Dienstag , 2 März 2021
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Die Zukunft von Gold ist undurchschaubar

gold_waageDer Goldpreis hat einen gigantischen Höhenflug hinter sich. Massive Werbekampagnen für Investitionen in Gold sprechen gegen einen weiteren Preisanstieg. Der milliardenschwere Spekulant George Soros, der zu den Drahtziehern im Weltgeschehen zählt, hat sich kürzlich von seinen Goldreserven getrennt. Nicht so John Paulson, der durch anrüchige Manipulationen zusammen mit Goldman Sachs zweifelhafte Berühmtheit erlangt hatte. Andererseits, in einer Zeit, in der die Marktsituation ebenso von Unsicherheit gezeichnet ist wie die Zukunft des derzeitigen Währungssystems, welche Wertanlage könnte sonst einen „sicheren Hafen“ bieten?

Wenn eine bestimmte Aktie nach massiven Kursanstiegen der sogenannten „breiten Masse“ aufgedrängt wird, steht – wie sich so oft gezeigt hat – ein naher Zusammenbruch vor der Tür. Ähnlich verhält es sich zur Zeit mit Gold. Während der 1990er-Jahre als der Goldpreis mit $ 250 seinen damaligen Tiefstand erreicht hatte, fanden sich in den Medien regelmäßig Berichte, die von einer Investition in Gold abrieten. Nachdem die Funktion als Währungsreserve nicht mehr gegeben war, wurde die jährliche Produktion mit dem regelmäßigen Absatz für Schmuck und wenige Industrieprodukte in Vergleich gestellt. Neben dem Produktionsüberschuss wurden die Lagerbestände in den Tresoren der Nationalbanken als weiteres Argument einer Überbewertung des Goldpreises angeführt. Glücklich der, der sich damals antizyklisch verhielt.

Mittlerweile bewegt sich der Goldpreis um die $ 1.500 pro Feinunze. Der Anstieg innerhalb der vergangenen 12 Monate beträgt rund 28%. Zeitungen und Webseiten sind mit Inseraten überschwemmt, die zum Goldkauf raten. Immerhin, 28% per Annum klingt ja auch nach einer guten Rendite. Allerdings, je mehr diesbezügliche Angebote auftauchen desto mehr sei zur Vorsicht geraten.

Kürzlich erschienen Meldungen darüber, dass George Soros, dessen Budget 14,5 Milliarden Dollar beträgt, alle auf Gold lautenden Papiere, einschließlich Goldminen-Aktien, aus seinem Portfolio entfernt haben soll. Der Gesamtwert der Veräußerungen wird mit 800 Millionen Dollar angeben. George Soros steht mehreren internationalen Organisationen vor. Eine davon, das Institue for New Economic Thinking (Institut für neues Wirtschaftsdenken) lud zwischen dem 8. und dem 11. April 2011 rund 200 Finanzexperten aus aller Welt zu einer Konferenz in Bretton Woods, um gemeinsam Veränderungen im Weltwährungssystem auszuarbeiten.

Die gleichen Berichte, die auf die massiven Goldverkäufe von Soros verweisen, erwähnen allerdings auch, dass John Paulson gegenteilig handelt. Das Vermögen dieses Hedgefond-Managers, wie Spekulanten heutzutage genannt werden, soll mittlerweile auf 16 Milliarden angewachsen sein. Ein Anstieg von rund 60 Prozent innerhalb eines Jahres. Wie The Intelligence im Sommer des Vorjahres berichtete, wurden, nach Absprache mit Paulson, von Goldman Sachs an deren Kunden Investitionspakete verkauft, die auf ein weiteres Ansteigen der Immobilienpreise in den USA wetteten. Paulson spekulierte dagegen und könnte sogar mitverantwortlich für das Platzen der sogenannten Housing-Bubble gewesen sein. Während Goldman Sachs von einem New Yorker Zivilgericht zu einer Strafe von 550 Millionen Dollar verurteilt wurde, büßten deren Kunden zusammen rund 10 Milliarden ein. Der große Gewinner war John Paulson, gegen den jedoch kein Verfahren eingeleitet wurde.

Auch hinter derartigen Meldungen könnte natürlich Absicht stecken. Man erinnere sich an die Strategie von Nathan Mayer Rothschild an der Londoner Börse während der Schlacht von Waterloo, 1815. Durch private Kurierdienste, der Überlieferung nach unter der Verwendung von Brieftauben, vom Ausgang der Schlacht informiert, begann er plötzlich, seine englischen Kriegsanleihen massiv zu verkaufen. In Blitzesschnelle reagierte der Markt auf dieses „unmissverständliche“ Zeichen. Die Kurse der englischen Papiere fielen ins Bodenlose, während sich französische Kriegsanleihen enormer Anstiege erfreuten. Durch Mittelsmänner veräußerte Rothschild einerseits seine bald wertlosen französischen Papiere zu hohem Preis, und deckte sich auf dem gleichen Weg spottbillig mit den englischen Anleihen ein. Auf solche Art entstehen Vermögen.

