Sonntag , 23 Juni 2024
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Syphilis: Mit einem Medizinskandal zum großen Wissen

syphilis studie untersuchungEs gibt sie, die geheimen Geiseln der Menschheit. Während einst die Pest oder die schwarzen Pocken eine regelrechte Ausrottung fanden, zeigt sich, dass manche Krankheiten eine zähe und tödliche Überlebensdauer ihr Eigen nennen. Zu solch einer „Geisel“ gehört die Syphilis, die zwar heutzutage recht gut zu behandeln ist, jedoch, widererwarten, inzwischen vermehrt diagnostiziert wird. Ein Streifzug durch eine durchaus tödlich verlaufende Erkrankung, und einen der größten Medizinskandale der Menschheitsgeschichte, der die heutige Heilung erst möglich gemacht hat. 

Syphilis, eine aus dem Bakterium Treponema pallidum entstehende  Krankheit, wird überwiegend durch sexuelle Kontakte übertragen. Doch wissen die wenigsten Menschen woher die heutigen Mediziner ihre Kenntnisse über den konkreten Verlauf dieser Krankheit haben. Dieses Wissen stützt sich auf einen Medizinskandal, der im Jahre 1932 seinen Beginn fand und erst im Jahr 1972 aufgedeckt wurde. Heute ist dieser Skandal als Tuskegee-Studie bekannt und offenbart bei einer näheren Betrachtung, wie weit Wissenschaftler und Ärzte gehen, wenn sie ein bestimmtes Ziel verfolgen.

1932 wurden 400 infizierte Schwarze bewusst nicht gegen die Syphilis behandelt, um herausfinden zu können, wie die einzelnen Stadien der Krankheit verlaufen und mit welchen Symptomen und Abläufen der Tod herbeigeführt wird. Syphilis selbst ist eine Erkrankung, die schon 1530 erstmals in einem Gedicht des, aus Verona stammenden, Arztes Girolamo Fracastoro (1483-1553) eine Erwähnung fand. Geschichtlich sind inzwischen über einhundert verschiedene Namen für die Syphilis bekannt, deren Ursprungstitulierung vermutlich aus der antiken Mythologie übernommen wurde. Wie dem auch sei, diese Krankheit wird nachwievor mit einer sexuellen Übertragung in einen engen Zusammenhang gebracht, weshalb bis heute diese Erkrankung überwiegend als Geschlechtskrankheit aufgeführt wird.

Bei der damaligen Studie Tuskegee im US-Bundesstaat Alabama, wurden die in den meisten Fällen verarmten und mit einem Analphabetismus belasteten schwarzen Menschen, gezielt nicht gegen die Syphilis behandelt. Der Grund: Wissenschaftler wollten den genauen Verlauf dieser Krankheit herausfinden. Obwohl bereits zur damaligen Zeit Penicillin als wirksames Mittel der Behandlung zur Verfügung stand, wurde den Erkrankten bewusst ein Placebo gegen ihre „Bluterkrankung“ verabreicht. Ziel der Ärzte war es hierbei die Spätfolgen von Syphilis zu erforschen, die in ihrem vierten, und mithin letzten Stadium, zu Schmerzanfällen, Wahnvorstellungen und Lähmungen führt. Die damals infizierten Männer wurden nicht darüber informiert, dass sie eine hochansteckende und tödlich verlaufende Krankheit hatten, was dazu führte, dass diese kranken Menschen ohne jegliches Wissen den Erreger an ihre Frauen weitergaben. Diese wiederum gebaren bereits infizierte Säuglinge, die schlussendlich unter der sogenannten Syphilis connata litten.

Syphilis an sich kennt viele unterschiedliche Erscheinungsbilder. So können die Lymphknoten geschwollen sein und schmerzlose Schleimhautgeschwüre entstehen. Viele der Infizierten müssen einen chronischen Verlauf der Krankheit erleben, der sowohl die Haut als auch die Organe in die allmähliche Zerstörung mit einbezieht. In der letzten der vier Verlaufsphasen von Syphilis, bezeichnet mit Neurolues oder Lues IV, wird das vegetative Nervensystem gänzlich zerstört. Hinzu kommen oftmals Hirnhautentzündungen, der Verlust der Kontrolle über Blase und Darm, Demenz, Gelenk-, Knochen- und Kreislaufschädigungen, Erblindungen sowie sehr starke Schmerzen und Wahrnehmungsstörungen. Symptome, die erst durch die einstige geheim gehaltene Tuskegee-Studie in all ihren Ausmaßen zur Dokumentation gebracht werden konnten. Erst 1972, nachdem Informationen über diesen Medizinskandal an die Öffentlichkeit gelangten, flog das Ausmaß auf, was zur Beendigung der Studie führte.

Heute weiß man recht viel über Syphilis und deren Entstehung, Verlauf und Therapiemöglichkeiten, die bisher besonders auf eine Behandlung mit Penicillin gestützt werden, da auch heute nach über sechzig Jahren der Erreger Treponema pallidum weitestgehend keine Resistenzen gegen das Medikament aufweist. Obwohl viel Aufklärungsarbeit bezüglich dieser Krankheit, die zumeist durch sexuelle Kontakte, jedoch auch durch den Gebrauch von infizierten Gegenständen übertragen wird, durchgeführt wird,  kann die WHO jährlich rund 12 Millionen Neuinfizierungen registrieren. Während viele Jahre lang Neuerkrankungen mit Syphilis eine Stagnation oder gar einen Rückgang fanden, zeigt sich seit den 90er Jahren eine erneute Zunahme der Krankheitszahlen, die nicht zuletzt auf die Globalisierung zurückzuführen ist.

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