Kontaktlos bezahlen - Fluch oder Segen?
Als in den letzten Tagen des Jahres 2011 wieder einmal Post von meiner Sparkasse bei mir eintrudelte, wurde ich nur durch das Symbol und dessen Unterschrift: "Kontaktlos" auf der mir zugesandten neuen Geldkarte aufmerksam. Ich muss sagen, dass mich als Bargeldzahler derartige neumodische Werbepost normalerweise zu nichts anderem animiert, als den Weg zum nächsten Mülleimer einzuschlagen. Doch bei "Kontaktlos" fiel mir sofort RFID ein. Eine Technik, die heutzutage mittlerweile in vielen Bereichen des alltäglichen Lebens zur Anwendung kommt. Bei der automatisierten Lagerhaltung, als implantierter Chip bei Nutztieren oder "Taggern". Sie ermöglicht es, quasi im Vorbeigehen Daten per Funkwellen von einem zuvor programmierten Chip kontaktlos auszulesen. Natürlich verschlüsselt.
Die einen halten diese Technik für unverzichtbar, können doch mir ihr in nicht allzuferner Zukunft absolut alle Kassierer und Kassiererinnen in Einzel- und Großhandel arbeitslos gemacht und durch eine nett lächelnde Blondine pro Filiale ersetzt werden, andere wiederum sehen in Ihr das Zeichen der Bestie. Laut Werner Netze, Vorstandsmitglied des Sparkassen- und Giroverbandes, geht es jedoch bei dem Einsatz dieser Technik nur darum, die Warteschlangen an den Bratwurst und Getränkeständen der Fußballstadien zu verkleinern.Das mag auch funktionieren...
Hat es doch auch gleichzeitig einen aggressionshemmenden Effekt auf Menschen, wenn sie nicht mehr so lange warten müssen. Massenberuhigung im großen Stil. Doch, was ist mit den Menschen, deren Gewohnheit es ist, durchaus weit mehr als zwanzig Euro während eines Fußballspiels, beim Aldi, im Kino oder im Freizeitpark auszugeben? Wollten diese sich rein auf ihre neue Geldkarte verlassen, können sie Selbiges nur bedingt, denn nach Ablauf der vorgesehenen zwanzig Euro darf der König Kunde wieder zum nächsten Automaten marschieren und die Karte aufladen. Dieses ist das "Nogo" für das "Girogo" genannte Bezahlsystem und es wird aus dem Grund meiner Meinung nach den gleichen Weg gehen, wie die aufladbare Geldkarte. Es wird zum "Gadget" für wenige Fans.
Doch diese Karte ist nur ein Schritt im Bereich der Nahfeldkommunikation (NFC). Nahezu alle neuen Smartphones, welche noch bis zum 13. Januar auf der CES in Las Vegas zu bestaunen sind, haben diesen NFC-Chip bereits implementiert bekommen. Dank dieser Technik kann man also in naher Zukunft auch mit seinem Handy bezahlen.
Allerdings sind wir in Europa ziemliche Technikmuffel und hängen der globalen Entwicklung hinterher. In Japan waren 2005 bereits über eine Million dieser Geräte im Umlauf. Meiner bescheidenen Meinung nach kann dieses nur gut sein. Jedoch sind wir alle zu ignorant und lassen uns den nächsten Schnüffelchip verpassen. Keiner merkt es, alle kaufen. Verdeckt unter immer mehr Prozessorkernen, immer mehr und bunteren Pixeln und immer mehr Speicher, werden sie eingebaut. Ob nun TPM (Trusted Platform Module) im Notebook und auf Mainboards von Pc´s oder in naher Zukunft NFC oder RFID in den Handys.
Aber auf dem Weg zum gläsernen Bürger muss man auch ein wenig mit der Zeit gehen und ab und zu einen neuen Chip "schlucken". Und sei es unter dem Vorwand, endlich bargeldlos bezahlen zu können. Aber kann es wirklich ein Segen sein? Ist es nicht eher beängstigend, wenn jeder, der die Technik beherrscht, ganz genau weiß und nachvollziehen kann, wann ich wie viel Geld wofür und bei wem ausgegeben habe? Wo ich mich wann wie lange aufhalte und warum?
Für mich als Bargeldzahler alles nicht so tragisch. Aber die Gruppe der Menschen, welche sich noch mit Chips beschäftigt, deren Sinn hinterfragt und ihre Möglichkeiten und auch ihre Gefahren analysiert, wird von Jahr zu Jahr kleiner. Die Gruppe der Menschen mit dem vollautomatischen Internetkühlschrank allerdings immer größer.