Was lässt sich nun aus den Meldungen, dass Soros sich von Goldwerten trennt, während Paulson sich damit eindeckt, schließen? Der Goldpreis sollte bald in Bewegung geraten. Nach oben oder nach unten? Die Antwort auf diese Frage steht zwar nicht in den Sternen, sondern in den Notizbüchern jener Menschen, deren Aktivitäten über die Kursentwicklung entscheiden werden, doch erlaubt uns dieser Umstand keineswegs mehr Einblick. Insbesondere die Tatsache, dass der Goldpreis in erster Linie durch den Handel mit Futures und Derivaten bestimmt wird, unterliegt die Entwicklung überwiegend den Entscheidungen der Investment-Banken und der Hedgefond-Manager. Ungeachtet in welche Richtung sich der Preis bewegen wird, in diese beiden Lager werden wie üblich die Gewinne fließen. Wer die Verluste trägt, brauche ich wohl nicht zu erwähnen.

Ein Punkt sollte bei derartigen Überlegungen allerdings auch bedacht werden. Nicht nur Franz Hörman und Otmar Pregeter zweifeln an einem Fortbestand der Fiat-Währungen. Zu ausgedehnt ist das Volumen. Zu hoch ist die Verschuldung. Zu schwer die Zinslast. Sollte es in naher Zukunft zu einem Zusammenbruch des Weltwährungssystems kommen, müsste das dadurch entstehende allgemeine Chaos natürlich auch einen wirtschaftlichen Zusammenbruch mit sich bringen. Von getrockneten Bohnen und Gütern des täglichen Bedarfs abgesehen, was außer Edelmetallen könnte ein Mittel der Wertsicherung darstellen?

Beim folgenden Szenario handelt es sich um reine Spekulation, doch auszuschließen wäre eine derartige Entwicklung keineswegs. Sollte der Goldpreis in naher Zukunft massive Einbußen erleiden, so ist zu erwarten, dass sich viele Kleinanleger von ihrem Gold trennen könnten. Hierzu ein Mengenvergleich:

Schätzungen zufolge, beträgt die bis jetzt geförderte Goldmenge rund 180.000 Tonnen. 30.000 Tonnen liegen in den Tresoren der Notenbanken. 3.400 Tonnen davon in Deutschland. Würde sich jeder erwachsene Deutsche eine Goldmünze von einer Unze kaufen, würde dies mit einem Gewicht von rund 2.000 Tonnen korrespondieren. Nehmen wir an, es gibt eine Milliarde Menschen auf der Welt, die sich leisten könnten, eine einzige Unze Gold zu erwerben, würde dies in etwa der gesamten Goldmenge im Besitz von Notenbanken entsprechen. Kurz gesagt, ein Run auf Gold würde einen nennenswerten Anteil der Gesamtbestände in Privathände bringen.

Nimmt der Goldpreis plötzlich ab, und zwar noch solange Vertrauen in das Weltwährungssystem besteht, könnten sich bestimmte Kreise günstig mit physischem Gold eindecken. Eine Tonne Gold kostet rund 50 Millionen Dollar. Ein Blick auf die Vermögen jener Leute, die als die reichsten der Welt gelten (Carlos Slim: 74 Mrd., Bill Gates: 56 Mrd., Warren Buffet: 50 Mrd., etc.), zeigt, dass die Mittel für den Ankauf einiger tausend Tonnen Gold durchaus zur Verfügung stehen. Daneben ist es durchaus als wahrscheinlich zu erachten, dass es Dynastien gibt, denen es gelingt, ihre wahren Vermögen vor dem Blick der Öffentlichkeit zu verbergen.

Jetzt nehmen wir an, nachdem der Goldpreis deutlich gesunken ist, mehren sich plötzlich die Anzeichen, dass das System der Fiat-Währungen vor dem tatsächlichen Zusammenbruch steht. Entweder verfällt der Wert der Ersparnisse und Vermögen von Bürgern und Kleinanlegern so rasch, dass an den Rückkauf der kurz davor veräußerten Goldmünzen gar nicht mehr zu denken ist, oder der Goldpreis steigt plötzlich so hoch an, dass der derzeitige Preis von rund $ 1.500 pro Unze innerhalb weniger Tage deutlich überschritten wird.

In diesem Zusammenhang möchte ich aber auch daran zu erinnern, dass zur Zeit der „großen Depression“ amerikanischen Bürgern der private Besitz von Goldmünzen, Goldbarren und Goldzertifikaten, durch den Executive Order 6102, unterfertigt von Präsident Franklin D. Roosevelt am 5. April 1933, verboten wurde. Zuwiderhandelnden drohten bis zu 10 Jahren Haft. Dieses Gesetz blieb bis zum Aufheben der teilweisen Golddeckung des US-Dollars im Jahr 1971 in Kraft.

Der Schweizer Wirtschaftswissenschaftler Marc Faber erwähnte vor rund einem Jahr in einem Interview, sichtlich amüsiert, dass eine Rückkehr zum ehemaligen Goldstandard als Währungsgrundlage durchaus möglich sei. Bloß der Preis pro Unze Gold müsste auf eine Million Dollar angehoben werden. Dividieren wir die gesamte jemals geförderte Goldmenge von 180.000 Tonnen durch die Zahl der Erdenbürger, entfallen auf jeden Einzelnen nicht mehr als 25 Gramm. Sollte Gold eines Tages, insbesondere im Zusammenhang mit dem sinkenden Vertrauen in Fiat-Währungen, wieder als ultimative Wertanlage Akzeptanz finden, wäre eine völlige Neubewertung keineswegs auszuschließen. Allerdings, dass Goldbesitz, der über Schmuck hinausgeht, zu einem Privileg werden könnte, wie es in den Vereinigten Staaten für mehrere Jahrzehnte bereits der Fall war, muss bei derartigen Überlegungen ebenfalls respektiert werden.

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