Freitag , 20 September 2019
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Nabelschnurblut und dessen mögliches Potenzial als Heilunterstützung

baby_nabelschnurSie sieht weißlich mit blauen Aderungen aus und sorgt dafür, dass ein neues Menschleben von Beginn an mit allen wichtigen Nährstoffen im Mutterleib versorgt werden kann. Ohne die Nabelschnur wäre das nicht möglich, allerdings birgt gerade diese „Schnur zum Leben“ auch nach der Geburt ein gewisses Potenzial, das Kindern und Erwachsenen in Heilprozessen eine wertvolle Unterstützung bieten kann. Nabelschnurblut ist inzwischen auch in der Wissenschaft und Medizin intensiv erforschtes Elixier, das bereits nach einer Transplantation erste Erfolge in der Heilung oder Verbesserung eines Gesundheitszustandes ermöglicht und in Nabelschnurblutbänken seine Einlagerung bis zum Tag X finden kann.

Es schmerzt ein Neugeborenes nicht, wenn direkt nach der Geburt aus der Nabelschnur das Blut entnommen wird. Blut, das neonatale Stammzellen enthält, die zwar grundsätzlich denen der erwachsenen Stammzellen ähnlich sind, jedoch besondere Vorteile in sich bergen. So sind sie wesentlich vitaler und weisen eine höhere Differenzierungsfähigkeit auf und sind zudem noch von Medikamenten, Viren oder Umweltgiften weitestgehend unbelastet. Ein besonderes Augenmerk legen die Mediziner und Wissenschaftler hierbei auf das sogenannte allogene und autologene Nabelschnurblut, was bedeutet, dass es körpereigenes transplantationsfähiges Material ist, welches unter Umständen irgendwann einmal dem eigenen Körper wieder zugeführt werden kann. Erfolge wurden, bereits verzeichnet, so beispielsweise in der Therapie von Kindern mit Typ-1-Diabetes oder auch Hirnschädigungen und das sowohl hier in Deutschland als auch im Ausland. Keine gänzliche Heilung, nein, das nicht, allerdings zum Teil deutliche Verbesserungen des Gesundheitszustandes der jeweiligen jungen und mitunter auch etwas älteren Patienten.

Besieht man sich die Entwicklungen der Medizin und Forschung im Bezug auf das Nabelschnurblut, müsste man nun davon ausgehen, dass es für jedes Elternteil Sinn macht nach der Geburt das Nabelschnurblut entnehmen und einfrieren zu lassen. Dieses gewonnene und konservierte Blut aus der Nabelschnur wird wiederum in einer der sechs privaten oder sieben staatlichen Nabelschnurbänken in Deutschland aufbewahrt, um im Fall der Fälle dem erkrankten Kind wieder zurücktransplantiert werden zu können. Stellt sich die Frage, weshalb es diese Möglichkeit nicht generell gibt und Eltern sich für oder gegen die Entnahme und Konservierung entscheiden müssen oder sollen. Ein ausschlaggebender Punkt ist hierbei gewiss die Summe, welche für die Aufbewahrung des Nabelschnurblutes zu entrichten ist. Die liegt im Schnitt zwischen 1300 und 3300 € und umfasst eine Aufbewahrung von 20-99 Jahre des entnommenen und mittels Stickstoff konservierten Nabelschnurblutes. Eigentlich nicht wirklich viel an Geld für solch einen langen Zeitraum, allerdings gibt es gleich zwei Aspekte, die hier ein dickes „Aber“ auf den Plan vieler Kritiker rufen.

Zum einen ist es tatsächlich die Geldfrage an sich, denn sicher ist, dass die meisten Eltern nicht einfach die erforderliche Summe auf den Tisch der zuständigen Nabelschnurbank legen können, was wiederum im Umkehrschluss bedeutet, dass eine spätere mögliche Eigentransplantation eher den Privilegierteren ermöglicht wird. Außerdem schätzen viele Experten die Wahrscheinlichkeit als relativ gering ein, dass ein Kind im Verlauf seines Lebens eine derart schwere Erkrankung erleidet, die den Einsatz des eigenen einst entnommenen Nabelschnurblutes sinnvoll werden lässt. Wobei man erwähnen muss, dass auch das eigene Nabelschnurblut nicht zwingend notwendig ein allumfassendes Heilmittel sein kann. Fairerweise muss man an dieser Stelle ebenfalls betonen, dass es auch Unternehmen in diesem Sektor gibt, die bereits seit den 90er Jahren Nabelschnurblut in Blutbanken sammeln, aufbereiten und aufbewahren.

Für die Eltern entstehen keine Kosten, jedoch gehören diese gewonnenen neonatalen Stammzellen nicht alleine dem Kind, sondern werden in einer anonymisierten Form anderweitigen Empfängern zur Verfügung gestellt. Wie dem auch sei, gewiss kann es Sinn machen das Nabelschnurblut zu gewinnen und aufzubewahren für Zeiten in denen das Kind es dann doch einmal selbst im Rahmen einer Transplantation und im Heilungsprozess benötigt. Allerdings gilt wie bei allem im Leben, dass man sich gerade als Eltern noch während der Schwangerschaft über dieses Thema eingehend informieren und beraten lassen sollte, um für sich selbst zum Zeitpunkt der Geburt eine gefestigte Entscheidung einer Entnahme, oder auch nicht, treffen zu können.

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