Montag , 6 Februar 2023
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Pressefreiheit – nicht der Reporter, sondern der Sender entscheidet

capitol_hillEin TV-Reporter, der sich über Jahrzehnte größter Beliebtheit erfreute, erlaubte sich einen gefährlichen Kommentar. Vermutlich verhielt er sich, während der folgenden Standpauke, nicht diplomatisch oder kooperativ genug. Er wurde auf unbestimmte Zeit suspendiert und seine Fans müssen sich damit einfach abfinden. Was für ein Kommentar war es, der die Gemüter der internen Zensoren so sehr erregte? Es ging um BP und um die Ölkatastrophe im Golf von Mexiko. Doug McKelway von, dem ABC-News-Network zugehörigen, WJLA-TV in Washington verwies auf BPs Wahlspenden, insbesondere an Präsident Barack Obama.

Seit 30 Jahren arbeitete Doug McKelway für verschiedene Nachrichtensender. Sein Großvater war bereits Zeitungsherausgeber und Präsident von Associated Press. Am 20. Juli berichtete McKelway live vom Capitol Hill in Washington über eine kleine Versammlung von Naturschützern, die für die Verwendung „sauberer Energie“ demonstrierten. Nicht nur für die Kameras blieben die Aktivisten im Hintergrund. McKelway schwenkte sofort das Thema und hinterfragte, wie viele Kongress-Mitglieder „schmutziges Ölgeld“ an ihren Händen kleben haben. „Vielleicht eine riskante Strategie“, gab er von sich, „denn der eine Mann, der mehr Wahlkampf-Finanzierung von BP erhalten hatte als irgend jemand anderer in der Geschichte, sitzt jetzt im Oval Office, Präsident Barack Obama, der 77.051 Dollar als Wahlspende von BP angenommen hatte.“

Es folgte ein kurzes Interview mit dem Umweltschützer Ted Glick, der ebenfalls der Meinung ist, dass „schmutziges Energiegeld“ die politische Landschaft korrumpiere. Danach wird, wie das folgende Video (englisch) zeigt, erklärt, dass die Probleme des endgültigen Verschließens des Öllecks noch lange nicht bewältigt sind.

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Vor zwei Tagen berichtete die Washington Post, dass Doug McKelway auf unbestimmte Zeit suspendiert wurde. In dem Artikel wird darauf verwiesen, dass er in ein Streitgespräch mit seinem Vorgesetzten Bill Lord verwickelt war. Wie ein Kollege der Washington Post gegenüber mitteilte, sollen es allerdings nicht die im TV gesendeten Worte gewesen sein, die zu seiner Suspendierung führten, sondern „Insubordination“, was sich sowohl mit „Gehorsamsverweigerung“ als auch „Aufmüpfigkeit“ übersetzen lässt.

Was die relativ geringe Höhe der zitierten Wahlspende betrifft, so sei erwähnt, dass diese vom Gesetz her streng limitiert sind. Nachdem McKelway nur auf die offiziellen Zahlen verweisen konnte, obliegt es dem Zuseher, entsprechende Schlüsse daraus zu ziehen.

Dieser eine Vorfall ist gewiss nicht als großer Skandal einzustufen, insbesondere die Vermutung des Kollegen berücksichtigend, dass das Wortgefecht mit Bill Lord der entscheidende Anlass für die Suspendierung sei. Wir können aber trotzdem davon ausgehen, dass der Ursprung des Streitgesprächs in dem Hinweis, den wir selten vernehmen, dass Konzerne Politiker finanzieren, zu suchen ist. Wenn eine derartige und ähnliche Mitteilungen die berufliche Karriere eines Journalisten gefährden, dann dürfen wir uns nicht wundern, wenn wir so selten daran erinnert werden.

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