Montag , 26 August 2019
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Spekulation ist die Wurzel allen Übels

new_york_stock_exchangeGeldgeschäfte und Spekulation gingen seit jeher Hand in Hand. Vom holländischen Tulpenwahn über zu hoch geschraubte Erwartungen in Kolonien bis zum verhängnisvollen Bau des Panama-Kanals. Und vor wenigen Jahren platzte die Dotcom-Blase und dann die Immobilien-Blase. Immer wieder wurden finanzielle Gebilde geformt, die eines Tages platzen mussten.  Im Jahre 1717 erwarb John Law die Handelsgesellschaft Mississippi-Company. Dank der Vortäuschung falscher Tatsachen, fanden sich finanzkräftige Investoren. Nur drei Jahre später hatten sich plötzlich entstandene Vermögen wieder ins Nichts aufgelöst. Anstatt aus den Fehlern der Geschichte jedoch zu lernen, wurde Spekulation zur Basis unseres gesamten modernen Wirtschaftssystems.

Lassen Sie mich kurz über diesen John Law berichten. Er war der Sohn eines Geldverleihers aus Schottland, zog nach London, musste nach einem Duell, bei dem er einen gewissen Edward Wilson getötet hatte, flüchten und wurde 1716, unter König Ludwig XV, zum Gründer der ersten privaten Zentralbank Frankreichs, der Banque Générale. Die erste private Notenbank war übrigens die Bank of England, gegründet 1694. Allerdings, während das Grundkapital der Bank von England von mehr als 1.200 Investoren aus privaten Mitteln zur Verfügung gestellt wurde, bestand es in Frankreich zu drei Viertel aus Staatspapieren.

Seine Position geschickt ausnützend, erwarb John Law im August 1717 die Mississippi-Kompanie. Durch das Vortäuschen insbesondere großer Goldvorkommen in der französischen Kolonie Louisiana, dem späteren US-Bundesstaat, flossen immer mehr Gelder in diese Gesellschaft. Der Wert der Anteile stieg sprunghaft an, obwohl kaum Umsätze erzielt wurden. Zur Auszahlung der Dividende setzte Law immer mehr neues Papiergeld durch die Banque Générale in Umlauf. Als sich herausstellte, dass dieses Papiergeld ungedeckt war, platzte die Blase gegen Ende des Jahres 1720 und Law flüchtete wiederum. Dieses Mal nach Venedig, wo er 1729 im Alter von 57 Jahren verstarb.

Jetzt gibt es sicherlich viele Leser, die über dieses, fast 300 Jahre zurückliegende, Ereignis nur ein mildes Lächeln verlieren werden, ob der Naivität der Spekulanten dieser Zeit.  Dieses Lächeln ist aber total unbegründet, denn genau genommen sind wir, trotz aller elektronischen Informationen, um nichts schlauer geworden. Dazu wäre noch zu berücksichtigen, dass wir heute wahrscheinlich mehr über den Mars wissen als die Franzosen des frühen 18. Jahrhunderts über die ferne Kolonie Louisiana.

Heute, genauso wie damals, werden die Grundprinzipien einer funktionierenden Wirtschaft aus Profitgier aufs sträflichste vernachlässigt. Sowohl ökonomische Lehren als auch der gesunde Menschenverstand besagen, dass Kapitalertrag, ungeachtet, ob feste Zinsen, Dividende oder Spekulationsgewinn, durch die Realwirtschaft verdient werden muss. Nehmen wir als Beispiel die amerikanische Immobilienblase:

Hypothekardarlehen wurden an Investment-Unternehmen weiter verkauft. Alle Forderungen schienen durch Grundbesitz restlos gesichert. Nachdem für Banken, aufgrund der Weitergabe, kein eigenes Risiko bestand, erwiesen sie sich bei der Vergabe von Hypotheken als immer großzügiger, zahlten sogar Darlehen aus, die den Wert der Immobilie überstiegen. Jedermann, ohne Besitz und ohne Einkommen, konnte sich plötzlich ein Eigenheim anschaffen. Die dadurch erhöhte Nachfrage ließ die Preise Jahr für Jahr ansteigen. Auf lange Zeit schien es, als ließen sich Werte tatsächlich aus dem Nichts erschaffen. Ein Haus, das um 300.000 Dollar erstanden wurde, korrespondierte wenige Jahre später mit einem Wert von 400.000, 500.000 Dollar und mehr. Doch, wie schon gesagt, Wertzuwachs wird von der Realwirtschaft geschaffen, nicht durch Spekulation. Eines Tages war klar, dass die amerikanischen Immobilienpreise bei weitem überhöht waren. Es folgte die Korrektur. Die Blase platzte und die Konsequenzen, die Pleite von Lehman Brothers und die Unterstützung von „systemrelevanten“ Banken durch Steuergelder, sind allgemein bekannt.

