Sonntag , 26 Mai 2019
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Ein Auto für 1.700 Euro

tata_nanoZweifellos handelt es sich beim Auto um ein Statussymbol, was letztendlich eine Menge Leute dazu bewegt, einen nennenswerten Anteil ihres Einkommens in ein solches zu investieren. Andererseits, entscheiden wir uns für ein preisgünstiges Modell, so bekunden wir in erster Linie, dass der Zweck im Vordergrund steht. Wir brauchen ein Fortbewegungsmittel. Wenn wir uns schon mit bescheidenem Komfort abfinden, dann wäre es eigentlich auch begrüßenswert, einen entsprechend niedrigen Preis dafür zu entrichten. Während der vergangenen Jahrzehnte hat sich die Technik und vor allem die Sicherheit von Fahrzeugen deutlich verbessert. Allerdings, während sich andere Gebrauchsgegenstände, aufgrund von Massenproduktion und Herstellung in Billigländern, ausgesprochen günstig erwerben lassen, kostet ein Auto noch immer einen beträchtlichen Anteil eines Jahreseinkommens. Nicht so der Tata Nano aus Indien. Den gäbe es, zumindest theoretisch, schon für ein Monatsgehalt.

Der Tata Nano ist ein viersitziger Klein- oder Kleinstwagen, der vom indischen Autohersteller Tata Motors produziert wird. Anfang 2008 in Neu Delhi offiziell vorgestellt, soll die Serienproduktion bereits im Gange sein. Das Werk in Pantnagar, im nordindischen Staat Uttarakhand, verfügt vorläufig über die Kapazität, 50.000 Fahrzeuge pro Jahr herzustellen. Die relativ geringe Stückzahl hat zur Folge, dass vorerst nur Vorbestellungen befriedigt werden können. Und deren Zahl ist beachtlich. Kostet ein Tato Nano schließlich nicht mehr als 100.000 Rupien, was etwa 1.700 Euro entspricht.

Der, im Heck untergebrachte, winzige Zweizylindermotor mit einem Haubraum von  623 cm³ schafft es, das weniger als 700 kg schwere Fahrzeug auf rund 100 km/h zu beschleunigen. Obwohl die Gesamtlänge bloß 3,1 m beträgt, loben Testfahrer die angenehmen Ausmaße des Innenraums.

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Wie lange wird es dauern, bis dieses Fahrzeug auch in Europa erhältlich sein wird? Das hängt von mehreren Kriterien ab. Die erste Voraussetzung ist eine deutlich erhöhte Produktionskapazität. Als diesbezüglich angepeiltes Ziel wird von einer Millionen Stück pro Jahre gesprochen. Doch, obwohl die Sicherheits- und Abgasbestimmungen auch in Indien relativ gehobenen Voraussetzungen entsprechen, ist keineswegs zu erwarten, dass der Tato Nano in der bestehenden Form für den europäischen Verkehr zugelassen werden könnte. Somit wird eine europäische und vermutlich auch eine US-Version entstehen. Mit Airbag, ABS-Bremsen und einigen Komfortverbesserungen, wie Servolenkung und elektrischen Fensterhebern. Der Kaufpreis wird sich zumindest verdrei- wenn nicht vervierfachen.

Also, aus dem Traum, für ein durchschnittliches Monatsgehalt ein neues Fahrzeug zu erwerben, wird wohl nichts. Letztendlich würde dies auch der Wirtschaft schaden, wenn ein, praktisch unverzichtbarer, Gebrauchsgegenstand plötzlich so kostengünstig wäre. Was würde aus der gigantischen Autoindustrie werden? Wie würde die Ölindustrie leiden, gäbe sich ein nennenswerter Anteil der Bevölkerung mit einem treibstoffsparenden Kleinvehikel zufrieden? Nein, so etwas kann und darf nicht erlaubt werden. Und somit wird, selbstverständlich aus Gründen der eigenen Sicherheit ebenso wie des Umweltschutzes wegen, das europäische Modell gerade teuer genug werden, um nicht zu überzeugend zu wirken, um die, ohnehin leidende, Autoindustrie nicht noch mehr unter Druck zu setzen. Freier Wettbewerb hat schließlich seine Grenzen.

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