Donnerstag , 8 Dezember 2022
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Krankheiten entdecken rechnet sich

einkaufswagen voller geldMenschen werden alt, Menschen werden krank. Ob sich Krankheiten und Beschwerden aufgrund Vererbung, einem ungesunden Lebensstil oder dem sogenannten Schicksal entwickeln, ist jedoch jeglicher Erkrankung etwas gemeinsam: Die Pharmaindustrie und die Mediziner sind die Helfer in der Not. In vielerlei Hinsicht kann man hier durchaus zustimmen, dass ohne Impfstoffe, Beta-Blocker sowie Penicillin und vielen weiteren Arzneimitteln so manches Leben rascher enden würde, als es ohne diese Präparate und verschiedenen Behandlungsmethoden der Fall ist. Doch gibt es tatsächlich alle Krankheiten oder werden aus Profit- und Profilierungssucht gar von Zeit zu Zeit „neue“ Krankheiten erfunden, um für neue Umsätze zu sorgen?

Es gibt durchaus Krankheiten, die sich merkwürdigerweise noch vor Jahrzehnten nicht als solche aufzeigten, heute jedoch „real“ vorhanden sind und mittels ständig neuer Entwicklungen aus dem Pharmaziebereich zur Therapie gelangen. Spekulationen über „erfundene Krankheiten“ durchgeistern hierbei nicht nur die Köpfe manch scheinbar thematisch unbedarfter Menschen in der Bevölkerung, sondern finden sich zudem in vielen Diskussionsrunden kritischer Experten, so etwa aus den Wissenschaftskreisen, die jedoch mit handfesten Tatsachen aufweisen können, dass sich viel Wahrheit in den aufgeworfenen Thesen befindet. „Disease-mongering“ lautet denn auch die Titulierung derartiger Machenschaften und bezeichnet folglich das Verkaufen eines Leidens, welches soweit ausgereizt wird, dass sich dadurch neue Märkte erschließen, die wiederum gezielt denjenigen zu Umsätzen verhelfen, welche Medikamente produzieren, vertreiben oder an Endkunden verkaufen. Bereits im Jahr 2006 sprachen Forscher der Newcastle University / Australien den Vorwurf aus, dass Pharmaunternehmen Krankheiten erfinden, um für neue Absatzmärkte und folglich gesteigerte Verkäufe zu sorgen. Ist dem wirklich so?

Folgende Beispiele scheinen diese Vorwürfe zu belegen. Allein in den USA behaupteten schon vor Jahren Pharmaunternehmen, dass rund 43% aller Frauen unter einer sexuellen Dysfunktion leiden würden. Hierbei handelt es sich nicht nur um eine scheinbar abhanden gekommene Lust, sowie verschiedene Symptome während des Geschlechtsaktes, sondern regelrecht um eine Frigidität. Dass es eine solche gibt, wird allerdings seit vielen Jahren angezweifelt und folglich diskutiert, denn im Grundsatz werden beim Thema Frigidität der Frau allerlei Ursachen angeführt, die eigentlich keine Krankheit an sich sind. So etwa eine Erziehung der betreffenden Frau im Kindesalter, mangelnde Fähigkeiten eines Liebhabers oder auch Stress. Der bekannte Psychoanalytiker Sigmund Freud sprach in diesem Zusammenhang von einer Frigidität, wenn eine Frau nicht zum Orgasmus gelangen kann und ein englischer Chirurg namens Acton vertrat die Meinung, dass ein weibliches Wesen überhaupt keine Sexualität hat, folglich könnte es ja dann auch nicht die Krankheit Frigidität geben. Nichtsdestotrotz liegt unter anderem auf dieser „Erkrankung“ der Frau das Augenmerk der Pharmaindustrie, um das Leiden endlich zu beenden. Aktuell entwickelt das Pharmaunternehmen Pfizer ein Präparat, das dem des für den Mann gedachten Viagra sehr ähnlich sein und für ein Mehr an Lust bei kranken Frauen sorgen soll.

Doch es gibt noch mehr Krankheiten, die unter dem Verdacht liegen eine Erfindung zu sein. Hierunter fällt das Kiss-Syndrom, das Säuglinge betrifft und von einem Chirurgen, der heute als sogenannter Manualmediziner arbeitet, „entdeckt“ wurde. Kiss oder genauer gesagt die Kopfgelenk-induzierte Symmetriestörung, zeigt sich angeblich bei 5% der Säuglinge mit einem Dauerschreien, einer anhaltenden Schlaflosigkeit und vor allem auch einer asymmetrischen Kopfform. Der Entdecker bietet unter anderem als Osteopath verschiedene Behandlungen an, die finanziell nicht von den Krankenkassen übernommen werden. Nicht nur Kinderärzte, sondern auch weitere Schulmediziner lassen bei dieser kindlichen „Erkrankung“ keinen Zweifel darüber offen, dass hier nichts entdeckt wurde, da es solch eine Krankheit schlicht und einfach nicht gibt. Aber Geldmachen lässt sich damit vorzüglich. Weitere Beispiele über Beschwerden, die als Krankheiten bezeichnet werden, jedoch keine sind: Osteoporose, der Knochenschwund samt einer daraus resultierenden Knochenbrüchigkeit, ist ebenso wenig eine Krankheit als auch ein zu hoher Cholesterin-Spiegel, leichte Irritationen innerhalb des Darms, sowie das Restless-Leg-Syndrom, das „unruhige Beine“ bezeichnet, die sich besonders in einem Ruhezustand und somit beim Schlafen bei einem Betroffenen bemerkbar machen.

Hormone bei Symptomen innerhalb der Menopause bei Frauen, ADHS (Aufmerksamkeits- / Hyperaktivitäts-Syndrom) bei Kindern samt der Gabe von Ritalin und anderen Psychopharmaka, ein Vitamin-B-Mangel, bestimmte „Krankheiten“ in Zeiten der Schwangerschaft und Post-Menopause oder eine männliche Alopezie (Haarausfall) sowie viele weitere „Krankheiten“ sind im eigentlichen Sinne vieles, jedoch eben keine Krankheit an sich. Doch genau hier werden Jahr für Jahr neue Medikamente, Produkte und Therapien entwickelt, die für kräftige Umsätze im Pharma-, Medizin- und Apothekenbereich sorgen. Dass man als Patient selbst keine Definition und folglich eine konkrete Diagnose über die vorhandenen Beschwerden erstellen kann, ist durchaus verständlich, allerdings sollte man sich durchaus selbst fragen, ob bei typischen altersbedingten und folglich biologischen körperlichen Störungen, sowie anderweitigen sehr wohl natürlichen Befindlichkeitsstörungen, gleich von einer Therapie zur nächsten gegangen werden muss. Selbstverständlich einschließlich der damit sehr häufig einhergehenden Medikalisierung oder dem Kauf von Produkten, die das Leiden lindern sollen. Kritisches Hinterfragen über die Notwendigkeit derartiger Behandlungen, Verkaufsempfehlungen und die Einnahme von Präparaten oder Arzneimitteln, sollte folgerichtig zum Einsatz kommen, denn: Nicht jede Erkrankung offenbart sich per definitionem als (reale) Krankheit.

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