Mittwoch , 19 Februar 2020
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Gold als Wertanlage

goldmarkAls Trendforscher Gerald Celente am vergangenen Donnerstag danach gefragt wurde, wie er selbst sein eigenes Geld anlege, gab er zur Antwort, zu 80 Prozent in Gold. Werfen wir einen Blick auf die Entwicklung des Goldpreises, so befindet sich dieser, mit 959 Euro, auf einem historischen Hoch. Könnte Gold somit bereits zu teuer geworden sein, um jetzt noch zu kaufen? Könnte der Goldpreis wieder fallen, wenn das Vertrauen in Währungen steigt? Was bietet sich, in Krisenzeiten, als Alternative an? Auf weiter steigende Goldpreise zu spekulieren, wäre ein Aspekt. Die sicherst mögliche Wertanlage zu finden, jedoch ein anderer.

Ungeachtet regelmäßig fortschreitender Inflation, blieb der Goldpreis über Jahrzehnte hinweg, bis zum Jahr 1971, mit 35 US-Dollar pro Unze, völlig unverändert. Dies lag schlicht daran, dass die US-Regierung garantierte, zu jedem gewünschten Zeitpunkt jede beliebige Menge an US-Dollar in Gold abzulösen. Nebenbei sei erwähnt, dass im Jahr 1933, während der damaligen Wirtschaftskrise, den amerikanischen Bürgern der Besitz von Gold verboten wurde (Executive Order 6102). Aufgehoben wurde dieses Verbot im August 1974, also erst, nachdem der Preis pro Unze von ursprünglich 35 auf rund 150 Dollar angestiegen war. Die Loslösung des Dollars im Jahr 1971 vom Goldstandard war deswegen erforderlich, weil die amerikanischen Goldreserven bei weitem nicht mehr ausreichten, um auch nur einen Bruchteil der möglichen internationalen Forderungen durch physisches Gold zu befriedigen.

Von 1971 bis 1980 stieg der Goldpreis regelmäßig an. Angesichts der Krise im Iran und des sowjetischen Einmarsches in Afghanistan, erreichte der er am 21. Januar 1980 seinen historischen Höchststand. In London wurde die Unze um 850 Dollar gehandelt und in New York sogar um 873 Dollar.

Genaugenommen lag dieser Preis sogar deutlich höher als der heutige, nachdem, die offiziellen Inflationsraten berücksichtigend, 850 Dollar aus dem Jahr 1980 mit einer derzeitigen Kaufkraft von rund 2.200 Dollar korrespondieren. Warum die jetzige Krise den Goldpreis nicht weiter nach oben treibt, darauf kommen wir später zurück.

Während der gemächlichen Talfahrt des Golds, zwischen 1980 und 2000, verwiesen die Medien gelegentlich darauf, dass Gold seinen Wert, seit es nicht mehr zur Deckung der leitenden Währungen diente, endgültig eingebüßt hätte. Die jährlichen Fördermengen wurden mit dem Bedarf für Industrie, Schmuck etc. in Vergleich gestellt, der mehr als abgedeckt war. Zu einer Zeit, als die meisten Aktien regelmäßig Kursgewinne verzeichneten, wirkte Gold, ohne Zinsen und Dividende, dafür Lagerkosten verursachend, gewiss nicht als ideale Wertsicherung. Dem Gold jedoch langfristige Werterhaltung abzusprechen, war natürlich auch damals Unsinn. Seit Jahrtausenden wurde Gold weltweit beständiger Wert beigemessen und ein vorübergehendes Experiment mit ungedeckten Währungen konnte dieses Vertrauen, wenn überhaupt, nur kurzfristig negativ beeinflussen.

Von allen mystischen Eigenschaften des Goldes abgesehen, handelt es sich dabei um ein Metall, dass nur in beschränktem Maße existiert, keiner Oxidation unterliegt und, insbesondere auf Grund des hohen spezifischen Gewichtes, praktisch fälschungssicher ist. Über die Möglichkeit, Goldbarren mit Wolfram zu füllen, und die relativ leichte Erkennbarkeit derartiger Fälschungen, haben wir schon einmal berichtet.

