Dienstag , 29 September 2020
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Spritzen bis das Hirn aussetzt

botoxÜber 21 Millionen Google-Einträge lassen sich zum Thema Anti-Aging finden. Einer der Spitzenreiter in Sachen Serum der ewigen Jugend darf hierbei selbstverständlich nicht fehlen: Botulinumtoxin A. „Spritzen bis das Hirn aussetzt“ – kein böswilliger Angriff auf das sogenannte Botox, sondern eine der facettenreichen Realitäten des hochtoxinen Leichenbakteriums. Ein Bericht zwischen trügerischer Schönheit und faltenloser Verdummung.

Botox gilt seit Jahren als kosmetisches Heilmittel gegen die lästigen Zeichen der Zeit. Tendenz steigend und das ungeachtet dessen, dass es sich hierbei um ein toxines Protein handelt. Dieses giftige Eiweiß wurde einst zwischen den Jahren 1895 und 1897 durch den belgischen Bakteriologen Emile van Ermengem, aufgrund von Todesfällen nach dem Verzehr von Schinken, einer Isolation unterzogen. Die Entdeckung dieses extrem gefährlichen Toxins wurde allerdings bereits im Jahr 1817 wissenschaftlich mit der Erkrankung „Botulismus“ durch den schwäbischen Dichter und Arzt Justinus Kerner dokumentiert. Bereits damals befand Kerner, dass dieses, die Nerven lahmlegende, Leichengift in geringer Dosierung medizinische Anwendung finden könnte. Über die kommenden Jahrzehnte hinweg, durchlief Botulinumtoxin A einen wahren Siegeszug innerhalb der Medizin. Nach und nach wurde bei unterschiedlichen neurologisch bedingten Erkrankungen eifrig die Wirkung erprobt, so dass zwischen 1973 und 1978 erstmalig die Zulassung durch die FDA als Medikament bewirkt werden konnte.

Kosmetische Geburtsstunde von Botox und die Milliardengeschäfte

Rein zufällig wurde Anfang der 90er Jahre durch ein amerikanisches Paar namens Carruthers entdeckt, dass dieses Gift als „Nebenwirkung“ einer Migränebehandlung eine glättende Wirkung auf die Gesichtshaut ausübt. Die wahre kosmetische Geburtsstunde des Botulinumtoxin A war somit fixiert. Seitdem scheint Botox rund um den Globus wie ein unaufhaltsames Pestizid seine Fänge auszustrecken und eröffnet den Jägern nach der ewigen Jugend ständig neue Jagdgründe und der ästhetischen Schönheitsindustrie Milliardenumsätze. Während Botox in Cremes und weiteren kosmetischen Präparaten nicht vorhanden ist, da hierbei der Ersatzstoff Argireline eingesetzt wird, erweisen sich die Spritzen als wahre toxine Zeitbomben. Eine Tatsache, die jedoch findige Botox-Experten nicht davon abhält sogenannte Botox-Partys ebenso zu veranstalten als auch eine kostengünstige Botox-Flatrate anzubieten. Kein Wunder, denn allein eine Spritze gegen Krähenfüße, Zornesfalten oder tiefe Nasobialfalten zwischen Nase und Mundwinkel kostet rund 300 € und selbst bei den scheinbaren Botox-Cremes legt der schönheitsbewusste Verbraucher ab 100 € aufwärts auf den Ladentisch. Ein giftiges Geschäft, welches für milliardenschwere Umsätze sorgt.

Allerdings ein Business, das im wahrsten Sinne des Wortes gleich für mehrere Gefahren sorgen kann, die dem eitlen Menschen von heute nicht immer bewusst sind. Botulinumtoxin A ist, wenn auch synthetisch hergestellt, eines der riskantesten Gifte für den Menschen, das nicht nur die gewünschten Nerven lahmlegen kann, um die faltenunterstützende Mimik abzustellen, sondern zeitgleich auch noch dafür sorgt, dass das Denkvermögen eine Reduzierung erfährt. Letzteres konnte erst kürzlich durch den Wissenschaftler David Havas, Universität Wisconsin-Madison, beeindruckend zur Dokumentation gebracht werden. So stellte er im Rahmen von Untersuchungen fest, dass nach einer Injektion Frauen mit einer sprachlich-emotionalen Denkverzögerung von einer Sekunde belastet sind. Mag eine Sekunde auch nicht viel erscheinen, so zeigt sich doch einerseits die negative Wirkung von Botox auf das Gehirn und anderseits das „Verpassen“ von relevanten Informationen, um eine emotionale Bedeutung einer Aussage erfassen zu können. Zusätzlich besteht derzeit die These, dass das Gehirn die Mimik, so etwa an der Stirn, für seine wichtige Tätigkeit benötigt. Spritzen bis zur Verdummung wird somit keine Aussage mit schlechtem Humor, sondern durchaus zu einer Realität.

Verkannte Gefahr durch Botulinumtoxin auch in der Nahrung

Medizinische Hilfe und kosmetische Spritzenkorrektur von Falten und Co. sind allerdings nur zwei zum Einsatz gebrachte Seiten des Nervengiftes, denn was viele Menschen nicht wissen ist, dass Botox auch in der Nahrung enthalten sein kann. Nicht gezielt, nein, das beileibe nicht, allerdings fast schon naturgegeben, denn es handelt sich nach wie vor um ein Bakterium mit dem Namen Clostridium botulinum, das sich gerne in Fleisch- und Wurstkonserven, Fisch oder auch Mayonnaise aufhält. Rund vierzig bis fünfzig Erkrankungsfälle im Jahr mit bis zu zwei Todesfällen, gehen auf die Ursache der Vergiftung mit diesem Bakterium zurück, was innerhalb der Bevölkerung ebenfalls kaum bekannt ist. Das Bakterium selbst macht sich Sporen im Dünndarm zu nütze, um seine hochgiftige Wirkung auszuüben, die zu Nerven- und Muskellähmungen und vielen weiteren Vergiftungserscheinungen führt. Gefährlich ist hierbei die Muskellähmung, die auch die Atmung betrifft und in zahlreichen Fällen eine langfristige künstliche Beatmung bedingt und im schlimmsten Fall den Tod mit sich bringt. Schnelle Reaktionen bei auftretenden Vergiftungserscheinungen mit Botulinumtoxin ermöglichen die Gabe von Antitoxin, das wiederum aus Pferden gewonnen wird.

Unschwer lässt sich allein auf diesen wenigen Tatsachen erkennen, dass mit diesem gefährlichen Nervengift nicht zu spaßen ist. Sich gerade vor einer kosmetischen Schönheitsbehandlung die vielen Nachteile derartiger Injektionen klar vor Augen zu halten, kann schlussendlich keine Falten reduzieren, jedoch das Gehirn ebenso schützen als auch das Leben an sich. Letzteres zudem auch dann, wenn man sich etwas eingehender mit der Thematik beschäftigt, die, wie man sehen kann, weder vor einer Überdosierung noch der alltäglichen Ernährung Halt macht.

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