Dienstag , 20 August 2019
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Sozialverträgliches Frühableben – Eine (vielleicht bald) wahre Geschichte

wellmanns_wilde_wochenDie Treppe ins Kellergeschoss, in dem sich der Laden befand war endlos lang, alt und brüchig. Mit jedem Schritt wurde es etwas dunkler. Herr Mumpe konnte kaum noch etwas sehen, als er endlich vor der Tür stand, die nur durch eine schwache Glühbirne beleuchtet wurde, der man anmerkte, dass sie das pensionsberechtige Alter schon lange überschritten hatte. Kein Schild, kein Name war zu sehen. Aber es musste hier sein. Man hatte es Herrn Mumpe genau beschrieben. Er klopfte. Nachdem er etwa zwei Minuten gewartet hatte, hörte er schlürfende Schritte. Ächzend und quietschend öffnete sich die Tür einen Spalt breit. Darin erschien ein Gesicht, das Herrn Mumpe sehr an einen alten schwarz-weiß Gruselfilm erinnerte. Das linke Auge des Gesichts war zugenäht. Herr Mumpe nahm an, dass es fehlte. Quer darüber erstreckte sich eine Narbe vom Scheitel bis zum Unterkiefer. Zerfurcht und mit Altersflecken übersäht wurde es von einem fast zahnlosen Mund vervollständigt, aus dem jetzt eine verrauchte, reibeisenartige Stimme erklang.

„Tach mein Herr, wat kann ick für se tun?“ „Ähmm…, ja also…,“ stammelte Herr Mumpe etwas unentschlossen, immer noch nicht ganz sicher, ob er hier richtig war. „Ja wat´n!?“, rauchte ihm der Mann entgegen. „Ick habe Pfingsten ´n Termin…“ „Ja, also…,“ fasste sich Herr Mumpe ein Herz. „Ich bin hier, weil ich bräuchte eine neue Leber.“ „So, so, ´ne Leber“, sagte der alte Mann und öffnete die Tür, aus der jetzt ein moderiger Geruch, wie eine Welle drang. „Na dann komm´n se ma rin. Die Lebern finden se da links, zweitet Rejal, gleich unter die Bauchspeicheldrüsen.“ Damit wandte er sich ab und überließ Herrn Mumpe seinen Eindrücken.

Der Geruch war hier drin kaum auszuhalten und er sah auf eine Wand, in denen, in Regalen, unzählige Gläser unterschiedlicher Größe standen, die alle Körperteile und menschliche Organe enthielten, die in einer sonderbaren Flüssigkeit schwammen. Fasziniert und ein wenig angewidert sah Herr Mumpe sich um. Sein Blick blieb am einem Glas mit einem eigenartigen Gebilde hängen. „Sagen sie…, was ist denn das hier?“ „Ein Süd tibetanischer Schlürfbüffelpenis“, sagte der alte Mann, ohne groß aufzusehen. „Ein…, bitte…, nee oder…, ein Penis?! Und so was lassen sich die Leute auch…, ich meine…, jetzt echt…, so ran operieren?“ „Ja klar…“ sagte der Mann, als wäre es das natürlichste der Welt. „Aber sie wollen ja nur ´ne Leber. Die sind da drüben, neben de´ Nieren und unter die Bauchspeicheldrüsen. Aber nix anfassen!“ „Nein, nein, ich fasse schon nichts…, wer will denn auch schon so was anf…, ah ja hier sind also die Lebe…, sagen sie, das sind ja jetzt doch schon recht gepfefferte Preise. Haben sie da nicht vielleicht noch etwas billigeres. Vielleicht gebraucht?“

operation_chirurg„Na wat globen se denn, wat die da sind. Frisch von Baum jepflückt, oder wat? Darf ick fragen wofür se die Leber brauchen. Für sich selbst, oder als Geschenk?“ „Nein, nein, sie soll schon für mich sein. Ich habe da so einen neuartigen Virus, der meine Leber zerfrisst und wo kein Mensch weiß wo er her kommt. Mein Freund, der ist Arzt, der sagt, ich hätte vielleicht noch drei Wochen zu leben. Na ja…, und dann kommt da der Ärger mit der Krankenkasse dazu…, ich hab…, also…“, Herr Mumpe wurde sichtlich verlegen. „Ick verstehe, höhöhöhö…, nich zur Pflichtimpfung gegangen, wat?! Leistungsanspruch verloren…, so wat höre ick hier jeden Tach.“ Jetzt wurde es Herrn Mumpe noch peinlicher und er fügte recht kleinlaut hinzu: „Ja und dann auch noch der Job…, also ich hab jetzt wirklich nicht viel was mir zu Leben blei…“ „Jajaja…, so wat höre ick hier jeden Tach. Also ich mach sie ´n Anjebot, junger Mann. Ick würd´die Leber mit se tauschen.“

„Tauschen?“ Herr Mumpes Gesicht wurde etwas hoffnungsvoller. „Aber ich wüßte jetzt nicht was ich ihnen dafür…, also ich könnte vielleicht…“ „Mir ´n Auge, oder ´n Arm überlassen. Im Tausch jejen eene jereinigte und durchjeprüfte Leber“, sagte der Mann und zeigte weiterhin keinerlei Regung in seinem zerfurchten Gesicht. „Ein Auge, oder einen Arm?!“ Herr Mumpe wurde bleich. „Aber ich meine, das ist ja…“ Jetzt grinste der alte Mann ein wenig. „Ihr einzige Überlebenschance, würde ick sagen.“

Herr Mumpe überlegte angestrengt, wägte alle Möglichkeiten ab, die ihm noch blieben und sagte dann schließlich: „Also…, wissen sie, ich habe ja noch drei Wochen. Ich überschlafe das ganze vielleicht noch einmal.“ „Tut mir leid, mein Herr. Aber sie haben die Ware schon berührt.“ „Nein das habe ich nicht. Ich hab´ vielleicht mal kurz…“ „Tut mir leid“, unterbrach ihn der alte Mann jetzt ziemlich barsch. „Dit Berühren der Ware verpflichtet zum Kauf. Sie können aber auch eine Ersatzleistung leisten.“ „Eine Ersatzleistung?“ Herr Mumpe wurde jetzt langsam, aber sicher böse. „Ich werde Ihnen jetzt mal was sagen, guter Mann. Ich habe hier nichts getan, was sie dazu berechtigen würde mir…“

Im hinteren Teil des Raumes ging eine Tür auf. Zwei gefährlich aussehende Gestalten in schmutzigen weißen Kitteln kamen in den Raum und bewegten sich, auf ein Kopfnicken des alten Mannes hin, auf Herrn Mumpe zu. „Dit hätten se sich nu´mal ´n Bissken früher überlejen müssen, Jüngelchen“, sagte der Mann jetzt wieder in ruhigem Ton, während die beiden Männer in den schmutzigen Kitteln Herrn Mumpe unter den Achseln ergriffen und durch die Tür im hinteren Teil des Raumes davon trugen.

„Das die sich immer zieren müssen, wie ´ne Zicke im Milcheimer…“, murmelte der alte Mann in seinen Bart und schloss die Tür im hinteren Teil des Raumes. Man konnte gerade noch leise Herrn Mumpes Schreie hören, als der alte Mann zur Eingangstür schlurfte und sie einen Spalt öffnete.

„Wat kann ick für se tun, mein Herr…?“

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