Montag , 11 Dezember 2017
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SPACEBOOK – Oder: als wir uns die Rechte am Universum sicherten

spacebook logoMan fand neulich einen besonderen Zirkon, einer jener Milliarden alter Kristalle, die von Geowissenschaftlern untersucht werden, um die ursprüngliche Beschaffenheit unseres Heimatplaneten zu ergründen. In Steinproben aus Australien entdeckte man in Stromatoliten (2,5 Mrd. Jahre alt) bereits Mikroorganismen, die wir nach moderner Erkenntnis beruhigt Leben nennen können; solches, das wir heutzutage auch auf dem Mars zu finden erhoffen. Bevor wir Menschen die Fähigkeit erlangten aus einem Stein ein Werkzeug und später eine Waffe zu herzustellen, besaß Mutter Erde bereits Unmengen von Besiedelungen anderer Lebensformen auf und in ihrer Oberfläche. Milliarden Jahre lang.

Die Menschheit rüstet sich also bereits nach einem einzigen Wimpernschlag ihrer Existenz zum Aufbruch in eine neue Welt, als wäre dieser einzigartige, und doch multibiologische, Planet unserer Galaxis eine hübsch begrünte Startrampe, und nicht der eigentliche Lebensraum unserer Spezies, die – und sei sie doch evolutionär eher jung – eine ganze Reihe erheblicher Hindernisse und schicksalhafter astronomischer Ereignisse überwinden musste, um bis hierher zu gelangen: dem Dasein, Leben und Erkennen.

Selbst wenn man sich bemüht, theologische oder philosophische Ansätze einer durchaus sehr humanoiden Darstellung außen vor zu lassen, kann jedoch auch ein Biologe, ein Astrophysiker oder ein Chemiker die Frage akzeptieren, was sich hinter dem Wunsch des Homo sapiens verbirgt, an ein Paradies zu glauben. Dabei gelingt auch einem Richard Dawkins meiner Auffassung nach nicht, der sich fast fundamentalistisch bemüht, nur die Fakten der Evolution anzuerkennen, dies zu erklären, denn er verrennt sich ebenso in dem begrenzten eigenen Weltbild seiner Spiegelneuronen wie ein theologischer Gelehrter; er leugnet den Glauben an eine Urmacht, obwohl rein aus der Logik heraus klar wird, dass auch die Beschäftigung unseres Geistes mit der Gottesfrage dem evolutionären Gesetz unterworfen ist.

Es gibt natürlich Existenzen, die mit einem Doppel-Chromosom des Zweifelns auf die Welt kamen, aber setzen wir einmal voraus, selbst jene zweifeln das Gesetz der Lebensentstehung nicht an (dabei sind alle Theorien nun im Spiel); – dann stellt sich als Nächstes die Frage, was für einen Nutzen hat die Evolution (eine Kraft der Entstehung) von einer Spezies, die die genetische Verankerung in sich birgt, sie selbst (die Schöpfung) eines schönen Tages, – sollte sie weitere erdgeschichtliche und historische Hürden meistern -, außer Kraft zu setzen?

Oder ist unsere Gier nach unsterblicher Verwirklichung bereits ein Unfall im Prozess? Wohin zielt die Entwicklung der Menschheit letztlich, wenn bereits vor einhundert Jahren einige Exzentriker davon träumten, die Reproduktion eines Humanoiden selbst in die Hand zu nehmen, sich zudem noch viel schneller und effizienter weiterzuentwickeln, als es die biologische Reproduktion schon vorweisen kann? Moderne Genetik arbeitet mit unfassbar großen Rechenprozessen und unfassbar kleinen Eingriffen in das menschliche Erbgut an künstlichen Modifikationen. Sie geben sich selbst oft ein eigenes ethisches Alibi und möchten Krankheiten besiegen, dem Welthunger und wachsenden Ressourcenkämpfen entgegentreten. Ein Labor für Bionik oder Biogenetik zu betreten, mutet heute nicht anders an als in einem Tuningshop für Automobile vorbeizuschauen.

