Mittwoch , 19 Februar 2020
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Börsen unter Druck, Edelmetalle steigen

Wenn auch mit gewisser Zurückhaltung, so wurde während der vergangenen drei Jahre doch immer wieder von einer Erholung der Wirtschaft gefaselt. Drohende Staatspleiten brachten an die Oberfläche, dass unser gesamtes Währungssystem ins Wanken geraten ist. Warum dem so ist, wie es so weit kommen konnte, kommen musste, lässt sich mit einfachen Mitteln nachrechnen. Bis zur jüngsten Entscheidung in Washington, die Obergrenze für die Staatsverschuldung im letzten Moment doch noch zu erhöhen, schien es unklar, was zuerst zusammenbrechen wird: Die Börsen, der Dollar oder der Euro. Es mehren sich die Zeichen, dass es die Börsen sein werden – und dann folgt der Dollar.

Physikern mag es problemlos gelingen, durch komplizierte, für den Laien kaum verständliche, Erklärungen wissenschaftlich zu demonstrieren, warum Objekte mit geringerer Masse von einem Objekt mit entsprechend größerer Masse angezogen werden. Der Effekt, mit dem jeder vertraut ist, lässt sich aber auch in einem einzigen Satz zusammenfassen: Steine fallen nach unten.

Die Weltwirtschaft und die Weltwährungen zeichnen sich durch für Laien kaum durchschaubare Mechanismen aus. Bemühen sich Experten, in fachlicher Ausdrucksweise zu verdeutlichen, dass die Märkte zwar vorübergehend unter Druck sein mögen, die Situation sich, länger- oder mittelfristig, aber durchaus wieder normalisieren wird, so könnten wir ihnen, mangels tieferem Verständnis, schlicht Vertrauen schenken. Konfrontieren wir sie mit einer plumpen Frage, wo das Geld herkommen sollte, um auch nur die Zinsen für einen gewaltigen Schuldenberg zu begleichen, dürfen wir mit einer Antwort rechnen, die – wiederum fachlich formuliert – am Kern vorbeiführt.

Tatsache ist, dass es mehr Schulden als Geld gibt. Das liegt ganz einfach daran, dass Geld – genaugenommen Buchgeld, doch mehr als 95% des Geldvolumens besteht aus solchem – ausschließlich als Kredit ausgegeben wird. Während die Geldmenge nur durch neue Kredite ansteigt, erhöht sich die Schuld regelmäßig um die Zinsen und Zinseszinsen. Es dauerte Jahrzehnte, bis die Auswirkungen, die Insidern von Anfang an natürlich bewusst waren, an die Oberfläche traten. Dass ein Begleichen der Schulden systembedingt ausgeschlossen ist, hat somit zwei Gründe: Nicht nur, dass es von Haus aus nicht genügend Geld dafür gibt, würde dieses zum Begleichen der Verbindlichkeiten Verwendung finden, wäre es gleichzeitig dem Umlauf entzogen, was zu einem Stillstand der Wirtschaft führen würde.

Das Problem, mit dem wir uns zur Zeit direkt konfrontiert finden, reicht allerdings noch weiter. Dieser gigantische Schuldenberg, der sich aus öffentlichen Schulden, Unternehmensfinanzierungen, Darlehen, Hypotheken und überzogenen Konten zusammensetzt, hat Ausmaße angenommen, dass die verfügbaren Mittel nicht mehr ausreichen, um auch nur die regelmäßig anlaufenden Zinsen zu begleichen.

Und dabei tritt auch jenes Problem in den Vordergrund, das wirtschaftliche Konsequenzen nach sich zieht, für die es keine Lösung geben kann, solange das gesamte System auf wertlosen Fiat-Währungen basiert, die aber trotzdem enorme Wertmengen für die Begleichung der Zinsen verschlingen. Jahr für Jahr handelt es sich dabei um Geldmengen, die nicht mehr – beziehungsweise nur zu einem geringen Teil – in den Kreislauf zurückfließen. Wenn ein Viertel der Kaufkraft vom Finanzsektor abgezogen wird, führt dies logischerweise zu einer Reduktion des Konsums. Betriebe sind nicht mehr ausgelastet, erwirtschaften Verluste, bauen Personal ab, die Kaufkraft sinkt weiter.

