Mittwoch , 19 September 2018
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Wie viele Milliarden kostet eine Million Hektar Umwelt?

regenwaldEin Gerichtsurteil sorgt für Schlagzeilen. Der Ölkonzern Chevron wurde von einem Gericht in Ecuador zur Zahlung von mehr als acht Milliarden Dollar verurteilt. Wie wenig ernst diese Entscheidung genommen wird, zeigt die Entwicklung der Aktienkurse. Während die Angelegenheit auf Chevrons eigener Webseite mehr als nur beschönigt wird, leben die Bewohner der betroffenen Regionen mit verseuchtem Trinkwasser, vergifteten Flüssen, leiden unter mysteriösen Krankheiten und sterben in jungem Alter an Krebs. Es handelt sich überwiegend um Ureinwohner. Die Umwelt-Katastrophe erstreckt sich über eine Million Hektar dünn besiedelter Regenwälder.

Der amerikanische Ölkonzern Texaco, der im Jahr 2001 von Chevron übernommen wurde, förderte bis 1992 Öl im Osten Ecuadors. Neben einer Zahl von Unglücksfällen und dem Austritt von Öl aus verlassenen Quellen, wird das rücksichtlose Ableiten von Abwässern in die Umwelt als Hauptursache für die enormen Schäden erachtet. Austretendes Erdgas lässt sich relativ problemlos abfackeln. Ein wesentlich größeres Problem entsteht durch Wasser, das ebenfalls zusammen mit dem Erdöl an die Oberfläche gefördert wird. Dieses, im Fachjargon „Produced Water“ genannt, ist mit verschiedenen Komponenten von Mineralöl verseucht und wird üblicherweise Tausende Meter tief ins Erdinnere zurückgepumpt, was mit entsprechendem Kostenaufwand verbunden ist. Berichten der Bewohner und ehemaligen Arbeitern zufolge, wurden diese Abwässer in Ecuador jedoch schlicht in Flüsse abgeleitet. Wie von den Klägern behauptet wird, übertrifft der Schaden, der durch diese Rücksichtslosigkeit entstanden sein soll, jenen des Exxon-Valdez-Unfalls in Alaska um ein Vielfaches.

Das, am Ende dieses Artikels eingesetzte kurze Video (englisch/spanisch) vermittelt einen schockierenden Einblick in die Situation. Es stellt die Bewohner dieser einst unberührten Region vor, zeigt erschreckende Bilder der Ölseuche und lässt Menschen zu Wort kommen, die ihre nächsten Angehörigen verloren haben.

Wie anfangs erwähnt, zog sich Texaco im Jahr 1992 aus Ecuador zurück. Seit 1993 – also seit fast 18 Jahren – läuft ein Gerichtsverfahren. Das, offiziell noch unveröffentlichte, Urteil fordert $ 8,6 Milliarden als Wiedergutmachung. Die Gelder sollen zum Großteil für die Bereinigung der Umweltschäden Verwendung finden, für die Errichtung von Krankenhäusern und als finanzielle Entschädigung für die am schlimmsten betroffenen Bewohner.

Welche Stellungnahme gibt es von Seiten des Ölkonzerns? Ein Blick auf die Webseite Texaco.com vermittelt den Eindruck als wäre Nachfolger Chevron das Opfer einer Verschwörung. In Details finden sich Erklärungen, dass zu jeder Zeit die landesspezifischen Bestimmungen eingehalten wurden und dass es in der betroffenen Region grundsätzlich keine, durch die Förderungen verursachten, nennenswerten Belastungen gäbe.

Gleichzeitig scheint sich der Aktienmarkt nicht sonderlich um eine mögliche Bezahlung der genannten Summe zu sorgen. Zusammen mit den Rohölpreisen stiegen die Aktien von Chevron (Trigger-Symbol CVX) während der vergangenen Monate regelmäßig an. Der gestrige Schlusskurs von $ 96,95 wurde vom heutigen Eröffnungskurs mit $ 96, 58 knapp unterboten, sank während des Vormittagshandels weiter bis auf $ 95,66, näherte sich in den frühen Nachmittagsstunden aber wieder deutlich der $-97-Marke. Den derzeitigen Kursen entsprechend, beträgt der Gesamtwert des Unternehmens rund 194 Milliarden Dollar. Von einem wahrscheinlichen Fortführen des Rechtsstreits abgesehen, ist es auch unklar, ob dem Staat Ecuador Möglichkeiten zur Verfügung stehen, die Bezahlung im Falle eines endgültigen Urteils zu erzwingen.

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