Sonntag , 26 Mai 2019
Startseite » Wirtschaft » Wirtschaft - Finanzen » Good Bank – Es geht auch anders

Good Bank – Es geht auch anders

good_bank_minicover„Was macht Ihr Geld in einem Wasserkraftwerk? Sinn.“ So lautet einer der Werbeslogans der Bochumer GLS-Bank. Damit trifft die 1974 gegründete Genossenschaft den Zeitgeist. Nachhaltig investieren ist „in“, zumal es auch in diesem Segment des Finanzmarktes nicht mehr verboten ist, von Rendite zu sprechen. Die Wachstumszahlen sind überragend: Die Zahl der Kunden konnte im Zuge der Finanzkrise im letzten Jahr noch einmal um fast 25% gesteigert, die Höhe der Neueinlagen sogar um 39% gesteigert werden. Die Zahl der Kredite erhöhte sich um 22%. In der Diskrepanz von Kundeneinlagen und Neukrediten offenbart sich denn auch das Dilemma der GLS-Bank. Sie findet nicht so schnell förderungs- und finanzierungswürdige Projekte, wie sie Einlagen erhält. Wenn auch seit der Finanzkrise 2008 viel über die nachhaltigen Banken geschrieben wurde, fristen sie doch weiterhin ein Nischendasein. Die Bilanzsumme der Bank betrug zum Ende des Geschäftsjahrs knappe 1,9 Mrd. Euro, gerade einmal ein Promille der Bilanzsumme der Deutschen Bank AG.

gls_entwicklung_balken

Der Wirtschaftsjournalist Caspar Dohmen macht die Frage, wie diese Form des nachhaltigen und verantwortungsbewussten Banking erfolgreich funktionieren kann in seinem gerade erschienenen Buch GOOD BANK. Das Modell der GLS-Bank zum Thema. Dabei geht es ihm keineswegs nur um die GLS-Bank, sondern den verantwortungsvollen Umgang mit Geld.

Wie es der Untertitel andeutet, dient ihm das Bochumer Finanzinstitut dabei als Vorbild, als Modell. In sieben sehr ausführlichen Kapiteln zeichnet er die Geschichte der ursprünglich anthroposophisch inspirierten Bank nach, die zunächst zur Finanzierung privater Waldorfschulen gegründet wurde. Heute steht die Genossenschaftsbank jedem Kreditnehmer offen, der die Kriterien der Bank hinsichtlich Nachhaltigkeit erfüllt. Dohmen, Redakteur bei der Süddeutschen Zeitung und Autor von Let’s Make Money (2009), dem Buch zum gleichnamigen Film, holt weit aus. Er erzählt ausführlich die Geschichte und Entwicklung des Bankwesens, indem er es in seinen sozioökonomischen Kontext setzt. Er gibt beispielsweise eine allgemeine Einführung in die Entwicklung des Geldtauschs, seiner Aufgaben in der Realwirtschaft und der Loslösung von ebendieser durch die Einführung des Sharehold-Value-Prinzips. Ergänzt wird dieser Überblick durch eine detaillierte Zeitleiste im Anhang.

Abwechslungsreich werden die historischen Betrachtungen durch mehrere Interviews, die vor allem den ethischen und ökologischen Hintergrund des neuen Bankmodells beleuchten. Zu Dohmens Interviewpartnern zählen u.a. die Finanzexpertin Antje Schneeweiß, der Jesuit Friedhelm Hengsbach sowie Sven Giegold, Gründungsmitglied von Attac Deutschland und Abgeordneter der Grünen im Europaparlament.

good_bank_coverDohmen gelingt es gut, die komplexen makroökonomischen Dimensionen der Thematik leicht und anschaulich darzustellen. Stets um Transparenz bemüht, erläutert er alle Fachbegriffe verständlich in einem Glossar. Das Werk ist daher in erster Linie allen Lesern zu empfehlen, die einen Einstieg in das Thema Nachhaltiges Banking suchen.

Das Buch ist bei Orange Press erschienen und hat 224 Seiten. Für 20,00 € ist es im Buchhandel oder direkt hier erhältlich.

Check Also

Wofür nehmen die Deutschen einen Kredit auf?

Inhaltsverzeichnis1 1.Investment in Betongold2 2. Kredite für den Autokauf sind weit verbreitet3 3. Alltag ist …

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.