Mittwoch , 20 Oktober 2021
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Ölkatastrophe führt zur Aufhebung der Pressefreiheit

anderson_cooper_ac360Während der Hurrikan „Alex“, der über das nördliche Mexiko hinwegzog, die Reinigungsarbeiten im Golf von Mexiko unterbrach, Winde und Wellengang die Ölverschmutzung weiter an die Küsten und ins Marschland trieben, verkündete gestern die Küstenwache, dass sich Journalisten von den Reinigungsarbeiten und –Schiffen fernzuhalten haben. Was von BP beziehungsweise deren Vertragsunternehmen durch ihre Mitarbeiter schon seit Wochen praktizierte wurde, nämlich Angehörigen der Presse den Zutritt zu verschmutzen Stränden zu verwehren, wurde nun offiziell. Ein staatlicher Angriff gegen die Pressefreiheit. 

Seit Beginn der Ölkatastrophe am 20. April wurde die Öffentlichkeit über die wahren Ausmaße im Dunkeln gehalten. Von 1.000 Fass, die unkontrolliert austraten, wurde anfangs gesprochen. Schritt um Schritt näherten sich die offiziellen Angaben den ersten, scheinbar so übertrieben klingenden, Spekulationen. 60.000 Fass pro Tag oder 10.000 Tonnen.

Während das Öl an mehreren Stellen im Meeresboden austritt, zeigte BP die Bilder von einer einzigen Unterwasserkamera. Immer wieder wurde behauptet, das Problem im Griff zu haben. Es klang so, als würde es im schlimmsten Fall bis August dauern, bis es endgültig gelingen würde, den Ölaustritt zu stoppen. Heute, nach mehr als 70 Tagen, glaubt kein Mensch mehr daran.

Nicht nur die Helfer, auch die lokale Bevölkerung wird immer häufiger von Krankheitssymptomen befallen, die durch die Öldämpfe ausgelöst werden. Vergiftungserscheinungen, die sich durch Kopfschmerzen, Übelkeit, Erbrechen, Müdigkeit, Konzentrationsmangel und vorübergehende Verwirrungszustände erkenntlich machen. Wie die Meerestoxikologin Riki Ott aus Alaska, nach ihren Erfahrungen mit der Folgen der Exxon-Valdez-Katastrophe, zu berichten weiß, handelt es sich dabei nicht um verübergehende Effekte. In vielen Fällen leiden die Menschen Jahre darunter. Die amerikanischen Medien berichten überraschend wenig darüber.

Anderson Cooper von CNN gehört zu den Wenigen, die täglich für Updates sorgen. In seiner Sendung berichtete er, dass von nun an nicht nur BP, sondern auch die Küstenwache den Journalisten verbietet, sich den für die Öffentlichkeit gesperrten Zonen zu nähern. 65 Fuß, knapp über 20 Meter, lautet die Vorschrift. Laut Cooper weit genug, um dramatische Fotos zu verhindern.

Allerdings, diese Verordnung ist neu. Auch davor verhielt sich die amerikanische Presse, von Ausnahmen abgesehen, sonderbar zurückhaltend. Schließlich sind die Medien Teil der Konzernwelt. Nun gibt es halt eine Ausrede mehr – auch wenn die, in Amerika so hoch geschätzte, „Pressefreiheit“ dadurch aufgehoben ist.

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