Mittwoch , 31 August 2016
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Platzt die Bombe? War Angela Merkel ein Stasi Spitzel?

Wenn man über die Stasi-Vergangenheit deutscher Spitzenpolitiker spricht, betrifft dies zumeist Mitglieder der Linken, ehemals PDS, ehemals SED. Die konservative CDU hatte diesbezüglich bislang wenig zu befürchten. Vor allem nicht die Bundeskanzlerin Angela Merkel, der kaum jemand in der Öffentlichkeit zutraut, als Stasispitzel tätig gewesen zu sein. Was sie auch vehement bestreitet. Trotzdem brodelt im Internet die Gerüchteküche, in zahlreichen Blogs munkelt man von einer dubiosen „IM Erika“, als die Angela Merkel angeblich bezeichnet wurde und enthüllt merkwürdige Wendungen im früheren Leben der Kanzlerin. Doch was ist wirklich dran an den Gerüchten? Wir sind den Spuren auf den Grund gegangen und verraten, warum es eine Frage von Tagen sein könnte, dass die Stasi-Bombe tatsächlich platzt!

Kanzlerin kann den Mund nicht halten

angel-merkel-stasiImmer, wenn Angela Merkel dazu befragt wird, ob sie jemals mit der Stasi zusammengearbeitet hat oder zumindest von dieser versucht wurde, sie zu rekrutieren, gibt sich die Kanzlerin sehr wortkarg. Nein, sie habe nie jemanden im Auftrag der Stasi gespitzelt und habe auch nie als IM, als „Inoffizielle Mitarbeiterin“ für die Stasi gearbeitet. Aber, so gibt sie zu, die Stasi hätte versucht sie anzuwerben. Und zwar Ende der 70er-Jahre, genauer gesagt 1978, als Merkel sich auf eine Assistentenstelle als Physikerin an der Uni Ilmenau beworben hatte. Nach dem obligatorischen Vorstellungsgespräch sei sie in einen anderen Raum geführt worden, wo ein Stasi-Offizier versuchte, sie anzuwerben. In der ARD-Talkshow „Menschen bei Meischberger“ schilderte Merkel 2009, dass sie das Angebot sofort abgelehnt habe. Dass sei nichts für sie, weil sie den Mund nicht halten könne und alles sofort ihren Freunden erzähle, witzelte die Kanzlerin in der Sendung und behauptete, damit sei das Thema Staatssicherheit auch erledigt gewesen. Doch stimmen diese Schilderungen? Außer dem Wort von Angela Merkel gibt es für diese Version keine Beweise.

Der berufliche Aufstieg

In zahlreichen kritischen Berichten im In- und Ausland werden Angela Merkels Behauptungen jedenfalls angezweifelt. Aufhänger für das Misstrauen ist der steile berufliche Aufstieg der studierten Physikerin, der merkwürdigerweise kurze Zeit nach dieser ominösen Stasi-Begegnung begann. Die Stelle, auf die sie sich beworben hatte, bekam sie zwar nicht, ging aber kurz danach mit ihrem damaligen Mann Ulrich Merkel nach Ost-Berlin. Dort fand sie eine Anstellung beim renommierten Zentralinstitut für physikalische Chemie (ZIPC) der Akademie der Wissenschaften, wo sie 1986 auch promovieren sollte. Nur ein Zufall?

Nachteile wegen Kirchenhintergrund

Fakt ist, dass Angela Merkel niemals Mitglied der SED gewesen ist und aufgrund ihres kirchlichen Elternhauses, ihr Vater war ein evangelischer Pfarrer, sogar mit Nachteilen in der DDR zu kämpfen hatte. So war es ihr beispielsweise nicht möglich, als Lehrerin für Russisch und Physik zu arbeiten, so wie es ihr eigentliches berufliches Ziel war. Umso verwunderlicher ist es, dass sie während ihrer Zeit in der Akademie der Wissenschaften offenbar ihre Zuneigung für das Regime entdeckte. Jedenfalls wurde sie in dieser Zeit Funktionärin für Agitation und Propaganda in der sozialistischen Jugendorganisation Freie Deutsche Jugend (FDJ). Sie selbst bezeichnet ihre Tätigkeit rückwirkend gerne als „Kulturbeauftragte“ und betont, dass es schließlich normal gewesen sei, viele Jahre in der FDJ Mitglied gewesen zu sein. Schaut man sich Merkels Biografie an, fällt auf, dass sie alles andere war als eine politische Oppositionelle in der DDR. Stattdessen ging sie häufig den Weg des geringsten Widerstandes, was sie auch später freimütig zugab: „Ich habe mir ein Leben als Wissenschaftlerin ausgesucht. Ich habe mir ein Studium ausgesucht, damit ich nicht so viele Kompromisse eingehen musste.“ Doch welche Kompromisse ging sie in ihrer Vergangenheit dann tatsächlich ein? Erledigte sie für die Staatssicherheit vielleicht doch die ein oder andere Gefälligkeit im Gegenzug für ihren beruflichen Aufstieg und die Sicherheit vom Staatsapparat in Ruhe gelassen zu werden?

