Donnerstag , 22 August 2019
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Die mit Abstand gefährlichsten Grippeviren: Im Labor gezüchtet!

influenza_viren_mikroskopDie landläufige Grippe ist höchst ansteckend, aber, wie wir aus Erfahrung wissen, nur sehr selten verläuft sie tödlich. Im Gegensatz zur Vogelgrippe, die dafür aber von Mensch zu Mensch nicht übertragbar ist. Bis jetzt! Einem Team von Virologen ist es gelungen, die beiden Eigenschaften zu kombinieren. Somit existiert tatsächlich ein Virenstamm, der über das Potential verfügen könnte, die Hälfte der Menschheit zu töten. Im Labor, unter höchstmöglichen Sicherheitsvorkehrungen. Aus gutem Grund tauchen gleichzeitig aber auch schwere Bedenken bezüglich einer Veröffentlichung der Forschungsergebnisse auf.

Auch wenn jedes Jahr Zehntausende Menschen der Grippe erliegen, so handelt es sich dabei, in Relation zur Zahl der Erkrankten, um einen verschwindend niedrigen Prozentsatz. Anders ist die Situation bei der Vogelgrippe. Seit dem Jahr 2004 waren es 565 Menschen, die sich durch direkten Kontakt mit Vögeln mit dem H5N1-Virus infizierten. Für 331 von ihnen endete die Erkrankung tödlich, informiert das Wissenschaftsmagazin New Scientist.

Im Rotterdamer Erasmus Medical Centre arbeitete ein Team von Virologen, unter Leitung von Ron Fouchier, an Mutationen des H5N1-Virus, um eine direkte Übertragung zwischen Menschen zu ermöglichen. Die Zeit informiert, dass die Experimente im Auftrag der US-Gesundheitsbehörde  (National Institutes of Health) durchgeführt wurden. Ziel des Forschungsauftrages sei gewesen, diesen höchst gefährlichen Grippestamm zu züchten, um auf eine möglicherweise überraschend auftauchende natürliche Mutation vorbereitet zu sein. Schon im Jahr 2005 berichtete New Scientist von Ergebnissen einer Rückzüchtung jenes Virus, der 1918 eine Pandemie, die als Spanische Grippe bekannt ist,  ausgelöst hatte, der weltweit rund 25 Millionen Menschen erlagen. Dabei stellte sich heraus, dass diese Viren eine Ähnlichkeit mit H5N1 aufwiesen.

Bei den jüngst durchgeführten Forschungsarbeiten wurden als Versuchstiere Frettchen verwendet, die beim Kontakt mit Grippeviren dem Menschen sehr ähnlich reagieren. Nach dem fünften Mutationsschritt erkrankten plötzlich Tiere im benachbarten Käfig, ohne mit den ursprünglich infizierten Frettchen auch nur irgendwie in Kontakt geraten zu sein. Die Erreger verbreiteten sich also über die Luft. 70 Prozent der erkrankten Tiere starben.

Wie Die Zeit informiert, hätten die Forschungsergebnisse, mit detaillierten Angaben zu den einzelnen Mutationsschritten, bereits im Fachmagazin Science veröffentlicht werden sollen. Das amerikanische Gremium für Biosicherheit (National Science Advisory Board for Biosecurity, NSABB) verhinderte diese Veröffentlichung jedoch vorläufig. Es wird befürchtet, dass Terroristen anhand dieser Informationen die gleichen Mutationen selbstständig durchführen könnten.

Allerdings wird in der Zeit auch darauf verwiesen, dass amerikanischen sowie japanischen Forschern ähnliche Erfolge gelungen seien. Was Japan betrifft, findet der Name Yoshihiro Kawaoka Erwähnung.

Dass Geheimdienste verschiedener Länder, trotz internationaler Abkommen gegen den Einsatz biologischer Waffen, diesbezügliche Forschungen betreiben, ist mit hoher Wahrscheinlichkeit anzunehmen. Somit erscheinen Hinweise auf die Möglichkeit, dass sich Terroristen dieser neu gezüchteten Viren bemächtigen könnten, nicht unbedingt als die vordergründigste Gefahr.

Was zur Verwunderung anregt, ist die zurückhaltende Berichterstattung in der Presse. Den Namen des Leiters der Forschungen, Ron Fouchier, bei Google-News eingegeben, führt sowohl auf deutsch als auch auf englisch zu einer ausnehmend geringen Zahl von Artikeln. Mit welchem Enthusiasmus wurde über die Schweinegrippe berichtet oder über SARS im Jahr 2002? In zumindest einem, vermutlich sogar in mehreren Laboren ist es nun gelungen, einen Virenstamm zu züchten, dem die halbe Menschheit zum Opfer fallen könnte. „Dieses Virus ist ebenso leicht übertragbar wie die landläufige Grippe“, informierte Ron Fouchier im Rahmen eines Grippe-Kongresses auf Malta. Die Todesrate bei einer Ansteckung wird auf 70 Prozent geschätzt. Sind diese Fakten nicht erschreckend genug, um eine breite Berichterstattung auszulösen?

Die Zeit schreibt, dass Ron Fouchiers Angaben zufolge, der Auftraggeber für das Forschungsprojekt, die US-Gesundheitsbehörde, der Bekanntgabe der Ergebnisse zugestimmt hätte. Andere US-Behörden scheinen mit dieser Entwicklung jedoch nicht unbedingt einverstanden zu sein. Könnte es vielleicht sein, dass hinter dieser Veröffentlichung Gewissensgründe stecken? Die Erklärung, die Mutation dieser Viren sei deswegen provoziert worden, um den Ausbruch einer Pandemie durch genau diese Mutation zu verhindern, löst gedankliche Reaktionen aus, die zu gewisser Sorge veranlassen.

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