Der Vergleich bot sich mir auch deshalb an, weil ich als Liebhaberin schöner Fahrzeuge noch nie richtig verstanden habe, wieso man ein altes 110 PS Auto kauft und einen Haufen Geld reinsteckt, um es wie ein 300 PS Auto aussehen zu lassen; es ändert sich aber nichts daran, dass der Motor dieses Fahrzeuges physikalisch nicht mehr hergibt und selbst wenn man auch noch den Motor ersetzt, stimmt die komplette Aerodynamik der Karosserie dennoch nicht, um mit dem gleichen Kapitaleinsatz ein Fahrzeug zu erhalten, welches in Abstimmung und Konzeption von der Planung bis zur Fertigung UND Qualitätssicherung ein bestmögliches Produkt ergeben sollte. Na gut, – auch in der Automobilindustrie wird auf Effizienz und Kostenregulierung gesetzt; das zuzugeben fällt jedoch leicht, denn auch die Urkraft des Universums setzt auf Effizienz und schleichende Veränderung (Veränderung muss nicht immer auch Verbesserung bedeuten), wie man anhand der Lebewesen auf dieser Erde sehr gut nachvollziehen kann. Auch der Mensch entsteht für beide Modelle, „Mann-“ und „Frau-Typus“, aus einer einzigen Grundform (mein persönlicher Dank an die Wissenschaft, dass wir heute eher davon sprechen dürfen, dass Adam aus Evas Rippe entspringt, rein biochemisch gesprochen). Was hat man sich im 20. Jahrhundert noch den Mund in Dokumentationsfilmen zerfranst, zu welchem Zweck eine Frau eine Klitoris besitzt oder der Mann Brustwarzen – und dabei spreche ich nicht von dem Verschweigen von weiblichen Körperteilen zum Nutzen männlicher Kleriker! Ich erinnere mich, dass ich – als Frau – bereits im Alter eines Teenagers keinen Frosch mehr sezieren musste, um zu verstehen, dass die Evolution ein zellulares Grundmodell lediglich hier und dort umformt, anstatt zwei komplett unterschiedliche Baupläne zu berücksichtigen. Jedes Kleinkind malt zuerst einen Archetypus und setzt zuletzt die visuellen Unterschiede. Effizienz eben.

Und so können wir aus dem Beobachten unseres eigenen Verhaltens, nicht nur auf molekularer Ebene, sondern auch im Alltagsablauf des Homo sapiens sapiens (mal sehen, wie viele „sapiens“ wir noch dranhängen können), ein sehr schlüssiges Bild der Grundsätze und der Ziele unserer Existenz formen. Wieso also streben wir (unser Genom) nach der Modifikation und Optimierung unserer selbst, nur um eines Tages die Erde verlassen zu können? Und wieso bereits in einem solch frühen Stadium, würde uns dieser irdische Paradiesgarten doch noch Hunderte von Millionen Jahre als Lebensraum zur Verfügung stehen? Welch eine Mühsal stünde uns bevor, uns als Erdlinge auf eine Reise ins Nichts zu einem fremden Planeten aufzumachen und dort anzusiedeln, mit atmosphärischen Schwierigkeiten fertig zu werden, von den mikrobiologischen Bedrohungen anderer Welten für unseren schwachen Erdenkörper und unsere hyperempfindliche Psyche mal ganz abgesehen?! Nun ja, Genetiker und KI-Forscher würden bei dieser Erwähnung wahrscheinlich nur gelangweilt lächeln; glauben sie doch fest an unsere eigene Fähigkeit, uns selbst zu übertrumpfen und uns unendlich beliebig zu updaten.

So arbeitet moderne Forschung nach dem Prinzip der Natur, aber nur, um sie am Ende zu besiegen. Klingt nach Konstruktionsmangel. Oder doch nach dem inneren Zwang unserer außerirdischen DNS, die einst per Asteroidentaxi eintraf? Wollen wir vielleicht nur „nach Hause telefonieren“?

