ein Überangebot. Ergo, der Preis fällt.

Das gleiche Spiel ist natürlich auch möglich, wenn den Derivaten Währungen zugrunde liegen. Dann gibt es die sogenannten „Credit-Default-Swaps“, die zur Auszahlung gelangen, wenn eine Institution oder ein Staat seine Verbindlichkeiten nicht begleichen kann. Es lässt sich also auch an großen Pleiten verdienen. Und niemand weiß, wie viele Billionen darauf gewettet wurden, dass Griechenland, ein anderes europäisches Land oder vielleicht sogar die gesamte Eurozone zahlungsunfähig werden. Das Bruttoinlandsprodukt alle Staaten der Welt aufaddiert, liegt bei knapp über 40 Billionen Dollar. Zur Erinnerung: Der Wert aller existierenden Derivate wird zur Zeit auf 750 Billionen Dollar geschätzt.

Der Derivathandel ist in der Praxis natürlich wesentlich komplizierter als in einer Veranschaulichung dargestellt werden kann. In vielen Fällen sind die Verträge so komplex, dass außer den Leuten, von denen die jeweiligen Derivate ausgearbeitet wurden, niemand versteht, wie sie wirklich funktionieren. Im März verurteilte der Bundesgerichtshof die Deutsche Bank, nachdem diese ihren Kunden völlig undurchschaubare Derivate verkauft hatte, die deutlich höhere Verluste einbrachten als von diesen Kunden erwartet werden konnte. Derivatgeschäfte, die ausschließlich innerhalb der Finanzkreise abgewickelt werden, bleiben für die Öffentlichkeit aber praktisch immer im Verborgenen.

Sie und ich werden von Derivatgeschäften wohl niemals profitieren. Trotzdem ist es aber ratsam, über diese „finanziellen Massenvernichtungswaffen“ zumindest im Ansatz bescheid zu wissen. Während Politiker und Nachrichtensprecher darauf verweisen, wie „die Märkte“ auf diese oder jene Neuentwicklung reagieren, haben sie selbst meist nicht die geringste Ahnung, was tatsächlich Einfluss auf diese Märkte ausübt. Wenn der Goldpreis plötzlich nachgibt, bedeutet dies noch lange nicht, dass Sie ihre Goldmünzen rasch verkaufen sollten. Wenn der Euro plötzlich gegenüber dem Dollar an Wert verliert, dann bedeutet dies mit Sicherheit nicht, dass der Dollar die sicherere Währung ist. Die Märkte lassen sich willentlich steuern. Sie lassen sich beeinflussen. Und sie werden auch beeinflusst – und zwar von genau jenen Kreisen, die auch ansonsten auf der politischen und wirtschaftlichen Ebene das durchsetzen, was ihren Interessen entspricht. Lassen Sie sich über diesen Umstand niemals hinwegtäuschen.

Über Konrad Hausener

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