Mittwoch , 8 Dezember 2021
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Geheimnis von „schlafenden Viren“ enträtselt

herpes virenMonate, ja mitunter jahrelang, spürt und sieht man nichts von bestimmten Viren, die in so gut wie jedem Menschen vorhanden sind. Herpesviren und Co. treten scheinbar urplötzlich auf, bilden juckende und nässende Bläschen, um dann nach einigen Tagen wieder zu verschwinden. Wissenschaftler bezeichnen diese Form von Erregern als „schlafende Viren“ und forschen bereits seit längerer Zeit nach der Antwort, wie es diese Keime schaffen, sich zu verstecken, damit sie, unterstützt durch bestimmte organische Voraussetzungen,  wieder in unterschiedlichen Abständen auftauchen können. Neueste Forschungsergebnisse zu diesem Thema, konnten jetzt allerdings das Versteckspiel von Herpes-Viren enträtseln. 

Es ist ja wirklich ein Phänomen: Fast wie angeworfen beginnt es an der Lippe zu jucken und zu brennen, um nach nur wenigen Stunden offensichtlich werden zu lassen, dass einen mal wieder die Herpes-Viren heimgesucht haben. Hochansteckend, ist diesen Erregern charakteristisch, dass sie latent im Körper vorhanden sind und mehr oder weniger willkürlich ausbrechen und die typischen Symptome mit sich bringen. Wirklich nur willkürlich? Die Wissenschaftler gingen auf die „Virenjagd“ und konnten hierbei einiges zutage befördern, was da in den menschlichen Zellen so vor sich geht und aufzeigt, dass die Herpesviren eine ganz eigene Überlebensstrategie besitzen.

Geforscht wurde an dem Karposi Sarcom-assoziierte Herpesvirus (KSHV), das unter anderem an der Entstehung von bösartigen Tumoren bei AIDS-Patienten beteiligt ist. Am Hamburger Heinrich-Pette-Institut gingen die Forscher der Frage nach, welche Mechanismen sich hinter den Fähigkeiten dieses Erreger verbergen, die ihn viele Jahre im Organismus des Menschen schlummern, jedoch nur bei bestimmten Voraussetzungen wieder aktiv werden lassen. Besonders interessant ist es hierbei, dass Herpes-Viren bei einer vorhandenen Infektion oder hohen Strahlenbelastung erneut ausbrechen, was den Anschein vermittelt, dass die Viren sich in ihrem Versteck unwohl fühlen und sich ihrem „Ärger“ mit einem Ausbruch und Vermehrung Luft machen.

Tatsächlich konnten die Wissenschaftler ein für Herpes-Viren charakteristischen Schlaf-Wach-Gleichgewicht entdecken. Dieser erweist sich als ein ausgeklügelter und mehrschichtiger Kontrollmechanismus, der wiederum nicht nur die Latenz der Viren steuert, sondern in den menschlichen Stammzellen angestoßen wird, sofern bestimmte Zelltypen ausgereift sind. Gerade beim KSHV konnten die Forscher das Geheimnis des „Schlummermodus“ recht gut enträtseln, wobei die Genetik des Virus ein ausschlaggebender Aspekt darstellte. Fakt scheint zu sein, dass die Viren dann wieder zum Ausbruch gelangen, wenn sie durch zusätzlich organische Belastungen unter eine Art Stress geraten. Hochkomplexe Muster, in der Wissenschaft als epigenetische Modifikationsmuster bezeichnet, steuern das sensible Gleichgewicht im Erbgut und unterliegen zudem zeitgleich vielfältigen biochemischen Veränderungen. Veränderungen, die immer wieder, in sporadischen und nicht kalkulierbaren Abständen, zu neuen Vermehrungen den Viren führen.

Für die Forscher ist es deshalb so wichtig an nähere Details der Verhaltensweisen von Herpesviren und Co zu gelangen, um bei einer gänzlichen Entschlüsselung der Mechanismen Gegenmaßnahmen ergreifen zu können. Der Grund: Gerade derartige Viren sind bei der Entstehung von Krebserkrankungen maßgeblich mitbeteiligt.

Quelle: http://www.hpi-hamburg.de

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