Freitag , 20 September 2019
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Voll auf Mond: Schlaflos – auch außerhalb von Seattle

vollmondNa, auch die Nacht wandelnd auf der Dachterrasse verbracht? Oder, wie mein Nachbar, Pfeife rauchend in der Hängematte? Für den Rest des Monats ist sein Tabakgenuss gestrichen. Seine Frau steht derweil – schlafmangelnd – im Bett auf der Matratze, was noch Tage danach „eindrucksvoll“ nachzuvollziehen ist. Meine Wenigkeit hat in diesen Nächten eine gute Ausrede für exzessive Kühlschrankgänge -„Abnehmen fällt ab morgen ohnehin leichter“. Und in der Ferne heulen die Polizeisirenen bei ihren zahlreichen Einsätzen – oder doch die Werwölfe der Umgebung?

Wird der Mond voll angestrahlt – spielt die Menschheit verrückt. Alles nur Ängste aus längst vergangenen Zeiten, in denen man sich die Veränderung der Mondansicht nicht erklären konnte? Magisch und bedrohlich am Himmel stehend, wurde der Vollmond zum Sündenbock für alle unerklärlichen Vorgänge – und zum Werkzeug einiger Prediger, die die Menschen in ihrem Sinne verführen wollten.

Nein, es gibt auch wissenschaftliche Ansätze

Die ungewohnte Helligkeit in Vollmondnächten reicht aus, um auf die Lichtsensoren unserer Netzhaut zu wirken.  Diese Reize werden an die „innere Uhr“ weitergeleitet, die Produktion von Melatonin, dem Schlafhormon, wird gestoppt. Wir sind wach, bzw. nicht „zum Einschlafen“ müde. Der Biorhythmus wird unterbrochen – der Mensch „reagiert“. Ist es also die ungewohnte Helligkeit, die uns verrücktspielen lässt?

In der Medizin gibt es einen eigenen Forschungszweig, der die zeitliche Organisation in Physiologie und Verhalten von Organismen untersucht: Die Chronobiologie. Depressionen durch Lichtmangel, Schlaf-und Essstörungen bei Schichtarbeitern, hervorgerufen durch zeitlich versetzte Lichteinwirkung auf den Organismus, Auswirkung von Reisen über mehrere Zeitzonen  (Jetlag). Diese Zusammenhänge zu klären ist Aufgabe zahlreicher Lehrstühle und Forschungsgruppen, wie z.B. der „Arbeitsgruppe Strukturelle Chronobiologie, Dr. Eva Wolf, am Max-Planck-Institut für Biochemie in München“ oder der „AK Neurobiologie Circadianer Rhythmen an der Johann-W-Goethe Universität in Frankfurt/Main“. Die Erkenntnisse finden auch in der Psychiatrie und Pharmakologie Anwendung: Von der Medikamentengabe zu bestimmten Tageszeiten bis hin zur Behandlung von Depressionen mit Lichttherapie.

Volkstümlich ausgedrückt: Lichtreiz zur falschen Zeit bringt unseren Biorhythmus – und somit uns durcheinander! Die Wissenschaft entmystifiziert also das gleisende Rund, viele Mythen und Phänomene wie z.B. schnelleres Pflanzenwachstum in diesen Nächten, lassen sich ganz einfach erklären.

Wenn Ihnen das nicht weiterhilft und Sie weiterhin angesichts des leuchtenden Vollmondes erschauern, denken Sie daran: In diesem Falle haben es unsere (Weit-)Nachfahren einmal besser als wir: Da Luna kontinuierlich abnimmt, wird sich auch der voll angeleuchtete Trabant einmal nur mehr als verschrumpeltes Obst darstellen – und keine Ängste mehr auslösen können!

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