Mittwoch , 20 März 2019
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Übersättigte Märkte: Ein Problem, das viele von uns betrifft

supermarktWir leben in einer Welt des Konsums. Doch, um diesem nachkommen zu können, bedarf es der notwendigen Mittel. Um diese, also Geld, zu erlangen, ist es wiederum notwendig, ein Produkt, eine Leistung genaugenommen, zu veräußern. Dabei macht es relativ wenig Unterschied, ob die Leistung durch das Herstellen einer bestimmten Ware, durch den Handel damit, durch das Erbringen einer Dienstleistung oder einfach durch den Verkauf seiner Arbeitskraft als Angestellter erbracht wird. Und hier stoßen die Meisten von uns auf ein nicht unbedeutendes Problem: Alles ist im Überfluss vorhanden, Arbeitnehmer eingeschlossen.

Auch wenn es in bestimmten Fällen staatliche Preisregelungen gibt, ebenso wie für Arbeitnehmer Mindestlöhne vorgeschrieben sind, so regelt sich der jeweilige Preis für ein Produkt oder eine Leistung doch in erster Linie durch das Prinzip von Angebot und Nachfrage. Finden wir uns mit einem Überangebot konfrontiert, so wirkt sich dies meistens günstig auf die Preise aus. Dass größere Volumen letztendlich zu günstigeren Konditionen führen, bringt wiederum mit sich, dass einzelne Unternehmen überdimensional anwachsen, während Klein- und Mittelbetriebe der Dominanz des Großkapitals weichen müssen.

Von schmerzhaften Unterbrechungen durch Kriegs- und Krisenzeiten abgesehen, führte dieser ständig steigende Druck auf den Mittelstand letztendlich dazu, dass mittlerweile die überwiegende Mehrheit der Bürger westlicher Länder zu den unselbständig Erwerbstätigen zählt. Dazu kommen nun einige Faktoren, wie der technische Fortschritt, Rationalisierungen oder auch der Import von Waren aus Ländern mit extrem niedrigem Preisniveau, wodurch der Bedarf an Arbeitskräften seit langem eine abnehmende Tendenz zeigt.

Während der moderne Lebensstil, der nach zwei Erwerbstätigen in einer Familie verlangt, dem Trend des Überangebotes an Arbeitskräften – sprich: Arbeitslosigkeit – entgegen kommt, braucht Einwanderung grundsätzlich nicht als diesbezüglich negativer Faktor bewertet werden, denn bei jedem neuen Einwohner handelt es sich gleichzeitig auch um einen neuen Konsumenten.

Dass hohe Arbeitslosigkeit Löhne im allgemeinen niedrig hält, bedarf sicher keiner näheren Erläuterung. Nehmen wir aber kurz ein Beispiel zur Hand, wie sich diese Situation auf den Einzelnen auswirkt könnte:

Gehen wir von einem Menschen aus, der sich grundsätzlich in einer finanziell gesunden Situation befindet. Eine ordentliche Ausbildung, einige Jahre Berufserfahrung, etwas Geld auf der hohen Kante. Eines Tages fusioniert das Unternehmen, für das er seit langem tätig ist, und sein Arbeitsplatz wird wegrationalisiert. Er begibt sich auf Arbeitssuche.

jobsucheZwar verfügt er einige Monate lang über Einnahmen durch Arbeitslosengeld, doch wird er regelmäßig mit der ernüchternden Erfahrung konfrontiert, dass nur selten Stellen ausgeschrieben werden, die seinen gesammelten Erfahrungen und Fähigkeiten entsprechen. Für jeden dieser Arbeitsplätze interessieren sich Dutzende, wenn nicht Hunderte anderer, die über ähnliche Qualifikationen verfügen. Unter denen einfach der Beste zu sein, ist eine Anforderung, die nicht wirklich leicht zu erfüllen ist.

Langsam beginnt er sich damit abzufinden, nach einer weniger interessanten Stellung Ausschau zu halten. Doch, wie es hohe Arbeitslosenzahlen einfach mit sich bringen, Erfolg stellt sich genau so wenig ein. Entweder wird er von Haus aus als überqualifiziert abgelehnt oder es wird Mitbewerbern, die in gerader diesem Bereich bereits über entsprechende Erfahrungen verfügen, der Vorzug gegeben.

