Dienstag , 21 Mai 2024
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Künstlich gelenkt: Das Geschäft mit Prothesen boomt

knieprothese_roentgenbild„Meine Zipperlein zeigen mir, dass ich noch lebe“ pflegte mein Großvater augenzwinkernd zu sagen. Jüngere Generationen träumen da schon eher von „der  Menschen ureigenen Ersatzteillager“. Die Stammzellenforschung hat uns dieser Vision bereits ein Stück näher gebracht: Ist es doch bereits möglich, Gelenkknorpel aus körpereigenen Zellen zu erneuern, sofern der Verschleiß nicht zu weit fortgeschritten ist. Patienten, die auf Lebendorganverpflanzung angewiesen sind, haben jedoch immer noch einen jahrelangen Warte- und Leidensweg vor sich, bis überhaupt ein geeigneter Spender gefunden wird. Wer davor bislang verschont wurde, möge seinem Schicksal auf Knien danken. Sofern er sich noch bücken kann.

Gelingt dies nicht mehr, lindert ein künstliches Scharnier die Qualen – scheinbar mühelos, sozusagen im Vorübergehen. Wie sonst kann es sein, dass im Jahre 2009 über 200.000 künstliche Hüftgelenke und 175.000 Knieprothesen eingesetzt wurden? Laut der Barmer Ersatzkasse eine Steigerung um 52% gegenüber 2003 allein bei den Kniegelenken. Die Ernüchterung folgt, wenn man den neuesten Krankenhausreport der BEK genauer studiert: 30.000 Hüft- und 23.000 Knie-OPs mussten zur Mängelkorrektur wiederholt werden: Eine Steigerung von 41 bzw. 117 % gegenüber dem Vergleichsjahr 2003. Mit der zunehmenden Degeneration der Menschheit sind diese Zahlen nicht zu erklären: In vielen vergleichbaren Ländern werden deutlich weniger Prothesen eingesetzt, es sind wesentlich weniger Korrektur – OPs notwendig.

Deutschlands Krankenkassen befürchten, dass hier das „schnelle Geld“ eine Rolle spielt: Für den Einbau einer Knieprothese kassieren die Krankenhäuser durchschnittlich 7300 €; ein eingespieltes Team benötigt nicht mehr als eine Stunde dazu. Eingespielt, wohl gemerkt, denn das  Einpassen verlangt absolute Präzision.

Ein Austausch der Gelenke wird in der Regel dann nötig, wenn Knochen und Knorpel auf Grund von Verschleiß (Arthrose, Unfälle, angeborene Anomalien) irreparabel geschädigt sind. Die Anpassung einer Prothese geht also meist mit der Korrektur der Fehlstellung einher. Schadhafte Gelenkflächen werden abgetragen und mit einem Metallersatz überkront. Auch der Übergang zum Unterschenkel wird auf diese Weise überkront. Eine Kunststoffscheibe zwischen den Teilen dient als Puffer bzw. Schiene. Die Kronen müssen so unterfüttert und angepasst werden, dass die Beinachse gerade durch das Gelenk verläuft, um eine gleichmäßige Belastung des Konstrukts zu gewährleisten. Nur so lässt sich eine O-bzw. X-Beinstellung und somit eine einseitige Überbeanspruchung der Prothese verhindern.

Beste Ergebnisse erzielen Ärzte mit dem Einsatz moderner Computernavigation, wie in einem PLANETOPIA – Beitrag zu sehen war: An den Schenkelknochen werden Marker fixiert. Eine Infrarotkamera liest mit Hilfe dieser Reflektoren die Positionsdaten ab, aus denen  der Computer die Beinachse und die erforderlichen Knochenschnitte errechnet. Erst wenn die Einzelteile der Prothese, ebenfalls per Computer, auf ideale Passgenauigkeit überprüft wurden, werden sie zusammengefügt und einzementiert.

PLANETOPIA berichtet weiter, dass viele Krankenhäuser aus Kostengründen auf den Einsatz der Computertechnik verzichten. Darüber hinaus ist fraglich, ob die erforderliche Routine für solche Operationen mit einer von den Krankenkassen verlangten Mindestoperationszahl von 50 pro Jahr gewährleistet sein kann. Aber schon die geringste Abweichung von der Ideallinie kann  die auf 15 bis 20 Jahre angesetzte Lebensdauer einer Prothese erheblich verkürzen.
Sollten sie also mit dem Einbau eines künstlichen Gelenks liebäugeln, so achten Sie nicht nur auf die Auswahl der Materialien hinsichtlich Funktionalität und Abriebfestigkeit. Auch hier gilt: Die Qualität der Werkstatt macht’s.

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