Donnerstag , 18 Juli 2019
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Rückenleiden – die verrutschte Seele

rueckenansichtEs schmerzt gewaltig in Deutschland. Nein, diesmal ist nicht die vermeintlich krisenhafte Volkserkrankung Geldmangel gemeint, sondern vielmehr einer der Spitzenreiter auf der Liste der Volksleiden- der Rückenschmerz. In den Industrieländern dieser Welt, und im Besonderen auch in Deutschland, nimmt der Schmerz im Rücken seit längerer Zeit permanent zu und macht nicht einmal mehr Halt vor Kindergarten- und Schulkinder, die mit etwa 40% ebenfalls schon unter schmerzhaften Zuständen im Rückenbereich leiden.

Schätzungen zufolge sind mindestens 60 bis 80% der deutschen Bevölkerung einmal im Leben von Rückenschmerzen betroffen, wobei chronische Rückenleiden, ausgelöst durch unterschiedlicher Ursachen, weitaus mehr existent sind als nur der Schmerz mit einem einmalige Auftreten. Besonders interessant ist in diesem Kontext, dass die Beschwerden immer häufiger durch psychische Belastung entstehen.

„Es lastet alles auf meinem Rücken“ oder auch „die Angst sitzt mir im Nacken“ sind nur zwei von vielen Aussagen, die bei einem Nachfragen nach dem gesundheitlichen Befinden sehr oft ausgesprochen werden und einen sehr deutlichen Zusammenhang zwischen vorhandenen Rückenbeschwerden und dem seelischen Zustand offenbaren. Der immer stärker werdende seelische Druck aufgrund beruflichen und privaten Belastungen in der Kombination mit einem Mangel an Bewegung, dem Vorhandensein eines durchaus hohen Übergewichtes sowie sich einschleichende falsche Körperhaltungen, ergeben in ihrer Gänze einen sich manifestierenden und folglich festsitzenden Schmerz. Dieser wiederum kann sich vom Nacken bis zum Steißbein bemerkbar machen und zeigt sich sowohl akut als auch chronisch. Als chronische Rückenbeschwerden werden übrigens Schmerzen und Bewegungseinschränkungen bezeichnet, die anhaltend über die Dauer von drei Monaten bei dem Betroffenen vorhanden sind und tatsächlich sehr häufig als solche diagnostiziert werden.

Welche Verbindung gibt es zwischen Rückenleiden und der Psyche?

Aber was hat nun die Psyche mit einem HWS (Halswirbel-Syndrom) oder LWS (Lendenwirbel-Syndrom) und weiteren punktuell vorzufindenden Beschwerden im Rückenbereich zutun? Zunächst wird von Ärzten und Experten bei dieser Thematik von psychosomatischen Beschwerden gesprochen. Letzteres wird oftmals nach einer eingehenden Diagnose und einer Vielzahl an Untersuchungen dem Betroffenen mitgeteilt und umfasst zumeist die Tatsache, dass keine organischen Schäden erkennbar sind. Gesunde Bandscheiben, eine fehlende Osteoporose, weder Deformationen der Wirbelsäule noch ersichtliche Muskel- und Skeletterkrankungen weisen vielfach darauf hin, dass der Betroffene unter Belastungen steht, die unter anderem in der Psyche ihren Ursprung haben und zu spürbaren Beschwerden im Rücken führen können. Medizinisch wird in rund 85% der Erkrankungsfälle von nicht radikulären Rückenschmerzen gesprochen, deren charakteristischen Symptome beispielsweise ein verstärktes Auftreten nach dem Aufstehen sowie regionale, tiefsitzende und dumpfe Schmerzen mit einer schlechten Lokalisierung sind.

In der Regel gehen diese unspezifischen Rückenschmerzen mit körperlichen Fehlhaltungen einher, die wiederum zu chronischen Muskelstörungen und hartnäckigen Verspannungen vom Nacken bis zum unteren Ende des Rückens und zu weiteren deutlichen körperlichen und seelischen Einschränkungen führen können. Dieser Zusammenhang, der in einem zunehmenden Maße aufgrund der steigenden Erkrankungszahlen unter dem Bezug des Rückenleidens mit psychischen Belastungen von immer mehr Experten als solches erkannt wird, ist nicht neu. Schon im Jahr 1933 ließ der Psychoanalytiker E. Weiss seine Vermutung laut werden, dass ohne ersichtliche körperliche Erkrankungen bei chronischen Schmerzpatienten die Psyche eine gewichtige Rolle spielen kann, zumal ein Schmerzempfinden von Mensch zu Mensch Variablen unterliegt. Während der eine ein leichtes Ziehen kaum wahrnimmt, ist dieser minimale Schmerz bei einem anderen schon ein Grund, um nach Schmerzmittel zu greifen. Und dieser Griff erfolgt viel öfter als man annehmen würde, der allerdings wiederum auf Dauer eine negative Schleife der Beschwerden mit sich bringt, die einerseits den Organismus an die schmerzlindernden Substanzen gewöhnen können und anderseits die eigentliche Ursache und dem Nachforschen nach der selbigen regelrecht zudecken.

Desolate Psyche und wie man den Rückenschmerzen wieder Herr werden kann

Dass Schmerzmittel auf Dauer keine Lösung des Problems Rückenleiden sind, ist sehr offensichtlich. Ähnlich wie dem Verdrängen der Tatsache, dass man Hunger hat und folglich ein Einkauf in irgendeiner Form zum Stillen dessen nötig wird, erweisen sich auch Medikamente bei einer dauerhaften Einnahme als ein Brachlegen der wirklichen Ursachenfindung. Negativer Stress, Sorgen, berufliche und private Belastungen, Einsamkeit, unerfüllte Lebenssehnsüchte und viele weitere das Leben und die Psyche betreffende Themen können hier als Auslöser der leidigen Rückenbeschwerden möglich sein. Hier an dieser Stelle sind das lediglich Hinweise für diejenigen, die unter Rückenbeschwerden leiden und schlussendlich kann nur eine eingehende Untersuchung durch den Arzt seines Vertrauens aufzeigen, ob tatsächlich psychische Probleme als Ursache von permanenten und teilweise diffusen Schmerzen im Rücken vorhanden sind. Erfolgt hier eine Bestätigung oder doch zumindest Vermutung, stehen jedoch eine Vielzahl an Behandlungsmöglichkeiten zur Verfügung. Physiotherapie, Schmerztherapien, Psychotherapie sowie das Erlernen von Entspannungsmethoden in der Kombination mit einem Besuch einer Rückenschule oder auch dem aktiven Herangehen einer Lösung der belastenden beruflichen und privaten Problematiken, sind nur einige der hilfreichen Ansätze, um endlich wieder beschwerdefrei zu werden und somit auch die persönliche Lebensqualität wieder anheben zu können, die aufgrund anhaltender Schmerzen und folglich Bewegungseinschränkungen einem deutlichen Manko unterliegt.

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