Montag , 17 Juni 2024
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Ließe sich der Goldstandard wirklich wieder einführen?

goldbarren_1kg_kitcoEine, am Montag geäußerte, Bemerkung des Weltbank-Chefs Robert Zoellick bezüglich der Wiedereinführung eines modifizierten Goldstandards löste in Fachkreisen Verwunderung und Diskussionen aus. Auch wenn das derzeitige System der Weltwährungen seine Schwächen immer deutlicher werden lässt, führt ein historischer Rückblick auf die Erfahrungen mit bindender Golddeckung zu nicht weniger Bedenken. Die Folgen des Konflikts zwischen den einzelnen Währungen sind zwar noch nicht abzusehen, doch gäbe es wirklich genügend Gold, um das derzeitige Geldvolumen auch nur teilweise zu decken?

Obwohl wir alle an den täglichen Umgang mit Geld gewöhnt sind, interessieren sich überraschend wenige Menschen dafür, wie Geld eigentlich entsteht. Einen ausführlichen Artikel zu diesem Thema, hat The Intelligence schon vor längerer Zeit veröffentlicht. Der markanteste Punkt der sogenannten Fiat-Währungen findet sich darin, dass nur ein kleiner Prozentsatz von Zentralbanken in Umlauf gesetzt wird. Mehr als 90 Prozent des Geldvolumens existiert nicht als gedruckte Scheine oder Münzen, sondern, als sogenanntes Buchgeld, ausschließlich in Form von Guthaben auf Bankkonten. Herausgegeben wird Buchgeld durch private Banken in Form von Krediten. Auf diesem Wege werden reale Werte wie Immobilien, aber auch die menschliche Arbeitskraft, in Zahlungsmittel umgesetzt. Dieses System ist letztendlich für die, während der vergangenen Jahrzehnte dramatisch fortgeschrittene, Überschuldung von Staaten und Bürgern verantwortlich.

100_reichsmarkDer herkömmliche Goldstandard würde bedeuten, dass eine Geldeinheit mit einer bestimmten Menge Goldes gleichgesetzt wird. Dementsprechend korrespondierte zur Zeit des Deutschen Kaiserreiches ein Kilogramm Feingold mit 2.790 Goldmark. Bis zum Jahr 1971 garantierte die amerikanische Regierung ausländischen Banken, jede beliebige Dollarmenge gegen Gold einzulösen und zwar zu einem Preis von $ 35 je Unze. Diese Garantie sicherte dem Dollar somit auch den Rang einer weltweiten Leitwährung.

Allerdings, während Geldvolumen regelmäßig expandierten, nahmen Goldreserven, wenn überhaupt, nur geringfügig zu. Zumindest teilweise ist die Aufhebung der Golddeckung des US-Dollars auf die Politik des französischen Staatspräsidenten Charles de Gaulle zurückzuführen, der die zugesagte Einlösung der Dollarguthaben in Gold auch tatsächlich in Anspruch nahm.

Auch wenn es, aufgrund des Vertrauens, das in eine Institution oder einen Staat gesetzt wird, keineswegs notwendig ist, das gesamte Geldvolumen durch Goldreserven gesichert zu haben, eine gewisse Mindestdeckung sollte natürlich nicht unterschritten werden. Und genau dies führt zu den Problemen, die sich während der Erhaltung des Goldstandards mehrfach gezeigt haben. Eines davon wäre Deflation.

Wächst die Wirtschaft rascher als die Goldreserven zunehmen, bedeutet dies, dass eine annähernd gleiche Geldmenge zur Verfügung steht, um eine größere Zahl von Transaktionen durchzuführen. Dies bringt einerseits eine Reduktion der Preise mit sich, andererseits aber eine Anhebung des Wertes der Geldeinheit, also Deflation. Auch wenn dieser Umstand auf den ersten Blick sogar erfreulich wirkt, so bringt er mit sich, dass die Sicherheiten zur Abdeckung von Darlehen oder Hypotheken mit der Zeit weniger Wert repräsentieren als die Schuld. Gehen wir von gleichbleibenden Zinsen aus, wird durch das Ansteigen des Realwertes der Zinsleistungen die landesweite Kaufkraft reduziert. Außerdem, im Falle einer Deflation wäre es naheliegend, Bargeld anzusparen, da dieses regelmäßig im Wert steigt. Sowohl mangelnde Investitionsbereitschaft als auch reduzierte Kaufwilligkeit wirken sich aber negativ auf die weitere Entwicklung der Wirtschaft aus.