Und was für eine Rolle spielten die nun so oft zitierten Rating-Agenturen dabei? Bis zum bitteren Tag der Wahrheit, wurden die, auf Immobilien basierenden, Spekulationspapiere als absolut sicher, mit AAA, bewertet. Und die selben Rating-Agenturen reduzieren nun die Kreditwürdigkeit von Staaten und von Großbanken. Denken Sie über diese Situation bitte kurz nach: Private Banken wurden weitgehend aus der staatlichen Kontrolle entlassen. Die Kontrollfunktion obliegt fast ausschließlich einer Gruppe von drei privaten Agenturen, Standard & Poor’s, Moody’s und Fitch. Klingt es abwegig, eine Komplizenschaft zwischen Rating-Agenturen und Big Business zu vermuten?

wien_u-bahn_donau_cityNicht nur wohlhabende Bürger, oft auch betuchte Prominente, ja sogar ganze Staaten gingen den Finanzjongleuren willig und voller Begeisterung  auf dem Leim. Von der Öffentlichkeit weitgehend unbeachtet, wurden in meinem Heimatland Österreich, genauso aber auch in Deutschland, öffentliche Einrichtungen, im Rahmen des sogenannten Cross-Border-Leasing, amerikanischen Investoren übertragen. Dazu gehören, wie sich bei Wikipedia nachlesen lässt, insbesondere die öffentlichen Verkehrsmittel und die Abwasseranlagen mehrerer Städte. Es wurde erklärt, dass, aufgrund von Steuerersparnis, alle Seiten von diesen Deals profitieren würden. Auch das Netz der öffentlichen Verkehrsmittel in Wien sowie die Kanalisation zweier großer Bezirke wurden ins Ausland verleast und gleichzeitig von diesen Gesellschaften angemietet. Und auch dabei handelt es sich um eine Blase, die, was zumindest die Wiener Verkehrsbetriebe betrifft, bereits platzte. Verluste im dreistelligen Millionenbereich werden wiederum von den Bürgern, durch Steuermittel und Anhebung des Fahrpreises, getragen.

Dieser Art von Investment-Geschäften, die nichts als finanziellen Giftmüll produzieren, muss endlich ein Ende gesetzt werden. Die Interbankenmärkte gehören unter staatliche Kontrolle. Die gesamte Finanzwirtschaft muss dazu gezwungen werden, sich wieder ihrer ursprünglichen Aufgabe zu widmen, nämlich der Unterstützung der Realwirtschaft.

Das Kartell der Rating-Agenturen muss gebrochen werden. Wer wird denn am Ende immer wieder zur Kasse gebeten, wenn im Finanzbereich etwas schief läuft? Es sind die Bürger, die Steuerzahler. Und somit ist es unser Recht, die Kontrollfunktion zu übernehmen. Was heißt überhaupt „Recht“. Es ist unsere Pflicht. Wir schulden es unseren Familien, unseren Kindern und deren Kindern. Denn lassen wir die Finanzjongleure ungehindert weiter manipulieren, dann sind es die kommenden Generationen, die man zur Verantwortung ziehen wird.

Regierungen, unsere demokratisch gewählten Volksvertreter, müssen lernen, dass es kein Tabu sein darf, Banken pleite gehen zu lassen. Und wenn sich unsere Gesellschaft in eine Abhängigkeit begeben hat, weil der gesamte Geldumlauf, einschließlich der Geldschöpfung, von privaten Banken kontrolliert und gehandhabt wird, dann müssen wir Maßnahmen fordern, diese lebenswichtigen Funktionen wieder in die öffentliche Hand zu nehmen.

Die Gier nach Profit liegt in der Natur der Investition. Dabei scheint die Linie zwischen Spekulation und Investition sehr dünn geworden zu sein, wenn es sie überhaupt noch gibt. Und dem Investor ist es völlig egal, ob Menschen sich die Fahrkarte noch leisten können oder, wie es in vielen Teilen der Welt auch heute noch der Fall ist, die tägliche Hand voll Reis. Es kümmert ihn nicht, wie viel von Menschen geleistet werden muss, um seinen Hunger nach Profit zu stillen. Millionen von Einzelschicksalen berühren ihn nicht. Es geht immer nur darum, den höchstmöglichen Gewinn zu erzielen.

Haben wir als Menschen, als Bürger, als Unterhalter der Realwirtschaft, die Nase noch immer nicht voll? Sind wir noch immer bereit, hart zu arbeiten, unnötige Steuern ebenso zu bezahlen wie spekulationsbedingt überhöhte Preise, um den unbeschreiblichen Reichtum einer sich im Hintergrund haltenden Elite noch weiter zu vergrößern? Sind wir noch immer nicht aufgebracht genug, um von unseren demokratisch gewählten Politikern dringlich notwendige Maßnahmen zu fordern? Gibt uns die Geschichte nicht genügend Beispiele, die belegen, wohin unkontrollierte Spekulation führt?

Wir leben in einer Demokratie. Wir leben in einem Rechtsstaat. Wir dürfen unsere Meinung äußern und wir dürfen Forderungen stellen. Aber auf Veränderungen, auf Verbesserungen können wir nur hoffen, wenn wir auch bereit sind, für die Durchsetzung unserer Forderungen einzutreten. Wie lange muss es denn noch dauern, bis unsere Mitmenschen das begreifen? Unser aller Zukunft steht auf dem Spiel. Noch ist es nicht zu spät.

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