Dienstag , 2 März 2021
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Ölspekulanten wegen Manipulation vor Gericht

tankenDer Preis von Rohöl liegt bei über $ 110 pro Fass und nähert sich damit den Rekordpreisen von 2008. Nachdem bei jeder Art von spekulativen Geschäften die Absicht, durch gezielte Manipulation die Preisentwicklung zu beeinflussen, nur schwer nachzuweisen ist, dauerte es drei Jahre, bis im vorliegenden Fall Anklage vor einem amerikanischen Bundesgericht erhoben wurde. Mit Sicherheit handelt es sich um keinen Einzelfall. Jedoch verraten die Protokolle Details über die Mechanismen der Preismanipulation. Wenn immer Konsumgüter den Einflüssen von Spekulanten unterliegen, ist es letztendlich der Konsument, der die Gewinne finanziert.

Am Dienstag brachte die US-Regulierungsbehörde CFTC (Commodity Futures Trading Commission) vor einem US-Bundesgericht eine Klage wegen bewusst gesteuerter Preismanipulation von Rohöl ein. Es nahm drei Jahre in Anspruch, bevor ausreichend Belastungsmaterial zur Verfügung stand. Der kalifornische Parnon Energy, Arcadia Petroleum aus Großbritannien sowie der Schweizer Arcadia Energy Suisse wird zur Last gelegt, von 2007 bis 2008 riesige Mengen an Öl gekauft und so die Reserven im zentralen US-Ölspeicher in Cushing, Oklahoma künstlich verknappt zu haben. Nicholas J. Wildgoose und James T. Dyer werden namentlich genannt. Im Wallstreet Journal werden die internationalen Verkettungen weiter analysiert. Eigentümer von Arcadia ist die Farahead Holdings Ltd mit Geschäftssitz in Zypern, als deren Besitzer der norwegische Reeder John Frederikson aufscheint. Weder Repräsentanten der genannten Unternehmen noch die persönlich beschuldigten Wildgoose und Dyer stellten sich für Kommentare zur Verfügung.

In wenigen Worten zusammengefasst, wird den Beteiligten folgendes vorgeworfen: Ende 2007 bis Anfang 2008 wurde große Mengen von Rohöl in physischer Form angekauft und gelagert, um künstlich eine Verknappung zu simulieren, was einen Preisanstieg mit sich brachte. Der dadurch erzielte Gewinn wird mit 50 Millionen Dollar beziffert. Zu einem bestimmten Zeitpunkt wurden Lehrverkäufe von Futures, also Verträgen mit späterem Lieferzeitpunkt, im vorliegenden Fall März und April 2008, durchgeführt. Der danach eingeleitete Verkauf des physischen Öls führte zu einem Absinken der Preise, was neuem Profit durch die vorangegangenen Lehrverkäufe mit sich brachte. Der, auf diesem Wege erzielte, Spekulationsertrag soll sich insgesamt auf 200 Millionen Dollar belaufen. Auf ein Fortführen dieser illegalen Strategie wurde verzichtet, nachdem von der CFTC Ermittlungen eingeleitet wurden.

Im Vergleich zum internationalen Handelsvolumen, wirken die genannten 200 Millionen Dollar durchaus bescheiden. Immerhin werden weltweit täglich rund 80 Millionen Fass Erdöl verbraucht. Was der vorliegende Fall jedoch beleuchtet, sind nicht nur die Praktiken gewisser international verketteter Unternehmen, sondern auch die unzähligen Möglichkeiten von Manipulationen. In Einzelfällen, insbesondere auf niedriger Ebene, mögen die Kontrollmechanismen, deren Aufgabe es ist, derartige Praktiken ebenso wie Insider-Trading zu unterbinden, durchaus effizient sein. Doch sei gleichzeitig auch daran erinnert, dass der außerbörsliche (OTC) Derivathandel praktisch keiner Kontrolle unterliegt, obwohl das jährliche Volumen auf mehrere Hundert Billionen Dollar geschätzt wird. Dass sich der Preis von Rohöl indirekt auch auf alle anderen Verbrauchsgüter auswirkt, bedarf wohl keiner näheren Erläuterung. Wie ein im Februar bei The Intelligence erschienener Artikel mit dem Titel: „Hunger als Big Business“ erklärt, werden sogar die Preise von Nahrungsmitteln direkt durch Spekulation beeinflusst und entsprechend in die Höhe getrieben. Sowohl der Einzelne als auch die heimische Wirtschaft finden sich mit Voraussetzungen konfrontiert, die sich nicht nur ihrem Einfluss entziehen, sondern deren Auswirkungen sicher nicht als günstig erachtet werden können. Das Gerichtsverfahren gegen die genannte Gruppe wäre dabei nicht einmal als Spitze vom Eisberg zu bezeichnen, sondern bestenfalls als Puzzle. Das Gesamtbild mag erschreckend sein. Doch das ist ohnehin jedem, der sich mit den Hintergründen der modernen Wirtschaft etwas näher auseinander setzt, schon seit langem bewusst. 

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