Ein weiterer Punkt, der gravierende Zweifel an der Möglichkeit einer Rückkehr zum Goldstandard mit sich bringt, wäre das Verhältnis zwischen vorhandener Goldmenge, Goldpreis und Geldvolumen. Die bis zum Ende des Jahres 2009 weltweit geförderte Goldmenge wird auf 165.000 Tonnen geschätzt. Angaben des World Gold Councils (2008) zufolge, wurden davon 52 Prozent zu Schmuck und 12 Prozent für industrielle Zwecke verarbeitet. 16 Prozent befinden sich in Form von Barren oder Münzen in privatem Besitz, Banken und Institutionen eingeschlossen, und 18 Prozent liegen in den Tresoren von Zentralbanken.

Nehmen wir aber trotzdem den Wert der gesamten Goldmenge, die dem Erdboden entnommen wurde, so beträgt dieser bei einem Goldpreis von $ 45.000 pro Kilogramm (derzeitiger Preis) rund 7,5 Billionen Dollar bzw. 5,5 Billionen Euro. Die Zahlen zum Geldumlauf (Money Supply, M3) liegen für den Euro alleine bei 9 Billionen und bei mehr als 10 Billionen für den US-Dollar. Und dazu kommt der Rest der Welt.

Ein Artikel in der österreichischen Wirtschaftszeitung Die Presse rechnet hoch, dass der Goldpreis von derzeit rund $ 1.400 pro Unze auf $ 40.000 ansteigen müsste, um bei der derzeitigen Kaufkraft des Geldes zum Goldstandard zurückkehren zu können. Dies hätte gleichzeitig zur Folge, dass in großen Teilen der Welt eine Goldmünze ausreichen würde, um sich ein Haus zu kaufen. In anderen Ländern, in denen das Tragen von Goldschmuck der Tradition entspricht, würde sich eine Unzahl von Menschen plötzlich ansehnlichen Reichtums erfreuen. Auch wenn ein weiterer Anstieg des Goldpreises erwartet werden kann, Veränderungen des Währungssystems haben bis jetzt noch niemals dem Zweck gedient, Bürger reicher werden zu lassen.

robert_zoellickWeltbank-Chefs Robert Zoellick sprach allerdings von einem „modifizierten“ Goldstandard, ohne näher zu erläutern, in welcher Form sich diese Modifikation auswirken könnte. In einem Punkt hat er auf alle Fälle recht. Die derzeitige Situation lässt sich mit Sicherheit nicht mehr lange in unveränderter Form weiter führen. Die Last öffentlicher Schulden, Marktsättigung und internationaler Konkurrenzdruck stellen die Welt vor ein Problem, wie es zum ersten Mal in der Geschichte gegeben ist. So wie die derzeitige Wirtschaftslage aber für jene Menschen, denen es gelungen ist, während der vergangenen Jahrzehnte einen gewissen Überblick zu erhalten, keineswegs als Überraschung erscheint, so können wir auch davon ausgehen, dass eine Veränderung des weltweiten Finanz- und Wirtschaftssystems vermutlich bereits ausgearbeitet ist. In welcher Form? Mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit werden wir es schon in naher Zukunft erleben.

Ein kleines Detail möchte in abschließend jedoch noch einmal in Erinnerung rufen. Zu Beginn der Wirtschaftskrise in den USA, 1929, galt eine Dollarnote grundsätzlich noch als Goldzertifikat. Der Preis war mit $ 20,67 pro Unze festgesetzt. Am 5. April 1933 unterzeichnete Präsident Franklin D. Roosevelt den Executive Order 6102, der den privaten Goldbesitz unter Strafe stellte und zwar mit einem Ausmaß von bis zu $ 10.000 (anno 1933) und einer möglichen Freiheitsstrafe von bis zu 10 Jahren (!!!). Nur Schmuck und Sammlermünzen waren von dieser Bestimmung ausgenommen. Barren, Münzen und auf Gold lautende Papiere mussten zum Preis von $ 20,67 pro Unze dem Staat überlassen werden. Am 30. Januar 1934 trat der Gold Reserve Act in Kraft, durch den nicht nur der genannte Präsidentschaftserlass Bestätigung fand, auch wurde der Goldpreis auf $ 35 pro Unze angehoben – nachdem die „freien“ Bürger ihr Gold zu einem um 40 Prozent niedrigeren Preis abgeliefert hatten. 

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