Der Ausspruch: „Wer wirklich arbeiten will, der findet auch einen Job“, mag zwar seine Richtigkeit haben, doch nur unter der Voraussetzung, dass keine Kriterien, das Einkommen oder die Arbeitsbedingungen betreffend, vorausgesetzt werden.

Wer es nicht selbst schon einmal erlebt hat, der sollte sich dazu einmal überlegen, wie sich ein Mensch fühlt, der gerne produktiv wäre, der auch über die entsprechenden Fähigkeiten verfügt, sich jedoch ständig mit Ablehnungen konfrontiert findet. Versuche ich, bunte Glaskugeln zu verkaufen und keiner will sie, dann gebe ich eines Tages auf. Suche ich nach einem Job und keiner will mich…

Findet sich keine Arbeit als Angestellter, warum nicht selbstständig oder freiberuflich aktiv werden? Es leben Hunderttausende oder sogar Millionen von Menschen in der Stadt. Da müsste sich doch etwas finden, womit sich Geld verdienen lässt. Gehen wir sogar von einem gewissen Budget für einfache Investitionen aus, 10.000 oder 20.000 Euro. Woran fehlt es den Menschen? Was ließe sich verkaufen? Welche Dienstleistung könnte man anbieten?

Ja, das ist eine gute Frage mit der man sich monatelang beschäftigen kann, ohne die richtige Antwort zu finden. Eine Menge eingeführter Geschäfte ist nicht nur vorhanden, viele davon kämpfen sogar ums überleben. In jeder Straße gibt es genügend Kneipen, die selten so voll sind, dass man annehmen könnte, eine neue muss her.

Warum denn nicht einfach Kuchen backen und den Nachbarn verkaufen? Nun, das wäre, in der privaten Küche operierend, ebenso illegal wie an der nächsten Straßenecke gepressten Fruchtsaft oder Imbisse zu verkaufen. Einen bestehenden Laden übernehmen? Da reichen 20.000 Euro sicher nicht aus.

Ohne die möglichen Szenarien unnötig in die Länge zu ziehen, ohne auf Lösungen, die sich in Einzelfällen ja erwiesenermaßen auch immer wieder finden lassen, näher einzugehen, das Leben in unserer modernen Gesellschaft hat letztendlich dazu geführt, dass der Einzelne einfach nicht mehr gebraucht wird. An Geld, ja, daran besteht immer Bedarf, aber nicht an erbringbarer Leistung. Und dabei macht es wirklich kaum Unterschied, ob, wie anfangs erwähnt, Produkte, Dienstleistungen oder Arbeitskraft angeboten werden.

Man kann natürlich akzeptieren, dass dies nun einmal die Spielregeln des Kapitalismus sind. Wenn dem so ist, dann haben wir uns ein System geschaffen, in dem die meisten von uns zu den Verlieren zählen. Soll das der Sinn der Demokratie sein?

Genauso wenig wie es sich beim Kommunismus um eine akzeptable Alternative handeln könnte, ist es auch nicht möglich, in einem Artikel wie diesem ein besser funktionierendes Wirtschaftssystem zu präsentieren. Was sich aber jederzeit lohnt, ist, über dieses Grundsatzproblem einmal nachzudenken, eine Offenheit für Veränderungen zu finden. Die möglichen Lösungen liegen nämlich gar nicht so weit entfernt, würden, der Ungewohnheit wegen, aber oft auf Ablehnung stoßen. Schon an anderer Stelle habe ich einmal erwähnt, dass in Supermärkten oder Kaufhäusern schließlich mehr Service geboten werden könnte, dass an Tankstellen wieder Angestellte die Arbeit übernehmen könnten, dass es für viele Frauen, wenn es finanzierbar wäre, vielleicht doch angenehmer sein sollte, ihre Kinder selbst zu betreuen, anstatt in einer Fabrik zu schaffen. Nein, ich will keiner Frau verwehren, ihrer beruflichen Karriere nachzugehen. Doch wie viele Berufe oder Arbeiten gibt es, die mit Karriere überhaupt nichts zu tun haben? Die einfach durchgeführt werden, um das bisschen Geld zu verdienen, das zum Überleben notwendig ist. Und wo sonst soll das Geld herkommen? Vielleicht daher, dass der Mann besser verdient, weil es kein Überangebot an Arbeitskräften mehr gibt und sich Leistung auch wieder lohnt. Und wenn es eine modern denkende Familie so will, dann kann das eine Einkommen, das zum Erhalt der Familie reichen sollte, natürlich auch von der Frau ins Haus gebracht werden.