Während im amerikanischen Kongress bis zum letzten Moment über die Erhöhung des Schuldenlimits diskutiert wurde, verhielten sich die Märkte relativ neutral. Es könnte daran liegen, dass es bis zum vergangenen Wochenende noch nicht klar war, was zuerst zusammenbrechen wird. Der Dollar oder die Börse. Platzt die Geldblase, bricht natürlich auch die Wirtschaft zusammen, die vom Geldfluss abhängt. Trotzdem ist es immer noch besser, Unternehmensanteile zu besitzen als wertlose Dollars.

Durch das Anheben des Schuldenlimits in den Vereinigten Staaten, zeichnet sich jedoch ab, dass wir uns zuerst auf einen Crash der Börsen zubewegen.

Dass sich die Wirtschaft, wie wir sie kennen, unter den gegebenen Voraussetzungen jemals wieder erholen könnte, ist praktisch ausgeschlossen. Dabei handelt es sich um eine mathematische Unmöglichkeit, weil die Summe des verfügbaren Geldes – wir können auch ohne weiteres sagen: Alle Arbeitskraft zusammen – nicht ausreicht, um sowohl die Zinsen zu bezahlen als auch das derzeitige Wirtschaftssystem aufrecht zu erhalten.

Die erste der beiden folgenden Graphiken zeigt die Entwicklung des deutschen Aktienindex DAX, während der vergangenen fünf Tage. Die zweite den Dow-Jones-Index:

dax_aug_4dow_aug_4 Während der vergangenen Jahre zeigte sich regelmäßig eine, auf den ersten Blick sonderbare, Parallelentwicklung zwischen den Börsen und dem Goldpreis. Sobald die Kurse von Aktien Verluste zeigten, verzeichnete  meistens auch Gold Einbußen. Dies liegt in erster Linie daran, dass die großen Spekulanten an fallenden Kursen, durch entsprechende Veranlagung, genauso verdienen wie an steigenden. Gelder, die durch Aktienverkäufe freigesetzt wurden, fanden nicht den Weg in sicherere Edelmetalle, sondern in Derivate, die auf fallende Kurse wetteten.

Seit sich die Krise jedoch zuspitzt, seit sich ein Crash abzeichnet, der sowohl die Börsen als auch die bedeutendsten Währungen einschließen könnte, zeigt der Goldpreis eine anhaltend steigende Tendenz. Die folgende Graphik zeigt die Entwicklung der letzten 30 Tage. Preise in US-Dollar pro Unze:

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Was Gold als Investition betrifft, so sei bemerkt, dass die großen Spekulanten – auch „internationale Investoren“ genannt – vom rund 38%igen Preisanstieg bei Gold, während der vergangenen 12 Monate, keineswegs beeindruckt sind. In entsprechend informierten Kreisen stehen profitträchtigere Strategien zur Verfügung. Allerdings, im Falle eines restlosen Zusammenbruchs des Systems, zählen Edelmetalle zu den wenigen wirklich sicheren Anlagen.

Übrigens, beim regelmäßigen Preisanstieg von Gold handelt es sich um keinen wirklichen Wertzuwachs, sondern um einen Ausgleich für den Wertverfall der Währungen. Inflation drückt sich nämlich nur zum Teil durch ein Ansteigen der Verbraucherpreise aus. Auch die Expansion des Geldvolumens führt zur Reduktion des Wertes der einzelnen Währungseinheit. Dass diese nicht im gleichen Maße zur Verteuerung von Produkten führt, lässt sich zum Teil durch ein gleichzeitiges Absinken von Produktionskosten erklären.