Abgesehen von den offiziellen Goldreserven der einzelnen Staaten, lassen sich die gesamten Goldbestände weltweit natürlich nur schätzen. Bei Wikipedia findet sich eine angegebene Menge von 165.000 Tonnen, andere Schätzungen liegen oft niedriger. Würde alles Gold der Welt zu einem Würfel zusammen geschmolzen werden, so hätte dieser eine Seitenlänge von nicht mehr als 20 Meter. Beim derzeitigen Goldpreis würde der Wert dieses Würfels rund 6 Billionen Dollar entsprechen, etwa die Hälfte der US-Staatsschulden. Dividieren wir die angenommenen 165.000 Tonnen durch die Zahl der Erdenbürger  (6,7 Mrd.), so würden auf jeden einzelnen Menschen weniger als 25 Gramm entfallen. Soweit zur verfügbaren Menge.

 

Der wichtigste Handelsplatz für Gold befindet sich in London, genannt London Bullion Market Association (LBMA). Georg von Greyerz, Mitarbeiter von Matterhorn Asset Management in der Schweiz, erklärte kürzlich gegenüber dem Forbes Magazin: „Ich habe keinen Beweis, dass die Gerüchte der Wahrheit entsprechen, aber eine Menge Leute, die es näher in Augenschein genommen haben, sind überzeugt, dass bei der LBMA eine massive Goldknappheit herrscht. Dort werden täglich rund 700 Tonnen Gold gehandelt. Das entspricht rund 25 Prozent der täglichen Förderung weltweit und etwa 6 Billionen Dollar im Jahr. Um diese Menge zu 100 Prozent abzudecken, bedürfe es einer Reserve der Fördermenge mehrerer Jahre, über die sie dort definitiv nicht verfügen. Ich habe immer wieder die Meinung vertreten, dass LBMA, Comex und das Bankensystem als Ganzes nur über einen Bruchteil des Goldes verfügen, das benötigt wäre, um ausstehende Verträge zu erfüllen, sobald Investoren die physische Lieferung verlangen. Dazu kommt noch, dass die Zentralbanken ihre Goldreserven seit Jahren an Mitgliedsbanken der LBMA verleasen, um den Goldpreis unter Druck zu setzen. Ich wäre überrascht, wenn die Zentralbanken von den 30.000 Tonnen, über die sie offiziell verfügen, in Wahrheit auch nur die Hälfte in ihren Tresoren liegen hätten.“

Egon von Greyerz erklärte weiter, dass er für das laufende Jahr erwarte, dass die Lieferung von physischem Gold immer öfter verlangt werden wird. Sollte die Situation eintreten, dass ein Vertrag, auf Grund von Goldknappheit, nicht erfüllt werden kann, könnte dies den Goldpreis innerhalb von Stunden in die Höhe schnellen lassen. Gleichzeitig warnte er aber auch davor, auf ein derartiges Ereignis zu spekulieren.

 

Natürlich erachten auch wir uns nicht als kompetent, Investitionsempfehlungen abzugeben. Die weltweite Wirtschaftssituation ins Auge fassend, die völlig ungedeckten Währungen ebenso berücksichtigend wie die nicht mehr bezahlbaren Schuldenberge, erlauben aber gewiss den Schluss, dass es sich bei Gold um die krisensicherste Wertanlage handeln müsste. Entsprechen die Behauptungen der Wahrheit, dass internationale Banken, durch die Hüter der staatlichen Goldreserven unterstützt, seit Jahren versuchen, den Goldpreis so niedrig wie möglich zu halten, so müsste der derzeitige Preis eigentlich unter dem realen Wert liegen.

Im Jahr 1900 (von 1879 bis 1934) kostet die Unze Gold exakt $ 20,67. Ein durchschnittliches Jahreseinkommen betrug gleichzeitig $ 438, was rund 21 Unzen Gold entsprach. Gewiss, mittlerweile wurde weltweit auch eine ganze Menge Gold gefördert. Gleichzeitig hat sich aber auch die Bevölkerungszahl vervielfacht. Trotzdem zeigt dieser Vergleich aber, dass der derzeitige Preis von der weltweiten Krisensituation keineswegs überreizt zu sein scheint. 

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