Mittwoch , 30 September 2020
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Wie lässt sich Erspartes sichern?

treasure_chestGeld gilt nicht nur als Tauschmittel, sondern auch als Mittel zur Wertaufbewahrung – so heißt es. Im kurzfristigen Sinne, ist dies durchaus richtig. Langfristig betrachtet, kann Geld diesem Zweck jedoch nicht dienen, weil es über keinen inneren Wert verfügt. Staatliche Garantien für Spareinlagen sind aus mehreren Gründen grotesk. Geschichtlich betrachtet, wurde Geld in regelmäßigen Abständen immer wieder erneuert, für wertlos erklärt, durch neue Währungen ersetzt. Um diesen Umstand zu respektieren, bedarf es natürlich eines gewissen Verständnisses über die Mechanismen, die über den Geldwert bestimmen. Der nächste Schritt sind Überlegungen dazu, was auch langfristig seinen Wert erhalten könnte.

Oft wird über Inflation diskutiert. Und wenn die Zentralbanken neues Geld schöpfen, so müsste dies eigentlich inflationsfördernd wirken. Die massiven Kursanstiege an den Weltbörsen, nach der Ankündigung, dass gleich mehrere Zentralbanken das Geldvolumen anheben, verweist in genau diese Richtung. Allerdings möchte ich an dieser Stelle bemerken, dass Preissteigerungen und Geldentwertung nicht immer parallel laufen. Ein im August erschienener Artikel erklärt dies ausführlicher. Und was die wahren Entscheidungsträger für die Zukunft planen, ist nur sehr schwer abzusehen.

Im täglichen Leben dreht sich alles um Geld. Schon als Kinder haben wir gelernt, einen Notgroschen zur Seite zu legen. Sparsamkeit gilt als Tugend. Und während risikofreudige Anleger, die ihre Reserven vor Jahrzehnten in Aktien investierten, ihr Vermögen vervielfachten, wurde der gemeine Sparer durch Zinsen entschädigt, die kaum die Geldentwertung abgelten.

Befassen wir uns mit der Frage, was wirklich über Wert verfügt. Ist eine Unze Gold wertvoll genug, dass ich fast ein durchschnittliches Monatseinkommen dafür bezahlen würde? Vor gar nicht so langer Zeit gab es die gleiche Münze noch um 300 Euro. Könnte es sein, dass der Goldpreis schon bei weitem überhöht ist?

Über welchen Wert verfügt eine Aktie. Sie kann heute 20 Euro kosten, morgen 25 und übermorgen 15. Während Spekulanten an diesen Kursschwankungen verdienen, als sichere Wertaufbewahrung eigenen sich Aktien, zumindest auf den ersten Blick, somit eher nicht. Oder doch?

Bewahre ich meine Ersparnisse in Euros auf, dann bin vor überraschenden Ausschlägen gesichert, nicht wahr? Und wenn die Bank, auf der mein Geld liegt, pleite geht, dann gibt es doch die staatliche Garantie bis 100.000 Euro. Zwar sind die Zinsen lächerlich, der Grundwert sollte aber doch gesichert sein. Und wenn der Euro wirklich verschwinden sollte, dann wird man mir doch mein Guthaben in die nachfolgende Währung umrechnen, so wie meine einstigen D-Mark zu Euro wurden.

Diese staatliche Garantie hat etwa genauso viel Wert wie ein Ablassbrief aus dem Mittelalter, durch dessen Erwerb sich jeder Katholik von seinen Sünden freikaufen konnte. Ja, natürlich, wenn eine bestimmte, nicht zu große, Bank pleite geht, dann mag diese Garantie ja auch wirklich zu tragen kommen. Doch wie viele Konten könnte der Staat denn abdecken? Der Staat verfügt schließlich über kein eigenes Geld. Er verwaltet das Geld der Bürger, theoretisch, ist aber mittlerweile mit zwei Billionen Euro verschuldet, wofür wiederum der Bürger haftet. Wenn immer der Staat für etwas bezahlen soll, muss er dieses Geld erst den Bürgern wegnehmen. Was für eine Garantie!

Davon ganz abgesehen, handelt es sich natürlich um keine Inflationssicherung. Schmilzt das Bankguthaben durch hohe Inflationsraten rasch dahin, dann schützt auch diese staatliche Garantie vor keinem Wertverlust. Nicht, dass eine derartige Entwicklung eintreffen muss, doch tauscht man Ihnen, nach einem Währungscrash, jeweils tausend Euro gegen fünf „Neue D-Mark“ ein, dann würde die besagte Garantie bedeuten, dass der Staat bis zu 500 „NDM“ haftet.

Geld verfügt nur solange über Wert, solange dieser von Menschen, von Produzenten, von Händlern, von Ladenbesitzern auch anerkannt wird. Zum gegebenen Zeitpunkt wissen Sie ganz genau, was Sie für Ihr Geld bekommen. Sie wissen, was Sie für Brot und Milch bezahlen, für ein paar Schuhe oder auch für eine Unze Gold. Nennenswerte Schwankungen im Geldwert passieren selten, doch wenn sie passieren, dann meistens in Form einer Hyperinflation. Gestiegen ist der Wert von Geld in der Geschichte aber nur äußerst selten, obwohl Fortschritt, nachdem sich Produkte einfacher, schneller und somit billiger herstellen lassen, eine Deflation mit sich bringen müsste. Aber einige Kreise haben dies immer schon geschickt zu verhindern gewusst.

