Dienstag , 20 August 2019
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Ölpest im Golf noch lange nicht vorüber

golf_oelschwadenDie Ölkatastrophe im Golf von Mexiko gerät langsam wieder in Vergessenheit. Nicht jedoch für die Bewohner der Region. Während sich auf der Meeres-Oberfläche mehrere Kilometer lange Ölschwaden zeigen, leiden immer mehr Bewohner unter Vergiftungs-Erscheinungen. Die erfahrene Meeres-Toxikologin Riki Ott beschreibt einzelne Fälle in ihrem jüngsten Interview. Auch spricht sie von Autopsien, vom Öl als möglicher Todesursache. Warum werden keine Warnungen durch die Behörden verlautet? Weil, so glaubt Riki Ott, die gigantischen Konzerne über die amerikanische Politik bestimmen.

Schon mehrmals hat The Intelligence über Riki Ott berichtet. Aufgrund ihrer Aktivitäten in Alaska, nach dem Sinken des Öltankers Exxon-Valdez im Jahr 1989, verfügt sie über mehr Erfahrung im Umgang mit Öl und Lösungsmitteln als irgend ein Mensch im Golf von Mexiko. Und durch die Katastrophe in Alaska weiß sie auch um die Gefährlichkeit von Ölverschmutzungen. Die durchschnittliche Lebenserwartung der damaligen Helfer betrug nicht mehr als 52 Jahre. Nur wenige sind noch am Leben.

Obwohl mehrere Meldungen der vergangenen Wochen von enormen Ölmengen im Golf von Mexiko berichten, wird die Situation von offizieller Seite verharmlost. Touristen werden motiviert, die Urlaubsorte zu bereisen, im Meer zu schwimmen und dort gefangenen Fisch zu verzehren. Die Bilder, die vor wenigen Tagen von NOLA.com veröffentlicht wurden, die endlose Ölstreifen auf der Meeresoberfläche zeigen, finden dagegen wesentlich weniger Beachtung.

Riki Ott hält sich, obwohl sie sich des Gesundheitsrisikos durchaus bewusst ist, seit mehr als fünf Monaten an der Golfküste auf. Kaum durch lokale Medien unterstützt, bemüht sie sich, die Gefahr bekannt zu machen und rät seit langem dringlichst dazu, die Region auf zumindest ein Jahr zu verlassen. Nur Wenigen sind die Mittel gegeben, ihrem Ruf zu folgen.

Riki Ott geht davon aus, dass zwischen vier und fünf Millionen Menschen einer akuten Gefährdung ausgesetzt sind. Wie viele wirklich unter Vergiftungserscheinungen leiden, weiß auch sie nicht. Die behandelnden Ärzte verfügen über keine Erfahrungswerte. Sie behandeln die auftretenden Symptome nach besten Wissen, als Erkältung, als Erkrankung der Atemwege, als Magenverstimmung oder Lebensmittelvergiftung. Doch, Riki Otts Erfahrungswerten entsprechend, leiden sie darunter, dass sich giftiges Erdöl und noch giftigere Lösungsmittel in ihren Körpern befinden.

Während sie in dem folgenden Interview von Einzelschicksalen berichtet, ein zweijähriges Kind eingeschlossen, verweist sie auch auf mehrere Autopsien, die Klarheit über die Auswirkungen der Öldämpfe verschaffen sollen. Ihrer Überzeugung nach befinden sich die Giftstoffe in der Luft, regnen auf die Erde, füllen Swimmingpools.

Warum unternehmen die amerikanischen Behörden nichts? Riki Ott verweist auf die Macht des Geldes im allgemeinen. Und sie gibt sich überzeugt, dass die gigantischen internationalen Konzerne nicht nur die Wirtschaft kontrollieren, sondern auch die Politik. Trotzdem glaubt sie fest daran, dass dieses verantwortungslose Vorgehen zu Konsequenzen führen wird. Mit Sicherheit noch vor den nächsten Präsidentschaftswahlen im Jahr 2012.

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Als Erklärung für das Vorgehen der amerikanischen Behörden, Präsident Obama, der selbst mit seiner Familie auf einen Kurzbesuch in den Golf von Mexiko reiste, eingeschlossen, könnte natürlich die Undurchführbarkeit einer Massenevakuierung betrachtet werden. Nehmen wir die von Riki Ott angenommene Zahl von vier bis fünf Millionen Menschen. Wo sollten sie auf ein Jahr lang untergebracht werden? Wie hoch wären die Kosten dafür? Mit Sicherheit würden die Mittel von BP, zusätzlich zu den ohnehin schon zu leistenden Zahlungen, keinesfalls ausreichen. In Zeiten einer massiven Wirtschaftskrise öffentliche Gelder zur Verfügung zu stellen, derartige Summen, würde ebenfalls ungeahnte Probleme mit sich bringen. Nicht, dass verantwortungslose und vielleicht sogar todbringende Ignoranz dadurch entschuldbar wäre, aber vielleicht erklärlich. Es wäre nicht das erste Mal, dass Menschen geopfert werden, um ein System zu erhalten.

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