Donnerstag , 13 August 2020
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WC – Lektüre, nicht nur für die Latrinenwand

zu_den_abortenDer viel zitierte Griff ins Klo kann überaus reizvoll sein, wenn man in die Geschichte des „Stillen Örtchens“ eintauchen möchte: Sieben nebeneinander angeordnete, in Stein gemeißelte Löcher im Nordpalast von Esnunna (Mesopotamien) lassen Archäologen vermuten, dass es bereits 2400 v. Chr. eine Art Toilette gab. Der erste Einsatz eines WCs wird König Minos zugeschrieben: Um 1700 v.Chr. schwemmte er seine Hinterlassenschaften mit Wasserkraft aus seinem Palast hinaus ins ionische Meer. Doch erst den Römern wird der hohe Hygienestandard schlechthin nachgesagt: In den öffentlichen Thermen huldigte man nicht nur der Körperpflege, auch das Geschäft wurde – gar nicht still – in fröhlicher Runde auf dem, aus feinem Marmor, errichteten Reihenklosett erledigt.

Dass dabei auch die Latrinenwände im Übermut mit Sprüchen verziert wurden, dürfte nicht nur Schülerherzen höher schlagen lassen. In Pompeji findet man folgendes an die Häuserwände geschrieben: „Cacator cave malum! Aut si contempseris, habeas Jovem iratum!“ – „Hüte Dich, auf die Straße zu kacken! Sonst wird Dich Jupiters Zorn treffen!“ So wurden die Fäkalien durch ein ausgeklügeltes Abwassersystem, der „Cloaca Maxima“, in den Tiber geleitet, und dieses gleich unter den Augen zweier Göttinnen: Cloacina wachte über die Abwasserkanäle, und keine geringere als Glücksgöttin Fortuna war auch für den Latrinenschutz zuständig.

Mit dem Untergang des römischen Reiches wurde auch das Hygienebewusstsein fortgespült. Über 1000 Jahre lang gab man dem natürlichen Drang sozusagen an Ort und Stelle nach. Wer einen Nachttopf besaß, entleerte diesen einfach aus dem Fenster. Gehobenere Kreise verfügten schon über sogenannte „Leibstühle“, die durchaus in Gesellschaft benutzt wurden. Oder über den Abtritterker am Gebäude, sozusagen den Donnerbalken in luftiger Höhe. Für die Reise stand die Klotruhe zur Verfügung, einer Schatztruhe ähnlich. Wegelagerer sollen deswegen schon anrüchige Überraschungen erlebt haben.

Entsorgt wurden die Hinterlassenschaften hinterm Haus oder an der nächsten Ecke, wo man sich eben gerade befand. Es stank nicht nur wie Pest und Cholera, sie fanden auch ihren Ursprung darin.

Vielleicht war es die Geruchsbelästigung, die John Harrington 1589 dazu brachte, das Water Closet neu zu erfinden. Das Patent auf diesen Begriff meldete jedoch der Uhrmacher Alexander Cummings am 3. Mai 1775 an: Er baute den auf dem Prinzip der kommunizierenden Röhren basierenden Siphon, der die durch Exkremente entstehende Geruchsbelästigung quasi im Keim erstickte. Für die breite Bevölkerung kam diese Errungenschaft aber erst Mitte des 19.Jahrhunderts zum Tragen, als der Aufbau einer zentralen Wasserver- und Entsorgung durch unterirdische Kanalisationen vorangetrieben wurde.

Das erste WC in Deutschland haben wir Queen Victoria zu verdanken: 1860 ließ sie eines auf Schloss Ehrenburg bei Coburg einbauen. Der Normalbürger musste im Schnitt noch weitere 100 Jahre auf dem Etagenörtchen oder, noch häufiger, im Häuschen über den Hof ausharren, bis im Zuge des Wiederaufbaus nach dem 2. Weltkrieg die Toilette in der Privatwohnung Einzug hielt.

Wer sich intensiver mit der Geschichte rund um die Toilettenschüssel beschäftigen möchte, sei zu einem virtuellen Rundgang im Sulabh International Museum of Toilets in Neu- Dehli eingeladen. Und sollten Sie der Meinung sein, dieser Artikel sei doch eher für die Katz, pflichte ich Ihnen bei: Ein findiger Eidgenosse hat Ende September das weltweit erste Katzenklo mit Wasserspülung auf den Markt gebracht, das ganz ohne Katzenstreu auskommen soll. Wer weiß, vielleicht schreibt Helge Schneider seinen Song ja um – rechtzeitig zum Welttoilettentag am 19. November 2010.

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