Sonntag , 19 Mai 2019
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Weltwirtschaftsforum Davos: Gibt es wirklich nichts Neues?

world economic forum logoOhne Zweifel handelt es sich beim derzeit in Davos stattfindenden Gipfel um die bedeutendste Zusammenkunft von Wirtschaft und Politik des Jahres. Könnte es in Anbetracht der fortschreitenden Krise Wichtigeres zu berichten geben? Allerdings, bei den Punkten, die in den einzelnen Vorträgen angeschnitten werden, handelt es sich gewiss um keine Offenbarungen. Sollte der Austausch von Informationen tatsächlich nicht weiter reichen, wäre es eigentlich schade um die Reisespesen der Teilnehmer.

Rund 2.600 Wirtschaftsbosse, Politiker und Repräsentanten der Medien fanden sich am Mittwoch zum 42. Weltwirtschaftsforum in Davos ein. Es gibt wohl kein anderes Treffen weltweit, bei dem so viel Prominenz geladen ist. Nachdem es sich bei einem großen Teil der Anwesenden um Persönlichkeiten handelt, die über unser aller Schicksal entscheiden, sollte eigentlich mit mehr Medienpräsenz zu rechnen sein. Doch, wie schon in den Jahren davor, die Berichterstattung hält sich in Grenzen.

Allerdings, die Themen, die Behandlung finden, wecken auch mit Sicherheit kein sonderliches Interesse.

Eine weitere Erhöhung des Euro-Rettungsschirms scheint unabwendbar zu sein. Gleichzeitig warnt Kanzlerin Angela Merkel vor einer Überlastung Deutschlands. Der englische Premier David Cameron bezeichnet den Vorschlag einer Finanztransaktions-Steuer, der von Merkel unterstützt wird, als „Wahnsinn“. Kanadas Stephan Harper kündigt an, dass in seinem Land das Pensionsalter schon während der kommenden Monate von 65 auf 67 angehoben werden soll. Und Bill Gates stellt wieder einmal seine „Großzügigkeit“ unter Beweis: 750 Millionen Dollar will er persönlich in die Forschung gegen Malaria, Aids und Tuberkulose investieren. Praktisch wird dieser Betrag von einem auf einen anderen Spendenfond verschoben, um die äußerst profitable pharmazeutische Industrie auch in Afrika in Schwung zu bringen.

Wo bleiben Erklärungen, wie sich durch neue Verschuldung alte Schulden reduzieren lassen? Vernehmen wir offen ausgesprochene Kritik aus Kreisen der Politik gegenüber der Vorherrschaft des Finanzsektors? Wird von irgend jemandem ein Vorschlag eingebracht, wodurch das praktisch bereits gescheiterte System der Fiat-Währungen ersetzt werden soll? Schließlich reichen weder Steuererhöhungen noch Einsparungen oder die Anhebung des Pensionsalters aus, die Zinslast noch lange weiter zu tragen. Was könnte geplant sein, den durch Spekulation in die Höhe getriebenen Rohölpreis wieder zu senken, um durch niedrigere Energiekosten die angeschlagene Wirtschaft wieder ein Gang zu bringen? Wagt es vielleicht sogar ein Politiker, die US-Führung bezüglich ihrer unverschämten Strategie der „Strafsanktionen“ gegen den souveränen Staat Iran zu maßregeln? Oder werden vielleicht, ohne Mikrophon und ohne Presse, bereits Informationen darüber ausgetauscht, für wann, in welcher Form und durch welchen konstruierten Anlass ein Militärschlag gegen den Iran erfolgen könnte?

Aufgrund kurzfristig unlösbarer internationaler Verkettungen und gegenseitiger Abhängigkeiten, lässt sich die derzeitige Wirtschafts- und Finanzkrise als die umfassendste aller Zeiten bezeichnen. Der Weltöffentlichkeit wird dies natürlich erst dann bewusst werden, wenn die nächste Phase des Zusammenbruchs einsetzt. In welcher Form dies geschehen wird? Möglichkeiten stehen viele offen. Von einem Währungskollaps über Bankenpleiten bis hin zu einem eskalierenden Kriegsszenario. Was immer sich während der kommenden Monate auf der Welt verändern wird, das einzige, was sich unbestreitbar vorhersagen lässt, ist, dass es nicht zu unserem Wohlergehen geschehen wird.

Die, der Öffentlichkeit vorenthaltenen, Gespräche, die zur Zeit in Davos geführt werden, könnten sich während der kommenden zwei Wochen in der Weltentwicklung ausdrücken. Es wird sich lohnen, die Börsen- ebenso wie Wechselkurse, den Goldpreis und selbstverständlich auch die Kriegshetze gegen den Iran im Auge zu behalten. In vielen Fällen lässt sich ein Mangel an Information schließlich durch logische Schlüsse ersetzen.

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