Trotzdem ist beim Goldkauf Vorsicht geboten. Aufgrund relativ niedriger Handelsvolumen, lässt sich der Goldpreis relativ leicht manipulieren. Der derzeitige Wert der rund 8.000 Tonnen Gold, die in Fort Knox gelagert sind, korrespondiert mit nicht viel mehr als 400 Milliarden Dollar. (Allein die US-Staatsschulden bewegen sich auf 15 Billionen Dollar zu.) Nachdem der Goldpreis jedoch nicht in erster Linie durch den Handel mit physischem Gold bestimmt wird, sondern durch Futures und Derivate, besteht immer eine gewisse Gefahr, dass es zu einer Kurskorrektur kommen könnte. Während der ersten Stunden des Handels in New York, verzeichnete der Goldpreis heute, am 4. August, Schwankungen zwischen $ 1.639 und $ 1.683.

Allerdings, ein zu tiefes Absinken des Goldpreises ist aber trotzdem weitgehend auszuschließen, nachdem mehrere Staaten, zu denen Russland, China und Indien zählen, seit mehreren Jahren ihre Goldreserven erhöhen. Es entspricht gewiss nicht den Interessen der „großen Spieler“, dass diese Länder ihre Tresore rasch und preisgünstig mit Gold füllen können. Sollte also der Goldpreis vorübergehend abnehmen, ist nicht nur zu erwarten, dass sich die Verluste in Grenzen halten werden, sondern auch, dass der Aufwärtstrend langfristig anhalten wird.

Um jedoch wieder auf die Entwicklung der Aktienkurse zurückzukommen, was müsste passieren, wenn die Tendenz weiter nach unten zeigt? Wir erinnern uns, dass sich die Märkte auch nach den massiven Einbrüchen Anfang 2009 letztendlich wieder erholten. Warum sollte eine Wiederholung dessen jetzt plötzlich zu einer Katastrophe führen?

Wie The Intelligence – im Gegensatz zu den etablierten Medien – bereits vor einigen Tagen berichtete, kam durch eine kürzlich durchgeführte Buchprüfung bei der privaten amerikanischen Zentralbank Fed ans Tageslicht, dass zwischen Ende 2007 und Mitte 2010 Geldinstitute, sowohl in den USA als auch international, mit der unvorstellbaren Summe von 16 Billionen Dollar versorgt wurden. 354 Milliarden an Krediten erhielt übrigens auch die Deutsche Bank. Außerdem wurde gleichzeitig der Ölpreis massiv nach unten korrigiert, was einer effektiven Stimulation der Wirtschaft gleichkommt.

Sollten die Entscheidungsträger der Marktentwicklung den endgültigen Zusammenbruch noch einmal verzögern wollen, so stünde einer neuerlichen Verbilligung von Öl natürlich nichts im Wege. Falls sie es so wollen. Ob ein neues Ausdehnen der Dollarmenge, wiederum nur zugunsten von Geldinstituten, die Realwirtschaft retten könnte, mag allerdings zu bezweifeln sein.

Bei allen Spekulationen über die weiteren Entwicklungen sollte jedoch keinesfalls übersehen werden, dass diese durchaus einer Steuerung unterliegen. Wenn ein Zusammenbruch geplant ist, und vieles spricht dafür, dann handelt es sich um einen „kontrollierten Abbruch“. Die „großen Spieler“ haben, historisch betrachtet, noch aus jeder großen Krise ihre Profite gezogen. Und das gleiche wird sich auch dieses Mal wiederholen. Der einzige Unterschied wäre jedoch, dass die gesamte Welt mittlerweile so ineinander verkettet ist, dass die Auswirkungen weltumspannende Ausnahme annehmen werden. Ob der Crash nächste Woche einsetzen wird, im September oder doch erst nächstes Jahr, lässt sich zum gegebenen Zeitpunkt noch schwer abschätzen. Dass er kommen muss, dabei handelt es sich jedenfalls um eine mathematische Gewissheit. Und die Politik hat sich bereits zu lange von der Finanzelite diktieren lassen, dass sich im letzten Moment noch Rettungsmaßnahmen setzen ließen.

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