Dienstag , 24 Mai 2016
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Der Schwindel mit Spendengeldern

bill_gatesEs gibt gutherzige Menschen, denen es daran liegt, anderen zu helfen. Selbstverständlich, gibt es auch Organisationen, deren erstes Interesse ehrlicher Hilfe gilt. Daran gibt es keinen Zweifel. Doch, leider, gibt es auch andere Beispiele zur Genüge. Groß aufgezogene Spendenaufrufe, bei denen nur ein kleiner Prozentsatz dem Zweck zugeführt wird, steuerlich absetzbare Spenden ins ferne Ausland, von denen die Hälfte zurückbezahlt wird, und dann gibt es noch die unglaubliche Philanthropie der reichsten Männer dieser Welt, im speziellen, Bill Gates und Warren Buffett. Während der zweitgenannte schon vor Jahren fast sein gesamtes Vermögen, 37 Milliarden Dollar, dem Wohle der Menschheit zu überlassen ankündigte, verspricht Bill Gates, jetzt noch einmal 10 Milliarden dazuzulegen. Was steckt wirklich dahinter? 

Hilfsaktionen, wie etwa die kürzlich massiv durchgeführten, um den Opfern der Erdbebenkatastrophe auf Haiti das Überleben zu sichern, sind in keiner Weise anzuzweifeln. Doch dann gibt es andere, in den USA seit vielen Jahren wesentlich verbreiteter als bis dato in Deutschland. Treuherzig Augenpaare dunkelhäutiger Kinder blicken in Kameras. Für bloß einen Dollar oder einen Euro pro Tag, lässt sich die Patenschaft für so ein armes Geschöpf übernehmen, was beim dortigen Preisniveau auch durchaus wirksam erscheint. Dabei wird sogar versprochen, ein Photo des Geretteten zu übersenden. Und was wird zuerst mit dem gespendeten Geld bezahlt? Die Werbung, die Verwaltung, die Organisation – und letztendlich ist es nur ein Bruchteil der Spendengelder, die den Betroffenen wirklich zugute kommen.

Doch diese Praktiken sind genauso wenig Kern dieses Artikels wie Tricks, Unterstützungszahlungen zur Reduktion der Einkommenssteuer vorzugeben, was ohnehin nur unter ganz bestimmten Voraussetzungen möglich ist.

warren_buffettDer jährlich von Forbes Magazin durchgeführten Studie zufolge, sind Bill Gates mit 40 Milliarden und Waffen Buffett mit 37 Milliarden Dollar die reichsten Männer der Welt. (Beide erlitten Einbußen seit der Wirtschaftskrise.) Insbesondere der erstgenannte ist, seit die Erde ohne Microsoft die Rotation einstellen würde, als überaus spendenfreudig bekannt. Ein Teil seiner Großzügigkeit mag ja auch wirklich rein philanthropischen und popularitätsfördernden Zwecken dienen. Trotzdem, wenn ein Mann ein derartiges Vermögen anhäuft, sich dabei auch als überaus geschickt erweist, klingt es dann nicht eher nach einem Märchen, wenn er gleichzeitig dem Robin-Hood-Syndrom verfällt?

Die große Sensation passierte dann im Juni des Jahres 2006. Der zweitplatzierte im großen Rennen um der Welten Güter, Warren Buffett, verlautbarte offiziell, einen Großteil seines Vermögens, damaliger Wert der Spende: 37 Milliarden Dollar, wohltätigen Zwecken zur Verfügung zu stellen. 30 Milliarden davon sollten der Bill&Melinda-Gates-Stiftung zugute kommen, die auch ohne dem versprochenen Neuzugang, als eigenständige juristische Person, über ein Vermögen von rund 30 Milliarden Dollar verfügt.

An dieser Stelle bedarf es einer kurzen Erklärung: Eine Stiftung, die rein wohltätigen Zwecken dient, kann durchaus profitorientiert handeln, solange die erwirtschafteten Gewinne entweder in dieser Stiftung verbleiben oder gemeinnützigen Zwecken zugeführt werden.

Von den Medien weitgehendst unbeachtet, folgte nun eine weitere Spende von Bill Gates selbst. 10 Milliarden Dollar will er, während der nächsten zehn Jahre, seiner Foundation überschreiben. Was sind die (offiziellen) Ziele der Bill&Melinda-Gates-Stiftung?

Wie sich bei Wikipedia nachlesen lässt, so geht es in erster Linie um Entwicklungshilfe. Hilfe für Kranke in der Dritten Welt. Die Entwicklung von Impfstoffen ebenso wie die Verbesserung der Qualität landwirtschaftlicher Produkte.

Bleiben wir vorerst beim letztgenannten Punkt. Als „strategisches Projekt“ wird eine Finanzierung des African Biofortified Sorghum Projects bezeichnet. Dieses wird von einer kenianischen Wissenschaftlerin, namens Florence Wambugu, geleitet, die durch ihre Zusammenarbeit mit Monsanto bekannt wurde, ein Unternehmen das sich der Genmanipulation verschrieben hat. In Amerika wird Monsanto schon seit langem wegen seiner Monopolstellung kritisiert. Nicht nur, dass der Konzern über weltweite Patente für landwirtschaftliche Produkte verfügt, die von ihnen vertriebenen Samen sind nicht reproduktionsfähig, was eine Abhängigkeit der Bauern, und somit eine Geschäftsgarantie für die Zukunft, mit sich führt. Auch wenn Bill Gates oder seiner Foundation keine direkte Verbindung mit Monsanto nachgesagt werden kann, so öffnet sich eine breite Basis für Spekulationen.

