Dienstag , 29 September 2020
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Talfahrt der Börsen verlangsamt

boerse_frankfurtKurz nach Eröffnung der Frankfurter Börse fiel der DAX, der gestern noch mit 6.414,76 Punkten geschlossen hatte, kurzfristig bis auf 6.160. Sobald jedoch Kursanstiege in New York einsetzten, zeigte sich auch in Frankfurt eine vorübergehende Tendenz in den positiven Bereich. Als Anlass für die Beruhigung der Märkte werden positive Zahlen vom amerikanischen Arbeitsmarkt gemeldet. Allerdings, in den Vereinigten Staaten stehen 159 Millionen Arbeitskräfte zur Verfügung. Die offizielle Arbeitslosenrate wird mit 9,1% angegeben. Die Zahl der angeblich neu geschaffenen Arbeitsplätze wird mit 117.000 beziffert, um etwa 30.000 mehr als erwartet. Im Vergleich zum Gesamtvolumen sind diese Zahlen ebenso lächerlich wie die Behauptung, die Talfahrt der Börsen käme aufgrund dieser Entwicklung zu einem Halt.

Während des Vormittagshandels in New York pendelte der Dow-Jones-Index gleichermaßen über und unter der Null-Marke. US-Zeitungen verweisen beiläufig auf die Unsicherheiten, die auf die gespannte Situation in Europa, insbesondere in Griechenland und Spanien, zurückzuführen seien. Ohne den Veränderungen am Arbeitsmarkt zu große Bedeutung beizumessen, wird über diese jedoch wesentlich ausführlicher berichtet. Demzufolge seien im Monat Juli 117.000 neue Jobs geschaffen worden. Das entspricht 0,07 Prozent im Vergleich zur Gesamtzahl der Arbeitskräfte, die mit 159 Millionen angegeben wird. Die gleichzeitige Abnahme der Arbeitslosenrate von 9,2% auf 9,1% wird allerdings nicht mit den Neueinstellungen in Verbindung gebracht, sondern mit einer abnehmenden Zahl von Arbeitssuchenden. Zwar findet es selten Erwähnung, doch werden sowohl in den USA als auch in Deutschland für die Bemessung der Arbeitslosenzahlen nur Menschen gezählt, die bei Vermittlungsstellen registriert sind beziehungsweise Arbeitslosengeld kassieren. Somit liegt die tatsächliche Zahl von Erwerbslosen deutlich höher.

Ausgehend von einem Jahreseinkommen von geschätzten $ 30.000, korrespondierten 117.000 Jobs mit rund 3,5 Milliarden Dollar, was 0,25% des Bruttoinlandsproduktes entspricht. Zu behaupten, dass eine Beruhigung der Börsen auf derartige Faktoren zurückzuführen sei, widerspricht jeder Logik. Auch bringt die Sommersaison jedes Jahr einen vorübergehenden Anstieg von Jobangeboten mit sich.

Wie schon in einem anderen Artikel erwähnt, stehen den großen Spekulanten durch Leerverkäufe und Derivathandel Instrumente zur Verfügung, um auch an fallenden Märkten zu verdienen. Dabei handelt es sich um einen jener Mechanismen, die gerne als Erklärung dafür herangezogen werden, dass Märkte sich ohnehin von selbst regulierten. Nehmen die „Wetten“ auf Kursverluste im Volumen zu, setzen Kräfte ein, die sich bemühen, solche zu verhindern. Längerfristig betrachtet, liegen den Entwicklungen an den Börsen aber trotzdem die Zahlen der Realwirtschaft zugrunde. Der im Jahr 1999 verstorbene legendäre Börsenspekulant André Kostolany verglich Börse und Wirtschaft mit dem Verhalten von einem Hund und seinem Herrn. Der Vierbeiner mag zeitweilig voran laufen, dann wieder weiter hinter bleiben, folgt aber trotzdem immer wieder seinem Herrn, der sich, der Wirtschaft gleich, zielstrebig in eine bestimmte Richtung bewegt.

Kurz vor Börsenschluss verzeichnete der DAX ein Minus von deutlich mehr als  zwei Prozent. Der Dow-Jones-Index, der am Donnerstag mehr als 500 Punkte eingebüßt hatte, zeigte in leichte Tendenz nach unten, die sich im Bereich von einem Prozent Verlust bewegte. Die kommende Woche wird vermutlich mehr Schlüsse auf zukünftige Entwicklungen erlauben.

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