Leider bringt mich das vom Kurs der Faktenlage letztlich doch ab und führt mich zur Philosophie: Wieso sehnt sich der Mensch nach dem Paradies, – und dafür nimmt er in Kauf, es erst im nächsten Leben genießen zu dürfen oder es in der Unendlichkeit des Kosmos zu finden -, während er es eigentlich längst bewohnt? Wieso nimmt mit unserem Reichtum an menschheitsgeschichtlichen Errungenschaften die Zufriedenheit mehr und mehr ab? Warum sind wir süchtig nach Büchern der Glücksverheißung, gerade in den Regionen dieser Welt, in denen es uns weder an Lebensqualität noch an Geistesnahrung mangelt? Selbst die Errungenschaft der globalen Kommunikation hat uns kein Deut friedfertiger werden lassen; wir beanstanden die Intransparenz alter Macht- und Medienstrukturen grauer Vorzeiten, aber das sekündliche Konsumieren und Dokumentieren von Gewalt hat das Individuum nicht davon abgehalten, weiterhin Kriege auszurufen, Frauen zu vergewaltigen, Kinder zu missbrauchen und auf Internetseiten anzubieten, oder eine intolerante Gesellschaft zu tolerieren. Redefreiheit bedeutet heute für uns, andere polemisch zu attackieren, statt sachlich zu diskutieren. Respektlosigkeit besitzt in unserer Zivilisation mittlerweile einen höheren Stellenwert als die Würde des Gegenübers und das Anerkennen seines persönlichen Weltbildes oder Glaubens. Wir haben lediglich unsere Technologien weiterentwickelt, aber moralisch und ethisch befinden wir uns noch immer in der Steinzeit.

Was passiert also gerade mit Homo sapiens (sapiens), nachdem er Jahrtausende Zeit besaß, die Erde als sein Paradies anzuerkennen, mitsamt ihrer vielfältigen menschlichen Wesen, den unglaublichsten Tieren, den atemberaubensten Landschaften und dem Geist jener Urmacht, die all dieses für uns ermöglicht hat und die uns niemals enthüllt werden kann; uns Menschen, dem großartigen Produkt eines wirklich clever angedachten evolutionären Bauplans zwar … aber eben nur ein Produkt dieser Macht, – eines, das vielleicht in mehreren zehntausend Jahren einem weiteren Asteroideneinschlag zum Opfer fällt, oder einer nächsten Eiszeit oder einer erbarmungslosen Hitzeperiode, verursacht durch die Veränderungen des Magnetfeldes, der Rotation, der Erdkruste, der Tektonik oder durch ein unendlich großes Massensterben eines von uns selbst inszenierten Massakers.

Es wird uns selbst die bestmögliche Szenarioabbildung der modernen Informationstechnologie keine eindeutige Lösung anbieten können; die Verantwortung, unseren Lebensraum weiterhin zu gestalten und dabei zu erhalten, statt zu zerstören, liegt unabwendbar bei uns.

Jenes kriegsstrategische Gen in uns, welches heute noch für den angezeigten Größenwahn verantwortlich ist, nicht nur die reale Welt zu erobern, sondern mehr noch, unsere Gedanken zu einem einzigen Gigahirn zu verknüpfen, um in ferner Zukunft auch die umliegenden Galaxien für unsere Spezies in Anspruch zu nehmen, ist vielleicht einer der bedeutendsten und weitreichendsten Fehler unseres Bauplans.

Für die Natur sicherlich ein Kinderspiel, an einer weniger aggressiven neuen Art zu arbeiten; einer Art, die ihre eigenen Grenzen als Wesen der dritten Dimension anerkennt, seinen Lebensraum schont und seinem Planeten Energie zuführt, statt ihn auszusaugen. Ich persönlich glaube an diese Urmacht der Natur, die viele unter uns Gott nennen, die nach dem Prinzip „Versuch und Irrtum“ in der jetzigen Form der Menschheit sicher akuten Handlungsbedarf sieht; denn sie bereitet ihr Update bereits in jenen Exemplaren von uns vor, die die Kostbarkeit unserer Existenz auf diesem Himmelskörper mit vollem Bewusstsein wahrnehmen und das gemeinsame Dasein und Sterben mit Mutter Erde nicht als Strafe empfinden oder als Übergang in etwas utopisch Besseres, sondern als Sinn des Lebens schlechthin.

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