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Erdogan bemüht sich um Beziehungen mit Europa – auf seine Art

erdoganVor wenigen Tagen äußerte der türkische Premierminister seinen Wunsch, dass auf deutschen Schulen auch in türkischer Sprache unterrichtet werden sollte, der allgemein, und zwar nicht nur beim Volk, sondern auch bei den Politikern, auf Ablehnung stieß. Nun beziehen sich seine zweifelhaften Kommentare wieder einmal auf das Thema der Armenier. Bezüglich der Verwendung des Begriffes „Völkermord“, kritisiert er u. a. den amerikanischen Präsidenten und droht sogar, rund 100.000, in der Türkei lebende, Armenier auszuweisen. Isoliert er sich durch seine Forderungen und Drohungen? Eigentlich nicht.

Dass seine Idee, den rund drei Millionen, in Deutschland lebenden, Türken, gut die Hälfte davon mit deutschen Reisepässen ausgestattet, türkischsprachige Schulen anzubieten, in praktisch allen politischen Lagern auf Ablehnung stößt, wirkt eigentlich verwunderlich. Schließlich finden sich immer einige prominente Weltverbesserer, die auch den absurdesten Veränderungen gegenüber positiv gestimmt sind. Der Grund liegt vermutlich an den notwendigerweise folgenden Konsequenzen der Fairness. Nach türkischen Schulen müsste man in Folge nämlich auch allen anderen Zuwanderern die Möglichkeit bieten, in ihrer Muttersprache unterrichtet zu werden.

Wie allgemein berichtet wird, erklärte er nun, dass die türkische Regierung zwar akzeptiere, dass christliche Armenier durch osmanische Türken zu Beginn des 20. Jahrhunderts getötet worden seinen, doch, die Feststellung, dass es sich dabei um Völkermord gehandelt hätte, wird vehement abgelehnt.

Ein Bericht über die Geschehnisse, der, nach belegbaren Angaben armenischer Kreise, 1,5 Millionen Menschen zum Opfer gefallen sind, hat The Intelligence bereits veröffentlicht. Von türkischer Seite wird behauptet, dass es sich bei den Getöteten um Kriegsopfer gehandelt hätte. Ungeachtet der männlichen Opfer und der näheren Umstände, wurden Hunderttausende von Frauen und Kindern zu einem Fußmarsch in die syrische Wüste gezwungen. Die wenigen Überlebenden wurden bei der dortigen Ankunft ermordet.

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Die türkische Behauptung, dass die Opferzahl wesentlich niedriger gewesen sei, wird oft durch das Argument vertreten, dass die angenommene Zahl von 1,5 Millionen Opfern „bloß“ auf armenischen Recherchen beruhe. Ja, sie beruht auf den Angaben von Armeniern. Und es existieren sogar Listen mit überprüfbaren Namen. Bringt man dem Angedenken der zahllosen Opfer den entsprechenden Respekt entgegen, wenn man ihre Nachkommen der Lüge bezichtigt?

Tayyip Erdogan scheint damit keine Probleme zu haben. Er geht aber noch einen Schritt weiter. Er erklärt, dass von den 170.000, in der Türkei lebenden Armeniern, 100.000 nicht über die türkische Staatsbürgerschaft verfügten. Und diese könnte man jederzeit wieder ausweisen. Was für ein Aufschrei würde durch die Welt gehen, wenn ein Politiker irgend eines Staates die Idee äußern würde, eine türkische Minderheit des Landes zu verweisen?

Man sollte Tayyip Erdogan vielleicht den Vorschlag unterbreiten, anstatt derartige Drohungen auszusprechen, armenische Schulen in der Türkei einzurichten, denn schließlich, so Erdogan, kann niemand seine Wurzeln verleugnen und sollte als erstes seine Muttersprache pflegen.

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  23.05.2012 The Intelligence

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