Freitag , 24 Januar 2020
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Wetterchaos: Golfstrom, Jetstream oder beides?

verschneite_brueckeSchnee und Eis führen zu nennenswerten Beeinträchtigungen des Verkehrs in großen Teilen Europas. Schon der vergangene Winter brachte Rekorde mit sich. Es folgte ein Sommer mit ungewohnten Trockenheiten, Waldbränden, Überschwemmungen in Deutschland und katastrophalen Monsunregen in Asien. Weltweit bemühen sich Meteorologen, die Ursachen für die extremen Veränderungen des Wetters herauszufinden. Während der internationale Wetterdienst The Weather Network über den Einfluss des Jetstreams berichtet, lässt sich gleichzeitig eine „beträchtliche Abnahme“ des Golfstroms verzeichnen.

Das ungewöhnliche Wetter des vergangenen Sommers wurde, zumindest teilweise, durch Veränderungen des Jetstreams erklärt. Durch das Aufeinandertreffen kalter und warmer Luftmassen entsteht in 8.000 bis 16.000 Meter Höhe dieser sogenannte Jetstream, der Spitzengeschwindigkeiten von über 500 km/h erreicht. Vor zwei Tagen verwies ein Artikel auf der Webseite des Weather Networks auf den massiven Wintereinbruch in Europa und Teilen Nordamerikas, gleichzeitig jedoch auf ungewöhnlich hohe Temperaturen im nördlichsten Teil Kanadas. Verschiebungen des Jetstreams wurden als dafür verantwortlich genannt.

Und wie sieht es mit Veränderungen bzw. einer möglichen Abnahme des Golfstroms aus? Diese konstante Meeresströmung bringt warme Wassermassen vom Golf von Mexiko in den östlichen Teil des Nordatlantiks, was relativ milde Winter in Europa zur Folge hat. Zum Vergleich: Die beiden Städte Montreal und Mailand befinden sich am selben Breitengrad, weisen jedoch, vor allem in Winter, extrem unterschiedliche Temperaturen auf.

Vor einigen Monaten stellte Dr. Gianluigi Zangari, der für die Laboratori Nazionali di Frascati in Rom tätig ist, anhand von Satellitenbildern ein Versiegen des sogenannten Loop Currents im Golf von Mexiko fest, was, physikalischen Prinzipien entsprechend, auf die dort ausgetretenen Ölmengen zurückführbar sein könnte. Nachdem diese, sich gegen den Uhrzeigersinn drehende, Meeresströmung innerhalb des Golfs von Mexikos den Golfstrom mit warmem Wasser aus der Karibik speist, gibt es seit Monaten Gründe für die Befürchtung, dass dieser in seiner Intensität abnehmen könnte. Auf eine von The Intelligence gestellte Anfrage antwortete Dr. Zangari gestern in einem Email, dass „viele Institutionen (u. a. NOAA) auf eine beträchtliche Abnahme des Golfstroms verweisen, was als Ursache für das kalte Wetter in Europa gelten könnte.“ Weiter verweist Dr. Zanagari in seinem Schreiben auf die allgemein akzeptierte Verbindung zwischen der Strömung im Golf von Mexiko und dem Golfstrom und fügt hinzu: „Sie können Ihre eigenen Schlüsse ziehen!“ Wissenschaftlichen Grundsätzen entsprechend, bedarf es jedoch noch weiterer Indizien, insbesondere um einen Zusammenhang zwischen der Ölkatastrophe und der bestätigten Abnahme des Golfstroms zu belegen.

Seit mehreren Jahren gibt es Spekulationen darüber, ob Temperaturveränderungen auf der Erde Einflüsse auf den für Europa überaus wichtigen Golfstrom ausüben könnten. Ein Artikel in der englischen Ausgabe von Wikipedia verweist diesbezüglich auf Daten im Zusammenhang mit einer Abnahme der wärmenden Meeresströmungen. Unabhängig davon veröffentlichte RiaNovosti schon im Jahr 2008 die Forschungsergebnisse des russischen Wissenschaftlers Khabibullo Abdusamatov, der die Temperaturentwicklung mit dem CO2-Ausstoß in Vergleich stellte und ein anhaltendes Abkühlen unseres Planeten erwartet.

Wissenschaftler halten sich mit Warnungen bezüglich erwarteter, doch nicht eindeutig belegbarer, Veränderungen grundsätzlich zurück, um nicht unnötiger Panikmache bezichtigt zu werden. Lediglich Verfechter von Thesen, dass der, von Menschen verursachte, CO2-Ausstoß für Klimaveränderungen verantwortlich sei, scheinen hier eine Ausnahme zu bilden. Das vorherrschende Wetter, gleichzeitig den vergangenen Winter bedenkend, ließ Schlagzeilen über die globale Erwärmung mittlerweile aber ohnehin aus den Medien verschwinden.

Für Dr. Zangari, der sich in erster Linie mit den Konsequenzen der, von BP verursachten Ölkatastrophe im Golf von Mexiko auseinander setzt, ist die Wetterentwicklung in Europa nur eine Randerscheinung. Trotzdem verweist er auf die fragilen Zusammenhänge. Auch wenn die weitere Entwicklung nicht absehbar ist, so herrschen an der Wurzel des Golfstroms plötzlich völlig neue Bedingungen.

Nachdem der anfangs erwähnte Jetstream seinen Ursprung im Vermischen warmer und kalter Luftmassen findet, entspräche es eigentlich der Logik, dass eine Veränderung der Meeresströmungen, durch welche Wärmemengen im Normalfall in kältere Regionen abgeleitet werden, durch ein erhöhtes Aufsteigen warmer Luftmassen auch Einflüsse auf diese Luftverschiebungen in großen Höhen ausüben könnte.

Über die Entwicklung des Jetstreams lassen sich, so scheint es, nur schwerlich Prognosen erstellen. Ein Abnehmen der Intensität des Golfstroms findet jedoch Bestätigung. Auch gilt es als erwiesen, dass starke Schneefälle eine erhöhte Rückstrahlung der Sonnenenergie mit sich bringen. Ein möglicher Zusammenhang zwischen der Ölkatastrophe im Golf von Mexiko und einer Abnahme des Golfstroms soll keineswegs dazu dienen, BP und die beteiligten Unternehmen mit weiteren Schuldvorwürfen zu überschütten. Die verfügbaren Daten führen jedoch zu dem Schluss, dass wir uns nicht nur auf einen extrem kalten Winter einzustellen haben, sondern auch, dass sich diese Entwicklung in den kommenden Jahren fortsetzen könnte.

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