Wesentlich mehr Geldmengen fließen in die Entwicklung von Medizin, vor allem im afrikanischen Raum. Hierzu sei erstens festgestellt, dass, von einzelnen Hilfsaktionen abgesehen, weder Medizin noch Impfstoffe verschenkt werden. Zu den Umsätzen der Pharma-Industrie veröffentlicht die englische Ausgabe von Wikipedia einige Zahlen: Im Jahr 2006 betrugen die weltweiten Umsätze 643 Milliarden Dollar, 289 Milliarden davon entfallen auf die Vereinigten Staaten, gefolgt von Europa und Japan. Die Zuwachsrate in Ländern wie China, Russland, Südkorea und Mexiko beträgt stolze 81 Prozent. Der afrikanische Kontinent, wo über eine Milliarde Menschen lebt, findet dabei keine Erwähnung. Wo könnte es mehr Wachstumspotential geben als dort? Doch vorerst muss einmal in Entwicklung und Aufklärung investiert werden. Erst muss sich die Überzeugung verbreiten, dass der Pillendreher mehr Hilfe verspricht als der Schamane.

 

Bill Gates und Warren Buffett lassen sich nicht gerne, und schon gar nicht leicht, in die Karten blicken. Nur in ganz bestimmten Fällen wissen wir, wo sie wirklich veranlagt sind. In der Druckausgabe des Wall Street Journals vom 17. Mai 2002 wurde bekannt gegeben, dass die Bill&Melinda-Gates-Foundation Geschäftsanteile neun großer Pharma-Konzerne, mit einem Wert von 205 Millionen Dollar erworben habe. Um welche Unternehmen es sich handelt beziehungsweise auf welche Länder deren Aktivitäten konzentriert sind, wurde dabei nicht näher erläutert.

Nehmen wir nun einen Teilbereich der Gates-Aktivitäten unter die Lupe. Der Autor des Berichtes, dem die folgenden Informationen zugrund liegen, Thomas C. Mountain, lebt in Eritrea, einem Kleinstaat (1,3 Mio Einwohner, Hauptstadt: Asmara) zwischen dem Sudan und Äthiopien.

eritrea_mapEine weltweit, vor allem jedoch in Afrika, verbreitete und oft tödliche Krankheit ist Malaria. Die von Bill Gates finanzierte Forschung bemüht sich somit, einen wirksamen Impfstoff dagegen zu entwickeln. In Eritrea ist es allerdings während der vergangenen sieben Jahre gelungen, die Sterblichkeitsrate um 85 Prozent zu senken, und zwar, nicht durch Impfstoffe, sondern durch spezielle Behandlung von Moskitonetzen, Brutstättenvernichtung und Verbesserung der Kliniken zur Soforthilfe. Dem Problem der Malaria, es gibt weltweit etwa 250 Millionen Infizierte, ist deswegen so schwer beizukommen, weil die Erreger innerhalb kurzer Zeit Resistenz gegen jede neue Medizin entwickeln. Das bedeutet, dass es im Falle von Malarie keine lebenslange Schutzimpfung geben kann. Eine regelmäßige Auffrischung ist unumgänglich. Thomas C. Mountain schreibt, dass eine Investition oder „Spende“ in die Entwicklung eines nur vorübergehend effektiven Wirkstoffes, sich in kurzer Zeit in mehrere zehn Milliarden Gewinn umwandeln könnte. Gleichzeitig jedoch wirft er die Frage auf, warum nicht wesentlich kostengünstigere und durchaus erfolgreiche Maßnahmen, wie in Eritrea, als Basis für eine kontinentweite Verbesserung der Situation hergenommen werden.

Eine vergleichbare Situation erkennt Mountain auch bezüglich AIDS. Auch hier ist es in Eritrea durch Aufklärung gelungen, die Zahl der Neuerkrankungen um 40 Prozent zu reduzieren.

Versucht jemand die Großzügigkeit von Bill Gates und Warren Buffett zu verteidigen, so werden sich bestimmt Argumente dafür finden lassen. Eine Gratisimpfaktion hier, ein kostenloses Krankhaus dort. Führt ein, durch Gates’s Spendengelder entwickelter, Impfstoff nun zu respektablen Umsatzsteigerungen eines bestimmten Pharma-Konzerns, so wird sich auch schwer nachweisen lassen, dass oder ob Bill Gates Anteile an diesem Unternehmen besitzt. In jedem Falle ist es aber fraglich, das Wort „Hilfe“ zu verwenden, wenn es um die Entwicklung von Medizin geht. Das Endprodukt steht letztendlich nur jenen zur Verfügung, die über die finanziellen Mittel für den Erwerb verfügen.

Sehr vorsichtig wird im Wikipedia-Artikel über die Bill&Melinda-Gates-Foundation eine Kritik erwähnt. Es handelt sich um den Umstand, dass der vermögensschaffende Teil der Stiftung in Unternehmen investiert, die als umweltverschmutzend gelten und gerade in Afrika, wo die Stiftung behauptet, Krankheiten reduzieren zu wollen, solche fördert.

In Entwicklung, vor allem in die der Gesundheitsförderung, zu investieren, kann in sich selbst natürlich nicht verurteilt werden. Vorzugeben, dass es sich um „Geschenke“ handle, mit der Absicht, armen Menschen zu helfen, wenn sich andererseits, durch die Resultate der Forschung, langfristige und enorme Gewinne erzielen lassen, reduziert mit Sicherheit den Glauben an den guten Willen. Während beider Weltkriege wiesen sich Zigarettenhersteller in Amerika als überzeugte Patrioten aus, indem sie Soldaten kostenlos Tabakwaren zur Verfügung stellten. Dass die Überlebenden, nach ihrer Heimkehr, zu zeitlebens treuen Kunden wurden,  war halt ein angenehmer Nebeneffekt. Warum soll sich Großzügigkeit letztendlich nicht auch lohnen dürfen? 

Über Konrad Hausener