Samstag , 26 September 2020
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Ölpest: Die schlimmsten Befürchtungen bewahrheiten sich

golf_von_mexiko_luftbild_juni25Nach dem Aufsetzen der Abdeckung wurde lange damit gezögert, die Ventile zu schließen. Befürchtungen bezüglich des entstehenden Drucks wurden geäußert. Plötzlich verbreiteten sich die guten Nachrichten rund um die Welt. Das Leck sei dicht! Allerdings, die Börsenkurse von BP reagierten wenig optimistisch. Eine mögliche, doch immer noch spekulativ wirkende Erklärung dafür, hatte der Geologe Chris Landau schon vorige Woche parat: Der Seeboden selbst sei beschädigt und ließe Öl durchsickern. Seit heute scheint dies jedoch keine Spekulation mehr zu sein. Vorsichtig informieren die Medien darüber, dass Öl durch den Meeresboden austritt. 

Von Anfang an wirkte die Berichterstattung über den tragischen Vorfall im Golf von Mexiko zurückhaltend, verheimlichend, unbefriedigend. Immer wieder stellte sich die Frage, warum wird Wissenschaftlern nicht erlaubt, mittels U-Booten die Situation am Meeresboden zu analysieren? Warum überließ die amerikanische Regierung praktisch alle Arbeiten dem verursachenden Ölkonzern, zumindest offiziell? Warum nahmen scheinbar einfache Lösungen, wie das Aufsetzen einer Glocke, Monate in Anspruch?

Schon seit Wochen kursieren bislang unbestätigte Gerüchte, dass durch die Bohrarbeiten bzw. der Explosion beim Blowout die geologische Struktur des Meeresbodens beschädigt worden sei. Schon vorige Woche gab sich der aus Südafrika stammende, und seit 2003 in den USA lebende, Geologe Chris Landau in einem Gespräch mit Russia Today pessimistisch. Seiner Überzeugung nach, sollte es maximal eine Woche dauern, bis Öl und Erdgas durch den Seeboden austreten werden. Das folgende Video stammt von einer der BP Unterwasserkameras, aufgezeichnet heute um 3:37 Ortszeit:

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Neben Russia Today hat sich kein Fernsehsender, keine Zeitung gefunden, über diese Gefahren zu berichten. TheIntelligence wollte nicht zum Opfer von Gerüchten werden, und hielt sich deswegen ebenfalls mit der Berichterstattung zurück. Doch plötzlich werden die Befürchtungen offiziell. Carl Larry ist Finanzexperte im Energiebereich und plaudert in einem Interview aus der Schule der Anleger. Aus dem Gespräch geht nicht nur hervor, dass Öl und Gas nun durch den Meeresboden austritt, sondern auch, dass die Entlastungsbohrungen, die seit Beginn der Katastrophe als letzte Lösung bezeichnet wurden, in diesem Fall zu keinem Ende des Ölflusses führen können. Bestenfalls zu einer Reduktion.

Wie sieht die Zukunft für den Golf von Mexiko aus? Was droht dem atlantischen Ozean, dessen Strömung vom Golf nach Europa führt? Wann werden die Medien endlich darüber aufklären, dass es sich nicht einfach um die schlimmste Ölkatastrophe Amerikas handelt, sondern weltweit?

Schon am Freitag hat TheIntelligence darüber berichtet, dass der anfängliche Kursanstieg der BP-Aktien, nach dem Bekanntwerden des „endgültigen Verschließens“ des Öllecks, während der Nachmittagsstunden, plötzlich wieder neutralisiert wurde. Der Schlusskurs am Freitag belief sich auf $ 37,10. Das Eröffnungsgebot am Montag morgen lag mit $ 36.00 deutlich niedriger und etwa eine Stunde später lag der Kurs bereits auf$ 35,16.

Die Washington Post veröffentlichte ein Interview mit John Hoffmeister, ehemaliger Präsident von Shell sowie Gründer und Vorstand der Organisation „Citizens for Affordable Energy“, in dem dieser vorsichtig erklärte: „Die größte Sorge ist die Intaktheit der Bohrlochverrohung … Falls, wegen der Abdeckung, Öl von außerhalb der Verrohung austritt, dann kann es von dieser Abdeckung nicht kontrolliert werden, durch die das derzeitige Aussickern verursacht wird.“

Seit der Explosion auf der Ölplattform Deepwater Horizon sind drei Monate vergangen. Täglich strömten Millionen von Litern Rohöl und Unmengen von Methan in den Golf von Mexiko. Nun scheint es als wären die schlimmsten Befürchtungen wahr geworden. Von einem Verschließen des Lecks wird vermutlich bald keine Rede mehr sein, sondern bestenfalls von einer Reduzierung des Ölflusses. Wie viele Millionen von Tonnen könnten während der nächsten Jahre den Atlantik verseuchen? Was wären die Konsequenzen?

Abschließend wäre vielleicht noch ein Vergleich angebracht: Als am 11. September des Jahres 2001 zwei Flugzeuge in das World Trade Center in New York gesteuert wurden, handelte es sich um eine Tragödie. Über Wochen hinweg schien für die Medien nichts von größerer Bedeutung zu sein. Beim Ölleck im Golf von Mexiko handelt es sich um die größte Umweltkatastrophe in der Geschichte unserer Zivilisation, deren Auswirkungen jene des Vorfalles vom 11. September bei weitem überschatten werden. Warum wird unsere Aufmerksamkeit in diesem Fall nicht mit der gleichen Intensität geweckt? Ist unser aller Umwelt von geringerer Bedeutung als politische Ereignisse?

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