Sonntag , 19 Mai 2019
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Frühindikator kündigt Abkühlung der Weltwirtschaft an

Als ein wichtiger Frühindikator für die Entwicklung der Weltwirtschaft gilt der Baltic Dry Index (BDI).  Er spiegelt die Verschiffungskosten von Rohstoffen wider, misst also die Transportkosten für die Güter der ersten Stufe der Produktion. Der Höchststand wurde im Jahr 2008 erreicht, als der BDI auf 11.793 Punkte stieg. Von diesem Allzeit-Hoch sind die derzeitigen Stände weit entfernt, der BDI notiert heute bei 1.359 Punkten. Es deutet sich eine Abkühlung der Weltwirtschaft an, die mit einer Verzögerung von einigen Monaten auch für die BIP-Gläubigen spürbar sein wird.

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Am 1. April notierte der Index noch bei 1.520 Punkten, er gab innerhalb von knapp zwei Wochen um mehr als zehn Prozent nach. Durch sein ohnehin schon niedriges Niveau nehmen sich die zehn Prozent noch größer bzw. schwerwiegender aus.

Natürlich darf man den BDI in seiner Relevanz nicht überschätzen. Gerade weil er aber ausschließlich die Frachtkosten im Schiffsverkehr beleuchtet, ist er ein geeigneter Indikator, um die Entwicklung der Weltwirtschaft abzulesen, da über 90 Prozent des Welthandels via Schiff abgewickelt werden. Wenn sich dieser Indikator nun, wie im Moment sichtbar, im freien Fall nach unten befindet und eine Bodenbildung bislang nicht auszumachen ist, dann sollte dies zumindest Erwähnung finden.

Der Absturz des BDI bedeutet, dass die weltweite Nachfrage nach Rohstoffen zurückgeht, ergo wird weniger produziert. Während sich vor allem auf den Finanzplätzen eine Hausse abspielt, angetrieben durch billiges Geld, welches von den Notenbanken fast verschenkt wird, ist die Realwirtschaft noch lange nicht über den Berg und es ist fraglich, ob die nordamerikanische und europäische Wirtschaft diesen Berg überhaupt jemals erklimmen wird.

Steigende Inflationsraten, die ebenfalls durch die Politik des billigen Geldes angetrieben werden, können nur durch hohe Wachstumsraten der Volkswirtschaft kompensiert werden. Nun können beispielsweise die BRIC-Staaten ja durchaus hohe Wachstumsraten vorweisen, während man sich in der westlichen Welt, allen voran in Deutschland, über zwei bis drei Prozent Wachstum freut. Dass erst bei drei Prozent Wachstum von einem wirklichen Aufschwung geredet werden kann, ist beim Singen des Liedes „Die prosperierende Wirtschaft“ neuerdings von geringem Interesse.

Es ist allerdings darauf hinzuweisen, dass der Einbruch des BDI auch mit den höheren Ladungskapazitäten der Schiffe zusammenhängt. Gerade der Schiffsbau konnte in den Jahren vor der Wirtschaftskrise enorm zulegen, es wurden viele Schiffe gebaut, für die es nun kaum noch Verwendung gibt. Selbst wenn man diesen Fakt mit einbezieht, bleibt am Ende das Bild eines sich abschwächenden Welthandels. Die oben erwähnten BRIC-Staaten jedenfalls verhindern durch ihre hohen Wachstumsraten und den ungezügelten Hunger nach Rohstoffen einen noch größeren Einbruch des BDI.

Es bleibt das Bild bestehen, dass die Zentren der Weltwirtschaft künftig nicht mehr in Europa oder Nordamerika liegen, sondern in Asien und Südamerika. Auch vor diesem Hintergrund erscheint die Forderung einiger, dass Projekt Europäische Union zu stoppen, grotesk. Auf die Gefahr hin, mich hier unbeliebt zu machen, ist die Notwendigkeit, innerhalb Europas einen einheitlichen Wirtschaftsraum zu schaffen und zu bewahren, nicht von der Hand zu weisen, allen Demokratiedefiziten zum Trotz.

Der BDI jedenfalls kündigt eine weltwirtschaftliche Abkühlung an, völlig unabhängig davon, was uns Herr Brüderle (FDP) erzählt. Wie kalt es allerdings wirklich wird, kann nicht mit dem BDI gezeigt werden. Er kündigt nur an, dass sich die Großwetterlage verändert, der Aufschwung, der auf den tönernen Füßen der lockeren Geldpolitik stand, könnte demnächst abgewürgt werden und das Horrorszenario vieler Ökonomen, eine Double-Dip-Rezession, nimmt langsam Konturen an.

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