Warum wird die Idee eines breiten Kleinunternehmertums durch behördlichen Schikanen und hohen Investitionen unterbunden? Zum Schutz der bestehenden Betriebe? Zum Schutz des Konsumenten? Sollte es nicht in erster Linie darum gehen, die Mehrzahl der Bürger zu schützen, die, und dessen bin ich mir vor allem in Deutschland sicher, mit Freuden ihre Leistung erbringen möchten, wenn ihnen nur die Möglichkeit dazu gegeben wird. Muss es denn wirklich in erster Linie darum gehen, Steuern und Gebühren einzuheben? In vielen Ländern dieser Welt, die wir oft überheblich als die „Dritte“ bezeichnen, strassenverkaeuferwerden Kleinunternehmer, Familienbetriebe, die des Überlebens wegen arbeiten, die ihre Kinder zu versorgen haben, überhaupt nicht besteuert. Wäre das nicht der erste faire Schritt im Konkurrenzkampf gegen große Konzerne?

Vielleicht wäre es auch für den Einzelnen an der Zeit, umzudenken. Vielleicht sollte der Konsument die Entscheidung treffen, seine Produkte doch eher von seinen Mitmenschen, seinen Nachbarn, von Kleinunternehmern zu kaufen, anstatt die Giganten noch weiter wachsen zu lassen.

So wie die Familie einst als die Keimzelle des Staates bezeichnet wurde, und trotzdem lässt man sie immer öfter zerbrechen, so sah man den Mittelstand einst als das Rückgrat der Gesellschaft. Und zum Mittelstand zählen in erster Linie Mittel- und Kleinbetriebe, Unternehmen im Besitz von Familien, die das verdiente Geld auch wieder der Wirtschaft zurückgeben, die in der Nachbarschaft einkaufen, anstatt sie aufzukaufen.

Staatliche Unterstützungen an jene zu zahlen, die den Weg in die Erwerbstätigkeit nicht mehr schaffen, und ihnen dann noch vorzuwerfen, dass sie auf Kosten anderer leben, während gleichzeitig viele dieser Anderen, die noch nicht dort angelangt sind, in Angst vor dem Abstieg leben, ist nicht die Lösung, um eine Gesellschaft gesund zu erhalten,. Auf diesem Weg, auf dem wir uns befinden, hat sich während der vergangenen zwei oder drei Jahrzehnte wirtschaftlich nichts verbessert. Im Gegenteil. Die Situation des Einzelnen hat sich, wenn man einen Gedankensprung in die nicht so weit zurückliegende Vergangenheit wagt, deutlich verschlechtert. Es wäre also an der Zeit, die Mechanismen umzustellen, das System zu verändern, anstatt hier und dort etwas herum zu feilen, ohne dabei die grundsätzlichen Probleme auch nur annähernd in den Griff zu bekommen.

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Ein Kommentar

  1. >>Warum denn nicht einfach Kuchen backen und den Nachbarn verkaufen?<<
    Also das mit dem Kuchen sehe ich ja noch ein, aber an wen bitte soll ich meinen Nachbarn verkaufen? Und ist Menschenhandel nicht schon seit langem verboten?

    Spass beiseite, es ist doch offensichtlich, was in Deutschland passiert.
    Die Menschen werden muerbe gemacht, so lange, bis sie irgendwann vollkommen aufgeben.
    Wer Hilfe=Stuetze bekommt, wagt es nicht aufzumucken, wehrt sich nicht, weil sonst Kuerzungen drohen.

    Man kann einen Feind bekaempfen, wenn z.B. Oel vorhanden ist und kein
    Freundschaftsabkommen besteht oder ein boeser, boeser Dikatator an der
    Macht ist.
    Da muss man dann unbedingt und sofort den Frieden und die Demokratie ins Land bringen.
    Gibt es keinen Grund fuer einen Krieg, dann schwaecht man den Feind eben wirtschaftlich, bis er am Boden liegt.

    Auch wenn ich es normaler Weise vermeide, doch hier draengt sich der Verdacht schon extrem auf.
    Die NWO laesst gruessen.

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