Auch Gold verfügt nur über den Wert, den Menschen ihm zugestehen. Dass es zur Zeit Leute, vor allem aber Institutionen, gibt, die bereit sind, 1.300 Euro für eine Unze Gold zu bezahlen, liegt daran, dass die Zukunftserwartungen dem Gold einfach mehr Bedeutung zusprechen als noch vor wenigen Jahren. Sollte die derzeitige Schuldenkrise zu einem Zusammenbruch der Währungssysteme führen, dann ist zu erwarten, dass Edelmetalle, zumindest vorübergehend, zur neuen Richtlinie werden.

Ein nicht ganz so kluges Argument, dass mir einmal zu Ohren kam, möchte ich kurz anführen. Jemand fragte mich (der Goldpreis lag damals bei $ 300 pro Unze), was man denn mit Gold anfangen könne, wenn es kein Geld mehr gibt? Was sonst sollte über Wert verfügen, wenn Geld tatsächlich verschwinden sollte? Nach einiger Zeit wird ein neues Geldsystem folgen. Im Gegensatz zu dem Geld, dass einem Crash zum Opfer fiel, behält Gold aber seinen Wert. Und in der Zwischenzeit lässt sich, im Notfall, manches auch direkt mit Gold bezahlen.

In diesem Zusammenhang möchte ich auf einen Punkt verweisen, der sehr selten diskutiert wird. Während der Goldpreis immer wieder für Schlagzeilen sorgt, finden sich selten Hinweise auf Silber, obwohl auch die Unze Silber von weniger als fünf Euro auf mittlerweile rund 25 Euro angestiegen ist. Historisch betrachtet, entwickelte sich der Silberpreis dem Goldpreis immer sehr ähnlich. Allerdings, das Ratio zwischen den beiden Edelmetallen hat sich mittlerweile sehr zu Gunsten von Gold verschoben. Bis ins 19. Jahrhundert kostete Gold rund fünfzehn Mal mehr als Silber. Im Laufe des 20. Jahrhunderts stieg dieses Ratio immer höher an, zeigte Ausschläge bis zu 90 : 1 und beträgt zur Zeit etwa 50 : 1. Insbesondere den Umstand betrachtend, dass die weltweiten Silberreserven deutlich geringer sind als die von Gold, lässt sich vermuten, dass Silber zur Zeit über ein größeres Steigerungspotential verfügt. Allerdings, insbesondere wegen des deutlich niedrigeren Volumens, unterliegt Silber auch massiveren spekulationsbedingten Ausschlägen. Ein plötzlicher Preisanstieg muss somit nicht unbedingt auf erhöhter Nachfrage beruhen. Es könnte sich um reine Manipulation handeln, wie es Anfang Mai dieses Jahres auch der Fall war, als der Silberpreis kurzfristig auf $ 49/Unze stieg, um innerhalb weniger Tage wieder auf unter $ 35/Unze zu fallen.

Trotz regelmäßiger Kursveränderungen, repräsentieren Aktien durchaus einen realen Wert. Bei einer Aktie handelt es sich um eine Unternehmensbeteiligung. Das bedeutet, dass, solange das jeweilige Unternehmen aktiv ist, diese Beteiligung auch über einen Realwert verfügt. Somit ist es beim Aktienkauf von Bedeutung, zukünftige Entwicklungen ins Kalkül zu ziehen. Welche Art von Unternehmen würde eine Krise überdauern oder gar davon profitieren?

Langfristige Anlagestrategie hat dabei wenig mit dem täglichen Börsenhandel zu tun. Professionelle Händler, inklusive der wirklich großen Börsenspieler, verfolgen eine Strategie, die regelmäßig Profite mit sich bringen soll. Dabei geht es nicht um langfristige Wertsicherung.

Bei zu hohen Anstiegen ist immer zu Vorsicht geraten, weil Zukunftserwartungen übersteigert sein könnten. Für langfristige Anleger ist es grundsätzlich günstig, dann einzusteigen, wenn die Kurse gerade etwas niedriger sind. Dramatische Einbrüche hingegen verweisen auf die Gefahr eines Zusammenbruchs des Unternehmens. Spekulanten trennen sich von Papieren, sobald ein Abwärtstrend einsetzt. Für einen Anleger müssen vorübergehende Kursverluste nicht unbedingt störend sein.

Mit großer Vorsicht sind gezielte Empfehlungen zu behandeln, ungeachtet ob sie durch die Medien Verbreitung finden oder durch Anlageberater. Ich möchte mit Sicherheit nicht allen Experten schlechte Absicht unterstellen, doch jeder denkt zuerst an seinen eigenen Profit. Nehmen wir als einfachstes Beispiel die freundschaftliche Empfehlung, die meistens wirklich gut gemeint ist. Jemand, der sich bereits mit diesen Papieren eingedeckt hatte, gibt den Rat weiter. Jetzt kauft dieser und erst danach sagt er es auch Ihnen. Bis diese Information Sie erreicht hat, könnte es aber durchaus der Fall sein, dass derjenige, der diese Kette ausgelöst hat, seinen Wunschpreis bereits erreicht hat und schon wieder die ersten Verkäufe einsetzen.