Der Fall Havemann

Einen konkreten Anhaltspunkt sehen die Merkel-Kritiker für ihre Vermutung, dass es die Kanzlerin bei der Schilderung ihrer Vergangenheit mit der Wahrheit nicht ganz so genau nimmt. Dabei geht es um Robert Havemann, einen berühmten Regime-Kritiker, der in der DDR seit 1976 unter Hausarrest leben musste und unter permanenter Stasi-Beobachtung stand. Die Autoren einer Fernsehdokumentation für den WDR stießen 2005 bei der Recherche für einen Film über die Stasi auf die Geheimakte über Robert Havemann – und in der fand sich ein brisantes Detail: ein Foto von Angela Merkel. Das Bild befand sich in einer Reihe von Stasi-Aufnahmen, die Personen zeigten, die sich rund um das Grundstück von Robert Havemann im Laufe der Jahre aufhielten oder diesen besuchten. Was machte Angela Merkel dort? Gehörte sie zu den Observierenden? Besuchte sie den Kritiker aus einem harmlosen Grund? Unwahrscheinlich, denn der Zutritt zum Haus wurde nur ausgewählten Personen gestattet. Besuchte sie ihn also in offizieller Mission, um ihn auszuhorchen? Von Merkel selbst gibt es dazu wenig Erhellendes. Sie sei von einem Kommilitonen aus der Havemann-Familie mit zum Grundstück genommen worden. Das sei alles, kein weiterer Kommentar. Pikant ist in diesem Zusammenhang aber eine Tatsache, die belegt ist. Während ihrer Zeit in der Akademie der Wissenschaften teilte sie sich ein Büro mit Havemanns Sohn, der ebenfalls als Physiker arbeitete. Alles nur Zufall? Angela Merkel behauptet, dass sie mit Havemann Junior praktisch kaum etwas zu tun gehabt habe.

Merkel verhindert Veröffentlichung

In der bereits angesprochenen WDR-Reportage „Im Auge der Macht- die Bilder der Stasi“ jedenfalls wollte man das entsprechende Merkel-Foto veröffentlichen, bekam aber vom Büro der Kanzlerin eine Absage. Aus „Gründen des Schutzes ihrer Privatsphäre“ werde die Erlaubnis verweigert. Im Film wurde daraufhin das Foto von Merkel gezeigt, sie selbst aber unkenntlich gemacht. In einigen Schweizer Magazinen hingegen wurde das brisante Foto veröffentlicht. Dort verdächtigte man die Bundeskanzlerin in zahlreichen Artikeln dann auch ganz konkret, als Stasi-Spitzel tätig gewesen zu sein. Eine Behauptung, die die Autoren der WDR-Reportage im Übrigen keineswegs in ihrer Dokumentation aufstellen wollten. Aus diesem Vorgang eine Spitzeltätigkeit Merkels abzuleiten, sei ziemlich daneben und unseriös, schrieb der Autor Holger Kulick an die Macher des „Chronik Berlin“, die einen solchen Zusammenhang konstruiert hatten. Tatsächlich habe Merkel der Veröffentlichung deshalb nicht zugestimmt, weil sie ihrem politischen Ziehvater Helmut Kohl nicht in den Rücken fallen wollte, der sich zu der Zeit öffentlich dagegen wehrte, seine Stasi-Akte zu veröffentlichen. Doch stimmt diese Erklärung? Ist das wirklich der alleinige Grund? Auch hier steht alleine Angela Merkels Wort.

Stasi-Akten werden restauriert

Sammelt man die Fakten rund um die These, dass Angela Merkel, als Stasi-Spitzel aktiv gewesen sein soll, kommt man unweigerlich zu dem Schluss: Beweise gibt es nicht, einige Ungereimtheiten jedoch definitiv. Von der Bundeskanzlerin, die vielfach höhnisch als „IM Erika“ bezeichnet wird, ist jedenfalls keine Aufklärung zu erwarten. Sie lehnt die öffentliche Einsicht in ihre Stasi-Akte nach wie vor ab und gibt an, dass „zu diesem Thema alles gesagt“ sei. Doch sollte sie tatsächlich etwas zu verbergen haben, dürfte es nur noch eine Frage der Zeit sein, bis sich die entsprechenden Beweise finden lassen. Die Hoffnungen ruhen auf dem Fraunhofer-Institut, das seit 2007 an einer technischen Lösung arbeitet, die von der Stasi kurz nach dem Mauerfall geschredderten Geheimakten zu den Inoffiziellen Mitarbeiter digital wieder zusammenzusetzen und lesbar zu machen. Insgesamt geht es dabei um 15.000 Säcke prall gefüllt mit Papierschnipseln, die im Archiv lagern. Würden 30 Personen von Hand diese Aufgabe erledigen wollen, bräuchten sie dafür rund 800 Jahre, schätzt das Fraunhofer-Institut. Dies wird nicht nötig sein, denn Scanner und Software arbeiten inzwischen zuverlässig und können eingesetzt werden. Die ersten 400 Säcke werden in Kürze analysiert werden. Nach dieser Testphase, wenn sie denn erfolgreich verläuft, könnte das komplette Material eingescannt und analysiert werden. Sollte sich in den Papierschnipseln ein Beweis für die IM-Tätigkeit von Angela Merkel verstecken, ist es also nur noch eine Frage der Zeit, bis dieser entdeckt wird. Nur Angela Merkel wird wissen, ob sie eine tickende Zeitbombe zu fürchten hat, oder sich entspannt zurücklehnen kann!

Foto: Wikipedia – Bundesarchiv, Bild 183-1985-0206-422 / Franke, Klaus / CC-BY-SA

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