Freitag , 29 Mai 2020
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Tschernobyl-Überlebende rät: Lauft, so schnell ihr könnt!

In Tschernobyl wurde, 1986, das Undenkbare zum ersten Mal zur grausamen Wirklichkeit. Wie schlimm steht es um Fukushima? Natalia Manzurova, die einzige Überlebende einer Gruppe von Wissenschaftlern, die nach dem Unfall zu Reinigungs-Arbeiten gerufen wurden, warnt: Die Regierung sagt nie die Wahrheit! Die Atomlobby sei zu mächtig. Mehr als vier Jahre war sie der Strahlung ausgesetzt. Die mittlerweile 59-Jährige sprach mit AOL. Sie erzählt von ihren schrecklichen Erlebnissen, von ihrem Gesundheitszustand und von den Gründen, warum wir belogen werden. Und ein Ende der Nutzung von Atomenergie ist dabei keineswegs in Sicht.

tschernobyl_museum

Natalia Manzurava war Ingenieur im Atomkraftwerk von Ozersk in Russland, als sie im April 1986, damals 35 Jahre alt, zusammen mit 13 anderen Wissenschaftlern zu Arbeiten nach Tschernobyl geordert wurde. Vier Tage nach dem Unglück. Alle anderen sind mittlerweile verstorben.

AOL berichtet, dass 100.000 Bewohner der Region evakuiert wurden. 800.000 Menschen jedoch wurden zu Reinigungsarbeiten eingesetzt. Natalia und ihre Kollegen wurden direkt ins noch brennende Kraftwerk entsandt. Ohne sich der Gefahr wirklich bewusst zu sein, folgte sie damals den Weisungen. Doch heute, so erklärt sie, würde sie sich strikt weigern. Die Drahtzieher der Atomlobby würden die Verantwortung immer auf andere abschieben. Und nicht einmal angemessene Entschädigungen würden bezahlt werden. Einfach um zu verschleiern wie gefährlich Atomenergie wirklich ist.

Einem Kollegen, der damals in ein Auffangbecken für Regenwasser trat, brannten die Fußsohlen in den Stiefeln weg. Ihr selbst musste die Schilddrüse entfernt werden. Die ersten Anzeichen ihrer Strahlenerkrankung glichen einer Grippe. Dann setzten Anfälle ein, ähnlich wie bei Epilepsie. Um zu verschleiern, dass es sich um Konsequenzen der Strahlenbelastung handelte, wollte man sie sogar ins Irrenhaus schicken. Trotzdem, den damaligen Regelungen zufolge, musste sie insgesamt viereinhalb Jahre weiter arbeiten, bis man ihr gestattete, in Rente zu gehen, auch wenn ihr Zustand ihr nicht erlaubte, mehr als sechs Monate pro Jahr aktiv zu sein.

Die Erinnerungen erfüllen sie noch heute mit Entsetzen. Die Häuser waren verlassen. Es herrschte Totenstille. Es war, so beschreibt sie es, wie auf einem anderen Planeten. Alles, was die evakuierten Bewohner zurückgelassen hatten, wurde mit Baggern verscharrt. Hunde und Katzen eingeschlossen. Denn Haustiere mussten zurückgelassen, ihrem elendigen Schicksal überlassen werden. Insbesondere in den Fellen konzentrierte sich die Radioaktivität und eine Reinigung war unmöglich. Eine einzige lebendige Hündin hatten sie gefunden, sowohl die Pfoten als auch die Augen verbrannt. In ein Kinderbett hatte sie sich dann zum Sterben zurückgezogen.

Als sie vom Unglück in Fukushima hörte, wurden all die Erinnerungen in ihr wieder wach. Und sie rät den Menschen in Japan, sich so rasch als möglich in Sicherheit zu bringen. Regierungen, ohne Ausnahme, beschuldigt sie der Vertuschung. Denn die Atomlobby sei mächtig. Und den Menschen soll nicht bewusst werden, welchen Gefahren sie ausgesetzt sind. Sie sagte wörtlich:

„Lauft weg, so schnell ihr könnt. Wartet nicht. Bringt euch in Sicherheit und vertraut nicht der Regierung. Denn die Regierung lügt. Sie wollen nicht, dass ihr die Wahrheit kennt, denn die Atomindustrie ist derart mächtig.“

Über die Menge der Strahlung, der sie selbst ausgesetzt war, wurde sie nie in Kenntnis gesetzt. Messungen wurden regelmäßig durchgeführt, doch bis heute wurden ihr die Resultate nicht mitgeteilt.

Seit 15 Jahren gilt Natalia Mazurova als behindert. Doch die Entschädigungen, die ihr für ihre unglaublichen Opfer bezahlten werden, seien mehr als nur bescheiden. Durch höhere Zahlungen würde die Atomindustrie die Gefährlichkeit eingestehen.

In Zusammenarbeit mit einer Organisation von Atomgegner, Beyond Nuclear, hält Natalia Mazurava Vorträge, um ihre Erfahrungen aus erster Hand mitzuteilen. Um Menschen darüber in Kenntnis zu setzen, welchen Gefahren sie ausgesetzt sind, solange sie der Atomlobby erlauben, ihr profitträchtiges Spiel mit dem (nuklearen) Feuer weiter zu treiben.

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