Unter professionellen Beratern gibt es zweifellos einige, denen ihr guter Ruf, der langfristig ihr Geschäft sichert, wichtiger ist als ein schneller Profit. Diese Leute können meistens auf mehrjährige erfolgreiche Beratungstätigkeit verweisen. Mit Vorsicht sind Repräsentanten bestimmter Investitionsprojekte zu behandeln. Ähnlich einem Versicherungsvertreter, ist es ihre Aufgabe, Kunden von diesem bestimmten Produkt zu überzeugen. Die Motivation dafür ist natürlich die Provision, also das eigene Einkommen. Läuft an diesem Projekt etwas schief, liegt es nicht mehr in seinem Verantwortungsbereich.

Und dann soll es noch Angestellte namhafter Banken geben, die grundsätzlich die Anlagemöglichkeit empfehlen, bei der sie selbst die höchste Provision bekommen. Ist ja auch logisch. Und da soll es schon vorgekommen sein, dass 70-Jährige überredet wurden, sich auf eine Anlage mit 20-jähriger Bindung einzulassen.

Wenn Nachrichten, die zum Ankauf von Papieren oder auch Edelmetallen anregen, plötzlich durch die Medienlandschaft geistern, dann können Sie zu sehr hoher Wahrscheinlichkeit davon ausgehen, dass der Zug bereits abgefahren ist.

Zusammenfassend lässt sich feststellen, dass es kaum wirklich sichere Anlagemöglichkeiten gibt. Währungscrashs passieren, worauf auch Prof. Pregetter immer wieder verweist, alle 40 bis 70 Jahre. Die derzeitige Entwicklung betrachtend, kann die Aufbewahrung von Werten weder in Euro noch in Dollar als sicher eingestuft werden. Edelmetalle versprechen zwar mehr Stabilität, können aber jederzeitig vorübergehenden Preisschwankungen unterliegen. Ausgewählte Aktien sind meist stabiler als Geld. Sie werden ja auch keinen Milliardär finden, der sein Vermögen in Geld hält. Doch, von Kursschwankungen abgesehen, welche Branchen würden im Falle eines weltweiten Wirtschaftschaos’ überleben?

Allerdings, ein Zusammenbruch in naher Zukunft ist zwar durchaus wahrscheinlich, doch nur ganz wenige Menschen wissen, wann dieser erfolgen wird. Innerhalb der nächsten 12 Monate, der nächsten 10 Jahre oder vielleicht schon in ein paar Wochen? Und somit wäre es ratsam, auf verschiedene mögliche Szenarien vorbereitet zu sein.

Ein Zauberwort für Anleger ist „streuen“. Seine Ersparnisse einfach am Sparbuch liegen zu lassen ist ebenso verantwortungslos wie alles in eine bestimmte Aktie oder in Edelmetalle zu investieren. Genau in diesem Punkt wird von Privatpersonen sehr oft ein schwerwiegender Fehler begangen. Direkte Empfehlungen, in welchem Verhältnis und in welchen Bereichen gestreut werden sollte, sind nur schwer zu äußern. Letztendlich hängt dies auch vom verfügbaren Kapital ab. Eine alte Regel besagt: Ein Drittel in Gold, ein Drittel in Papieren und den Rest in Grund und Boden.

Letzteres scheint mit Abstand die sicherste Anlage zu sein, zumindest jenes Stück Grund, auf dem das eigene Wohnhaus steht. Geld hat in der Geschichte immer wieder seinen Wert verloren. Ebenso weiß die Geschichte von vielen Börsencrashs zu berichten. Gold hat sich zwar, über Jahrtausende hinweg, als stabile Wertanlage erwiesen, doch wissen wir nicht, in welcher Art sich die Politik weiter entwickeln wird. Sollte der private Goldbesitz eines Tages verboten werden, wie es in den USA schon 1935 der Fall war, können Sie Ihre Münzen zwar im Keller verstecken, doch der repräsentierte Wert wäre deutlich relativiert.

Das eigene Haus durften, zumindest die meisten, Menschen auch zu Zeiten kommunistischer Enteignungen behalten. Denn irgendwo muss der Mensch ja schließlich wohnen.

Vor zwanzig Jahren hätte wohl niemand daran gedacht, dass wir derartige Überlegungen einmal anstellen müssen. Aber vielleicht sollte man die ganze Situation auch nicht all zu ernst nehmen. Schon 1969 schrieben Kris Kristofferson und Fred Foster den Song: „Me and Bobby McGee“. Und darin findet sich der aussagekräftige Satz: „Freedom’s just another word for nothing left to loose“ – Freiheit ist bloß ein anderes Wort dafür, wenn es nichts mehr zu verlieren gibt.

 

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