Montag , 16 Oktober 2017
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Auf geht’s Bürger, macht Politik!

buerger_macht_politik_minicoverMax Frisch, Autor des zu Schulzeiten meist ungeliebten Romans Homo Faber, soll einmal gesagt haben „Demokratie ist sich in die eigenen Angelegenheiten einmischen.“ Ein sehr schönes Zitat, das in der heutigen Zeit glücklicherweise wieder mehr Anhänger findet. Die Re-Demokratisierung ist dabei Fahrt aufzunehmen, auch wenn die meisten Bundesbürger davon wahrscheinlich noch nichts mitbekommen haben. RTL und Bild berichten darüber vermutlich erst, wenn Blut fließt, wozu es hoffentlich niemals kommen wird. Es gibt nämlich auch friedliche Wege, die Demokratie wieder das werden zu lassen, was sie in ihrer ursprünglichen Form eigentlich sein soll, nämlich die Herrschaft des Volkes. Ein sehr empfehlenswertes Buch zum Thema wollen wir heute vorstellen, doch schon vorab sei gewarnt: Die Lektüre könnte die Sicht auf die derzeitige Demokratie gewaltig eintrüben. Doch das ist gut so!

Autor von „Bürger. Macht. Politik.“ ist Christoph Giesa, der im vergangenen Jahr von sich reden machte, als er die Facebook-Kampagne für Joachim Gauck angetrieben hat, um diesen bei der Wahl zum Bundespräsidenten zu unterstützen. Zum Dank dafür hat Gauck ein sehr schönes Vorwort zum Buch beigesteuert. Es sei auch erwähnt, dass Giesa eigentlich Mitglied der FDP ist, die ja bekanntlich mit der CDU/CSU den späteren Wahlsieger Wulff ins Rennen geschickt hat. Nicht nur zwischen den Zeilen lässt er jedoch durchblicken, dass ihn dies nicht daran hindert, überparteilich auf das Geschehen zu blicken. Das Buch ist also beileibe keine Werbeveranstaltung für die vom Aussterben bedrohte Partei, übrigens auch nicht für irgendeine andere. Eher im Gegenteil.

Aus eigener Erfahrung weiß Giesa also, wie Politik funktioniert. Er kritisiert also vor allem altbackene Strukturen und Vetternwirtschaft, was für politisch interessierte Mitdenker sicherlich nichts Neues ist. Trotzdem kann diese Tatsache gar nicht oft genug aufgeschrieben werden, damit sich die Botschaft unter Neueinsteigern weiterverteilt. Es ist an der Zeit an neue Wege zu denken und wieder mehr Menschen für Politik zu motivieren. Das Buch tut seinen Teil dazu, es muss eigentlich nur von genügend Menschen gelesen werden, die noch immer fest davon überzeugt sind, dass der Status quo dessen, was umgangssprachlich als Demokratie bezeichnet wird, schon seine Richtigkeit hat. Das dem nicht so ist beweisen wieder einmal über 40% Nichtwähler am vergangenen Wochenende in Berlin. Oder um es mit den Worten von Stéphane Hessel zu sagen: Engagiert Euch!

Das Buch hat drei Teile, wovon die ersten beiden mit vielen Beispielen aufwarten, wie es im heutigen Politikzirkus zugeht. Ähnlich wie in Marco Bülows Buch „Wir Abnicker“ findet man viele Augenöffner und Klartext. „Bürger. Macht. Politik.“ kann von daher als sehr gute Ergänzung zum Standard-Werk über Lobbyismus, Fraktionszwang etc. gesehen werden.

buerger_macht_politik_coverDer dritte Teil, übertitelt mit „Was jetzt zu tun ist“, zeigt die Möglichkeiten, die sich heute bieten, um wirklich eine Veränderung herbeizuführen. Besonders beachtenswert ist hier das „Kleine Manifest für eine Politik 2.0“. Darin findet sich eine Liste mit Forderungen an die großen Parteien und deren Funktionäre. Einen Punkt als Zitat: „Ein erster Schritt wäre Respekt. Wir möchten, dass ihr uns 82 Millionen genauso ernst nehmt, wie einen Staatsgast, euren Parteichef oder den Reporter vom Spiegel.“ Auch die anderen der insgesamt 15 Punkte kann man ohne Weiteres unterschreiben. Wären diese bereits in den Köpfen der „Oberen“ eingesickert, befände sich unser Land auf dem besten Wege der Genesung. Aber lesen sie selbst, bilden sie sich ihre Meinung und erzählen sie ihrem Umfeld davon.

Das Buch hat 225 Seiten und ist im Campus Verlag erschienen. Für 17,99 € ist es im Buchhandel oder direkt hier erhältlich.

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