Mittwoch , 26 Juni 2019
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Inflation ist schleichende Enteignung

bubbles_handSolange wir zurückdenken können, leben wir damit: Inflation! Zuerst wird alles teurer. Erst später ziehen die Löhne, meist nur halbwegs, nach. Zinsen für unser Erspartes werden gerne als „Kapitalertrag“ bezeichnet. Doch handelt es sich um gar keinen Ertrag, denn bestenfalls wird der Inflationsverlust dadurch abgedeckt. Von Ludwig von Mises, dem weltweit höchst respektierten Wirtschaftswissenschaftler, stammt der folgende Satz: „Das Wichtigste ist, zu verstehen, dass Inflation kein Akt Gottes ist, dass sie keine Naturkatastrophe ist und keine Krankheit. Inflation ist eine politische Strategie.“

Wer Menschen auf der Straße befragt, was sie unter Inflation verstehen, bekommt zum überwiegenden Teil zur Antwort, dass es sich um die Preissteigerung von Gütern handelt. Mit dieser Feststellung beginnt ein aufschlussreicher Artikel zum Thema in der österreichischen Tageszeitung Die Presse.

Diese Annahme ist im Prinzip richtig. Aber, die Verteuerung ist nur die für jedermann sichtbare Auswirkung von Maßnahmen, die schon viel früher gesetzt wurden. Wir Normalverbraucher sind daran gewöhnt, dass die Preise zwar unregelmäßig, aber dafür unaufhaltsam, steigen.

Inflation ist in Wirklichkeit ein politisches Instrument mit einer sehr hohen Zerstörungskraft. Seit 1971 der damalige Präsident der USA, Richard Nixon, die Verbindung des Dollars zum Gold abgeschafft hat, sind dem Aufblasen der Geldmenge durch Zentral- und Geschäftsbanken praktisch keine Grenzen mehr gesetzt.

Apropos „aufblasen“. Das Wort „Inflation“ wurzelt im lateinischen „inflare“. Und dies bedeutet exakt: „Aufblasen“. Und wir erinnern uns an die überzogenen Erwartungen in Zusammenhang mit der Geschäftsentwicklung im Technologiebereich. Die Aktienkurse waren weit überhöht, bis im Jahr 2000 die sogenannte „Dotcom-Blase“ platze. Und dann trieben leichtfertig vergebene Hypothekardarlehen in den USA die Grundstückspreise in die Höhe. 2007 platze die „Immobilienblase“, was letztendlich jene Krise mit sich brachte, mit der wir uns heute herumschlagen. Und wohin wird sie führen? Inflare, aufblasen, mehr Geld kommt in Umlauf – bis die Blase …

Seit 2008 laufen die (virtuellen) Notenpressen auf vollen Touren. Es wird immer mehr Geld erzeugt. So hat die Europäische Zentralbank im Dezember fast 500 Milliarden Euro in den Markt gepumpt.

Und was schrieb Ludwig von Misen, auf dessen Thesen übrigens ein Wirtschaftskonzept beruht, das von Fachleuten als „Österreichische Schule“ bezeichnet wird? „Inflation ist kein Akt Gottes“, also kein Naturgesetz. Es handelt sich um eine politische Strategie.

Hier möchte ich daran erinnern, dass Deflation, also Geldaufwertung, eigentlich eine natürliche Folge von Fortschritt sein müsste. Wenn die Mehrzahl der Verbrauchsgüter einfacher, billiger und schneller hergestellt werden, so müssten die Preise regelmäßig fallen – und damit Geld im Wert steigen. Praktisch ist dies aber nur in Einzelfällen gegeben. Wodurch übrigens die tatsächliche Teuerung der Güter des täglichen Bedarfs verschleiert wird. (Während Brot und Butter teurer werden, wird der Flachbildfernseher billiger.) Ohne dem ständigen Ansteigen des Geldvolumens, wäre es niemals möglich gewesen, dass der Finanzsektor eine absolute Herrschaft über die Realwirtschaft erzielt.

Man muss verstehen – und dies wird im bereits zitierten Artikel bei der Presse deutlich erklärt –  dass dieses „frische Geld” nicht gleichmäßig schnell in der Marktwirtschaft verteilt werden kann, wodurch die Banken und deren „Lieblingskunden” zuerst in den Genuss kommen, mit diesem Geld zu arbeiten. Dies bedeutet im Klartext nichts anderes, als dass hier mit dem neuen Geld noch zu den alten Preisen eingekauft werden kann, da sich die Erhöhung der Geldmenge erst später auf die Preise durchschlägt. Und mit „einkaufen“ sind natürlich nicht Konsumgüter gemeint. Die Umverteilung verläuft über den Weg von Investitionen.

Es klingt vielleicht hart, aber es ist eine Tatsache, dass die große Masse der Menschen dadurch schleichend „enteignet” wird, denn Geld, das als solches angespart wird, verliert regelmäßig an Wert. Auf der anderen Seite werden, durch den beschriebenen schnelleren Zugriff auf das neue Geld, die wirklichen Insider regelmäßig reicher.

Jede Blase, die sich regelmäßig vergrößert, muss eines Tages platzen. Die Presse erklärt diesbezüglich den möglichen psychologischen Auslöser: Sinkt das allgemeine Vertrauen in die (relative) Stabilität einer Währung, beginnen die Menschen, ihr Geld so rasch als möglich auszugeben. Erhöhte Nachfrage bei gleichbleibendem Angebot führt zum Steigen der Preise. Ergo, die Inflation wird vorangetrieben, bis zur Hyperinflation, wie es in Deutschland und in Österreich in der Zwischenkriegszeit der Fall war.

Es gibt aber noch einen Grund, der es nicht zulässt, dass Inflation ohne Ende vorangetrieben werden kann. Geld entsteht in Form von Kredit. Je mehr Geld in Umlauf ist desto größer wird der Schuldenberg. Gleichzeitig steigen natürlich auch die Zinsen. Und dadurch wird immer mehr Kaufkraft abgezogen, auch wenn der Zinssatz noch so niedrig ist.

Ich weiß nicht, wie naiv jemand sein muss, um zu glauben, dass diese Entwicklung „aus sich selbst heraus“ entstehen konnte. Am ständig wachsenden Geldvolumen hat eine Finanzelite über Jahrzehnte hinweg ungeahnte Vermögen verdient. Und diese Vermögen bestehen natürlich nicht in Form von Geld, sondern als Anteile der großen Konzerne, als Land- und als Goldbesitz. Insbesondere seit der Pleite von Lehman Brothers im September 2008 mehren sich die Anzeichen, dass wir uns bereits in der Endphase dieses grausamen Spiels befinden. Und wenn immer wir hören oder lesen, dass die Notenpresse wieder einmal verstärkt in Gang gesetzt wurde, sollten wir hellhörig werden. Die Geld- bzw. Schuldenblase ist jetzt schon sehr ausgedehnt. Und Blasen platzen bekanntlich, wenn es einmal so weit ist, sehr, sehr rasch.

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